Die neue europäische Medical Device Regulation (MDR, Medizinprodukte-Verordnung) und die EU-Verordnung über In-Vitro-Diagnostika IVDR ersetzen die bestehenden Medizinprodukte-Richtlinien.
Seit dem 25. Mai 2017 sind die EU-Verordnungen, die MDR und die IVDR, gültig.

Videoserie

Lernen Sie in der Videoserie die wichtigsten Neuerungen und die sieben Schritte zum Umstieg auf die MDR kennen.

Videos zur MDR

Letzte Updates:

Hier die Übersicht über alle Updates.

Klicken Sie diesen Link, um das kostenlose Starter-Kit herunterzuladen, das Ihnen einen Überblick über die regulatorische Landschaft verschafft und Ihnen die 6 Schritte zur „Zulassung“ Ihres Medizinprodukts aufzeigt.

Neu: Das Starter-Kit enthält die MDR-Checkliste im PDF und im DOCX-Format zum Download!

1. Die Medizinprodukte-Verordnungen (MDR, IVDR) lösen die Medizinprodukte-Richtlinien (MDD, AIMD, IVD) ab

Die neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten (Medical Device Regulation, MDR, mit der Nummer 2017/745) soll die bisherigen Medizinprodukte-Richtlinien ersetzen, nämlich die

  • Richtlinie 93/42/EWG über Medizinprodukte (Medical Device Directive, MDD)
  • Richtlinie 90/385/EWG über aktive implantierbare Medizinprodukte (Active Implantable Medical Devices, AIMD)
Die MDR (Medical-Device-Regulation) löst die MDR ab, die IVDR die IVD
Abb. 2: Die MDR (Medical-Device-Regulation) löst die MDD und AIMD ab, die IVDR die IVD

Die Richtlinie 98/79/EG über in-vitro Diagnostika (IVD) wird nicht in der Medical Device Regulation aufgehen, sondern durch eine eigene neue EU-Verordnung ersetzt (In-Vitro Diagnostic Medical Devices Regulation, IVDR, Nummer 2017/746).

Weiterführende Informationen

Lesen Sie hier mehr zum Thema In-Vitro Diagnostic Medical Devices Regulation, IVDR

2. Änderungen durch die neue Medical Device Regulation (im Vergleich zur Medical Device Directive)

Neben der Zusammenfassung der bisherigen zwei eigenständigen Medizinprodukte-Richtlinien sind derzeit u. a. folgende, wesentliche Änderungen bzw. Neuerungen in dem Entwurf der Medical Device Regulation zu finden:

a) Anforderungen an die Produkte

  • Die Anforderungen an den Inhalt der Technischen Dokumentation werden in einem neuen Anhang 2 der Medical Device Regulation zukünftig deutlich detaillierter geregelt. Die kontinuierliche Aktualisierung dieser Unterlagen ist eine der neuen Anforderungen. Lesen Sie weiter unten mehr zu den geänderten Anforderungen in der technischen Dokumentation.
  • Die MDR gibt umfangreiche Vorgaben für die Post-Market-Surveillance. Dazu zählen ein Post-Market Surveillance Plan ebenso wie Berichte (z.B. Periodic Safety Update Report (PSUR)).
  • Klinische Bewertungen und klinische Prüfungen werden detaillierter geregelt und vorgeschrieben. Dabei wird die Medical Device Regulation konkreter, was Art und Qualität der klinischen Daten betrifft. Auch die Daten aus der Post-Market Surveillance sind im Rahmen des Post-Market Clinical Follow-up (PMCF) einzubeziehen, um die klinische Bewertung regelmäßig zu aktualisieren.
  • Höhere Anforderungen an Produkte mit Gefahrstoffen insbesondere krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe.
  • Es ergeben sich neue Anforderungen an die Etikettierung von Medizinprodukten.
  • Die EU-Kommission behält sich vor, sogenannte „gemeinsame Spezifikationen“ („common specifications“) festzulegen, wenn sie der Meinung ist, dass harmonisierte Normen fehlen oder unzureichend sind.
  • Jedes Produkt muss zukünftig eine eindeutige Produktidentifizierungsnummer (UDI) erhalten. Lesen Sie hierzu einen eigenen Beitrag zur UDI („unique device identification“).
  • Die Anforderungen an die Wiederaufbereitung von Einmalprodukten sind gestiegen.

b) Anforderungen an die technische Dokumentation

Eine Übersicht über die Änderung der Anforderungen an die grundlegenden Anforderungen verschafft die folgende Tabelle

KategorieDetailforderungMDRMDD

Beschreibung des Geräts

Produkt- oder Handelsname

Allgemeine Beschreibung

Klassifizierung und Begründung

Varianten, Konfigurationen

Fotos

X

X

X

X

X

(X)

X

(X)

(X)

X

Identifikation

UDI DIX

Bestimmungs-gemäßer Gebrauch

Zweckbestimmung

Vorgesehene Anwender

Patientenpopulation

Indikationen und Kontraindikationen

Vorgesehene Anwendung

Zubehör

Zusammenspiel mit anderen Produkten

X

X

X

X

X

X

X

X

(X)

(X)

Physikalisches Prinzip

Beschreibung der Neuerungen

Überblick über ähnliche Produkte

Überblick über Vorgängerprodukte

X

X

X

Aufbau

Wesentliche Funktionen

Teile, Komponenten, Zusammensetzung

Zeichnungen, Diagramme, Erläuterungen

Beschreibung von Materialien (mit Körperkontakt)

Technische Spezifikationen

Berechnungen

X

X

X

X

X

X

X

X

Labeling

Broschüren, Kataloge

Gebrauchsanweisungen

Beschriftungen

Verpackungen

X

X

X

X

X

X

Herstellung

Entwicklungs- und Produktionsphasen inklusive Validierung von Prozess und Werkzeugen, Testen des Produkts

Angabe aller Standorte einschließlich aller an der Entwicklung und Produktion beteiligten Lieferanten und Unterauftragnehmer

X

X

X

Qualitätssicherung

Anforderungen an Leistungsfähigkeit und Sicherheit

Referenzen auf Nachweise aller grundlegenden Anforderungen

Verifizierung und Validierung zum Nachweis der grundlegenden Anforderungen mit Begründung der Wahl insbesondere betreffend

  • Sicherheit
  • Performanz
  • Bei Messfunktion: Genauigkeit
  • Interoperabilität

Nennung aller harmonisierten Normen oder anderer Standards

X

X

X

X

X

X

X

X

Risikomanagement

Risiko-Nutzenanalyse

Risikomanagementplan

Risikoakzeptanz

Risikoanalyse (auch durch Gebrauchstauglichkeit, Produktion und nachgelagerte Phase)

Maßnahmen zur Risikokontrolle

Ergebnisse des Risikomanagements und Maßnahmen

X

X

X

X

X

X

X

X

X

(X)

X

X

Daten aus Forschung und Entwicklung (prä-klinische und klinische Daten)

Ergebnisse von Vortests (z.B. Labor, Simulation, Tierversuche) einschließlich Beschreibung des Testdesigns z.B. mit Bezug zur

  • Biokompatibilität
  • elektrischen Sicherheit
  • biologische und toxische Materialien (hier nicht näher untersucht)
  • Software (s. nächster Punkt)

Klinische Bewertung

X

X

(X)

X

Software

Verifizierung

Validierung

Architektur

Entwicklungsprozess

Tests mit verschiedener Hardware

Tests „inhouse“ und in Gebrauchsumgebung

X

X

X

X

X

X

(X)

X

X

Postproduktion

Hier nicht näher beleuchtetXX

c) Klassifizierung, Zulasssung, Inverkehrbringung

  • Änderung bei den Konformitätsbewertungsverfahren: Ein Verfahren vergleichbar Anhang VI der MDD gibt es nicht mehr. Die gute Nachricht ist, dass es die Konformitätsbewertung durch die Hersteller noch gibt, also eine Zulassung ohne eine europäische Medizinprodukte-Behörde, wie man es von Arzneimitteln kennt.
  • Einführung eines Scrutiny-Verfahrens: benannte Stellen können verpflichtet werden, jeden neuen Antrag auf Konformitätsbewertung für ein Produkt mit hohem Risiko an eine Expertenkommission (die Medical Device Coordination Group (MDCG)) zu melden. Welche Konsequenzen dies hat, wie sehr Produkteinführungen verzögert werden, ist derzeit unklar.
  • Die Klassifizierung einiger Produkte ändert sich. So müssen eine Reihe von Implantaten, die bisher in Klasse IIb eingestuft waren, nun die Anforderungen von Klasse III Produkten erfüllen. Software fällt kaum noch in die Klasse I. Lesen Sie zur Regel 11 hier einen ausführlichen Artikel.
  • Es wird eine EU-weite Vereinheitlichung der Tätigkeit und der Prüfbescheinigungen der benannten Stelle geben (MDR Zertifikat).

d) Sonstiges

  • Die Aufbewahrungsdauer der Dokumentation hat die MDR von 5 auf 10 Jahre verdoppelt.
  • Medizintechnik-Hersteller müssen eine qualifizierte Person im Unternehmen benennen, die über qualifiziertes Fachwissen auf dem Gebiet der Medizinprodukte verfügen muss.
  • Die Datenbank EUDAMED wird erheblich ausgeweitet und – nachdem sie bisher staatlichen Institutionen vorbehalten war -, nun teilweise auch Herstellern, benannten Stellen sowie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
  • Die benannten Stellen machen zudem klar, dass die bisherigen PLM/OEM-Konstruktionen nicht mehr wie bisher akzeptiert werden. Lesen Sie mehr zu OEM hier und Tipps zum Umgang mit den neuen Anforderungen hier.
  • u.v.m.
Weiterführende Informationen

Lesen Sie in einem eigenen Beitrag mehr über die neuen und geänderten Anforderungen der MDR an die Entwicklung medizinischer Software und die künftige Bedeutung der harmonisierten Normen.

3. Umstieg auf die MDR

a) Videoserie zur Medical Device Regulation MDR

Videotrainings: Video1
Abb. 3: Das Video, der MDR-Siebensprung erläutert den Umstieg von der MDD auf die Medical Device Regulation

Sie können sich hier für die neue Serie an Videotrainings zur MDR registrieren und die Mindmap herunterladen.

Zum ersten Videotraining

b) Von was der Umstieg abhängt

Das Video nennt die sieben wichtigen Schritte, die Medizintechnik-Hersteller gehen sollten, um von den EU-Richtlinien (MDD, AIMD) auf die EU-Verordnung, die MDR, umzusteigen.

Sie sollten dabei die folgenden Einflussfaktoren beachten:

  1. Klassifizierung
    1. Klasse des  Medizinprodukts: Klasse I Produkte trifft der Umstieg weniger hart als Produkte der Klasse I* oder höher.
    2. Änderung der Klassifizierung: Sobald sich die Klasse und damit die Konformitätsbewertungsverfahren ändern, müssen Hersteller besondere Herausforderungen bewältigen. Das kann die Zulassung des Produkts verzögern!
  2. Stand der QM-Systems: Die ISO 13485:2016 stellt Anforderungen an QM-Systeme, die näher an denen der MDR liegen als ältere Versionen der Norm.
  3. Produkttyp: Für einige Produkttypen hat die Medical Device Regulation die Hürden besonders verschärft. Dazu zählen Produkte, die Nanopartikel oder Arzneimittel enthalten, Implantate und auch Produkte, die Software enthalten oder Software sind oder die zur Klasse der wiederaufbereitbaren chirurgischen Instrumente zählen..
  4. Form der Inverkehrbringung: Firmen die Produkte in einem PLM-OEM-Konstrukt vermarktet haben, trifft die MDR besonders hart.
Prof. Dr. Christian Johner
Hätten Sie Interesse an einer Liste konkreter Schritte, wie Sie die MDR spezifisch für Ihre Produkte umsetzen können?

4. Übersicht über die MDR

a) Die Kapitel

Die Medical Device Regulation MDR ist im Vergleich zur MDD völlig neu strukturiert:

  1. Kapitel: Anwendungsbereich und Definitionen
  2. Kapitel: Anforderungen an Hersteller, Distributoren und Mitgliedsstaaten: Konformitätsbewertungsverfahren, Labeling, Post-Market Clinical Follow-up, Post-Market Surveillance u.v.m.
  3. Kapitel: Nachverfolgbarkeit von Produkten v.a. UDI
  4. Kapitel: Anforderungen an die benannten Stellen
  5. Kapitel: Klassifizierung und Konformitätsbewertung
  6. Kapitel: Klinische Bewertungen und klinische Prüfungen
  7. Kapitel: Marktüberwachung, Meldewesen
  8. Kapitel: Zusammenarbeit von Mitgliedsstaaten, „Medical Device Coodination Group“ und anderen Experten
  9. Kapitel: Vertraulichkeit, Datenschutz, Strafen
  10. Kapitel: Übergangsfristen und mehr
MDR Medical Device Regulation Kapitelübersicht
Abb. 4: Die vollständige Mindmap (verfügbar im Auditgarant sowie im Starter-Kit) verschafft einen schnellen Überblick über mehr als 500 Seiten an Anforderungen der MDR.

b) Die Anhänge

Es folgen zahlreiche Anhänge:

  1. General safety and performance requirements
  2. Technical documentation
  3. Technical documentation on post-market surveillance
  4. EU declaration of conformity
  5. CE marking for conformity
  6. Information to be submitted with the registration of devices and economic operators (UDI)
  7. Requirements to be met by notified bodies
  8. Classification criteria
  9. Conformity assessment based on a quality management system and assessment of the technical documentation
  10. Conformity assessment based on type examination
  11. Conformity assessment based on product conformity verification
  12. Procedure for custom-made devices
  13. Certificates issued by a notified body
  14. Clinical evaluation and PMCF
  15. Clinical investigations
  16. List of groups of products without an intended medical purpose
  17. Correlation table

Mit 177 Seiten ist die Medical Device Regulation MDR ein komplexer und schwer zu navigierender Text. Daher haben wir Ihnen das Dokument ergänzt um

  • ein Inhaltsverzeichnis, über das Sie direkt zu den Kapitel, Artikeln und Anhängen navigieren können,
  • verlinkte Begriffsdefinitionen, damit Sie sofort erkennen, wann ein definierter Begriff verwendet wird und wie die Definition lautet, und
  • Links auf Kapitel, Artikel und Anhänge, auf die der Text Bezug nimmt. Wenn beispielsweise Artikel 10 eine klinische Bewertung gemäß Artikel 61 fordert, dann führt Sie der Link in Artikel 10 direkt zum Artikel 61.
Weiterführende Informationen

Sie finden hier die MDR als verlinktes Dokument.

5. Übergangsfristen bei der Einführung der MDR

Weiterführende Informationen

Beachten sie unseren umfassenden Beitrag zu den Übergangsfristen bei der MDR.

a) Hintergrund und Aktuelles

Am 04. April hat die Zweite Lesung der Medical Device Regulation MDR im Europäischen Parlaments stattgefunden. Am 05.05.2017 wurde sie im Amtsblatt veröffentlicht. Sie trat am 25.05.2017 in Kraft und gilt ab dem 26.05.2020.

Allerdings sind Stand Oktober 2019 die entsprechenden nationalen Rechtsakte (insbesondere Gesetze) nicht beschlossen, die die nationalen Besonderheiten und Anforderungen sowie die entsprechenden Strafbestimmungen festzulegen. Ein Entwurf des Medizinproduktedurchführungsgesetzes MDG liegt vor.

Das Bundesgesundheitsministerium hat einen Arbeitskreis(NAKI) ins Leben gerufen, der ein FAQ auch zu den Übergangsfristen publiziert hat.

Ein weiteres FAQ stammt von der CAMD Transition Sub Group. CAMD steht für „Competent Authorities for Medical Devices“.

Hinweis

Bitte beachten Sie die fortlaufend aktualisierten Meldungen im Kapitel „Aktuelles“.

b) Gesetzestext

Es gilt eine (theoretische) Übergangsfrist von drei Jahren. Spätestens danach müssen die Hersteller ein MDR-Zertifikat vorlegen, wenn sie ein Produkt erstmalig in Verkehr bringen.

(2) Bescheinigungen, die von Benannten Stellen vor dem 25. Mai 2017 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG ausgestellt wurden, bleiben bis zu dem in der Bescheinigung angegebenen Zeitpunkt gültig, außer im Fall von Bescheinigungen gemäß Anhang 4 der Richtlinie 90/385/EWG bzw. gemäß Anhang IV der Richtlinie 93/42/EWG, die spätestens am 27. Mai 2022 ihre Gültigkeit verlieren.

Bescheinigungen, die von Benannten Stellen nach dem 25. Mai 2017 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG ausgestellt werden, behalten ihre Gültigkeit bis zum Ende des darin angegebenen Zeitraums, der fünf Jahre ab der Ausstellung nicht überschreiten darf. Sie verlieren jedoch spätestens am 27. Mai 2024 ihre Gültigkeit.

(4) Produkte, die vor dem 26. Mai 2020 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden, und Produkte, die ab dem 26. Mai 2020 aufgrund einer Bescheinigung gemäß Absatz 2 des vorliegenden Artikels in Verkehr gebracht wurden können bis zum 27. Mai 2025 weiter auf dem Markt bereitgestellt oder in Betrieb genommen werden.

MDR Artikel 120

c) Sonderfälle

Abverkauf

Produkte die während dieser Übergangsphase noch nach den „alten“ Direktiven erstmalig in Verkehr gebracht werden, sollen also weiter „abverkauft“ werden dürfen.

Die Untergruppe 1 des NAKI hat getagt und ein FAQ zu den Übergangsfristen publiziert, der weitere Einzelfragen diskutiert u.a. den Abverkauf und den Verkauf gebrauchter Produkte.

Software

Bei Software, die über AppStores bereit gestellt wird, stellt sich die Frage, was als Zeitpunkt der Inverkehrbringung und der Inbetriebnahme zu verstehen ist. Ein ausführlicher Beitrag zur Inverkehrbringung gibt dazu Antworten.

Marktüberwachung

Auch die MDCG hat das Dokument 2019-10 herausgebracht, in der sie ihre Überlegungen zum Übergang bezüglich der Marktüberwachung darlegt. Demnach ist es möglich, dass ein Hersteller von den Übergangsfristen auch dann profitiert, wenn seine benannte Stelle noch nicht für die MDR benannt ist. Die Voraussetzung ist aber, dass die benannte Stelle weiterhin die Marktüberwachung aktiv durchführt und bei Problemen handelt.

c) Berechner

Weil der Artikel 120 zu den Übergangsfristen (wie die ganze MDR) an Verständlichkeit leidet, können Sie sich hier Folgendes berechnen lassen:

  1. Datum, bis zu dem Sie neue oder geänderte Produkte erstmalig inverkehrbringen dürfen
  2. Zeitpunkt, bis zu dem Sie Produkte abverkaufen („bereitstellen) dürfen
  3. Datum, bis zu dem Ihre Kunden die Produkte in Betrieb nehmen dürfen

Bitte beachten Sie die Meldungen im Abschnitt „Aktuelles“. Brüssel und die nationalen Gesetzgeber und Behörden diskutieren weiterhin Änderungen an den Übergangsfristen.

Prof. Dr. Christian Johner
Hätten Sie Interesse an einer Liste konkreter Schritte, wie Sie die MDR spezifisch für Ihre Produkte umsetzen können?

6. Hintergrundinformationen

a) Unterschied zwischen europäischen Richtlinien und Verordnungen

Die deutsche Übersetzung für Medical Device Regulation wäre Medizinprodukteverordnung. Die europäische Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation MDR) darf aber nicht mit der nationalen Medizinprodukteverordnung MPV verwechselt werden. Um Verwechslungen zu vermeiden, nutzen wir den englischen Begriff Medical Device Regulation.

Europäische Richtlinien

Der Begriff Richtlinie läßt analog dem Begriff „Richtgeschwindigkeit“ auf eine Freiwilligkeit der Anwendung schließen. Aber die EU-Harmonisierungsrichtlinien sind klare Direktiven (Directives), die sich an die sogenannten Wirtschaftsakteure (Hersteller und Inverkehrbringer) richten. Hersteller und/oder Inverkehrbringer müssen generell die Richtlinienanforderungen erfüllen.

Eine EU-Richtlinie wird unter Beteiligung der EU-Mitgliedsländer und der EWR Staaten) erarbeitet und muss gemäß EWG-Vertrag, Art.100a innerhalb einer vorgegebenen Frist (meist 6-24 Monate) über die nationalen Parlamente in nationales Recht umgesetzt werden. Abstriche oder Veränderungen sind nicht gestattet. Aber nationale, darüber hinausgehende Anforderungen sind möglich (z. B.: deutsches Medizinproduktegesetz (MPG) § 31 Medizinprodukteberater).

Europäische Verordnungen

Eine EU-Verordnung wie die Medical Device Regulation MDR wird hingegen von der EU-Kommission in Brüssel ohne direkte Zustimmung der Länderparlamente erlassen und ist innerhalb einer vorgegebenen Frist als europäisches, übernationales Recht anzuwenden. Nationale, darüber hinausgehende Anforderungen sind aber auch hier möglich. Wahrscheinlich wird es – nach heutiger Einschätzung – ein ergänzendes, deutsches Medizinproduktegesetz geben, das als rechtliche Basis für die nationalen Medizinprodukte-Verordnungen, vor allem für die Medizinprodukte-Betreiberverordnung benötigt wird.

Wenn die bisherigen Medizinprodukte-Richtlinien durch die Medical Device Regulation abgelöst wird, die die zwei genannten Richtlinien zusammenfasst, dann tritt die Medical Device Regulation vom Tag des Erscheinens an in Kraft und ist direkt in allen EU-Mitgliedsstaaten anzuwenden.

b) Gründe für die Ablösung der bisherigen Medizinprodukte-Richtlinien

Einer der Gründe, die bisherigen Richtlinien abzulösen, ergab sich durch den sogenannten PIP-Skandal. Ein Hersteller verwendete in krimineller Absicht für Brustimplantage Industrie-Silikon anstelle hochreinen medizinischen Silikons.

Nach Bekanntwerden dieser Machenschaften ergaben sich Überlegungen, wie man zukünftig derartige kriminelle Prozesse durch eine Verschärfung der Anforderungen an die Zulassung und damit an die Inverkehrbringung sowie an die Marktüberwachung verhindern könne.

7. Kritik an der MDR

a) Gefahr für Patientensicherheit

Durch die erhöhten Anforderungen, durch die gestiegenen Kosten und durch die unzureichende Anzahl und Kapazität benannter Stellen, steht zu befürchten, dass Medizinprodukte nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

Die Neue Zürcher Zeitung übertitelt einen Artikel zur MDR mit „Wenn die Politik ein Monster gebiert“. Die Zeitung hat leider Recht: „Es wird unweigerlich zu einer Konsolidierung kommen. Entweder werden die Kleinen aus dem Markt gedrängt oder zu Zulieferern der Grosskonzerne degradiert.

In einem weiteren Artikel vom 12.02. äußert die Zeitung sogar die Bedenken, dass notwendige Produkte nicht mehr im Markt verfügbar sein werden. Die Autoren schlussfolgern: „Das ursprüngliche Ziel der neuen Regulierung, die Patientensicherheit bei Medtech-Produkten zu erhöhen, dürfte verfehlt werden.

b) Gefährdung der KMUs

Die Medical Device Regulation ist am eigenen Ziel völlig gescheitert, eine Regelung zu schaffen, die auch für kleine und mittlere Unternehmen beherrschbar ist.

  • Wie soll ein solches KMU ein 175-seitiges Werk lesen und verstehen können?
  • Woher soll ein KMU die Mittel nehmen, um eine weitere Rolle, den „Compliance Officer“ zu besetzen?
  • Weshalb werden die meisten Apps in die Klassen IIa und höher klassifiziert, was eine benannte Stelle erfordert und die Kosten explodieren lässt? (Lesen Sie hierzu einen eigenen Artikel)
  • Weshalb bedarf es neben den harmonisierten Normen nun zusätzlich der „Common Specifications„? Waren die Normen wirklich unzureichend? Oder wollte die Kommission sich nur ein Instrument schaffen, um lästige Diskussion mit den Normengremien mit Gewalt zu zu beenden? Weshalb maßt sich die Kommission ein besseres Fachwissen an? Dass Sie auf diese Weise quasi beliebig neue Anforderungen formulieren kann, verwundert. Alles vorbei an jedem parlamentarischen Prozess…

c) Wettbewerbsnachteile durch Kosten

Die Hersteller müssen mit höheren Kosten rechnen, die entstehen durch

  • gestiegenen Anforderungen an die Dokumentation,
  • die Pflicht zur erneuten Zulassung, d.h. ein erneutes Durchlaufen der Konformitätsbewertungsverfahren bereits unter der MDD zugelassenen Produkte
  • die höheren Aufwände für die Marktbeobachtung (Post-Market Surveillance und Post-Market Clinical Follow-up),
  • zusätzliche Meldungen z.B. an die EUDAMED,
  • Systeme zum Erstellen und Nachverfolgen der UDI
  • die Pflicht eins „Compliance Officers„.

Die Komplexität der Materie zwingt viele Hersteller dazu, vor einer Inverkehrbringung externe Beratung in Anspruch zu nehmen.

Das Johner Institut ist sich dieser Problematik bewusst und bietet im Rahmen des Micro-Consultings in eingeschränkten Umfang sogar kostenlose Unterstützung an.

Die NZZ befürchtet 18 Mrd. EUR an Kosten für die Medizintechnikfirmen, um die Anforderungen der MDR zu erfüllen.

Auch der BVMed klagt in seinen „BVMedNews“  41/17 und 42/17 gar von einem sinkenden Innovationsklima wegen der Regularien. Man schreibt zudem „in Kombination mit einer tiefen Verunsicherung hinsichtlich der MDR-Umsetzung für KMU eine tödliche Kombination, da sie mittel- und langfristig den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen, zu reduzierten Investitionen sowie dem Verlust von sozialversicherungspichtigen Arbeitsplätzen führen!“

Daher fordert der BVMED, dass der „kleine Mittelstand auch durch die umfassenden neuen klinischen Anforderungen […] besonders hart getroffen werde“ und „ein nationales Förderprogramm für diese KMUs ist für das Überleben des Klein-Mittelstandes dringend notwendig“ sei.

d) Es gab keinen Grund

Auch Der BVMed, der Bundesverband Medizintechnologie, scheint Bedenken zu haben. In einer Pressemitteilung gibt der Verband seine Sicht der Dinge wieder.

„Bei Medizinprodukten gibt es kein Regelungsdefizit, sondern eher ein Vollzugsdefizit. Daher sind bessere Kontrollen durch die Benannten Stellen und die zuständigen Aufsichtsbehörden bei Herstellern und im Markt sinnvoll.“

Dieser Aussage kann man absolut zustimmen: Wenn man sieht, welche Unterlagen bei Audits durchgewunken wurden, wie häufig und wie intensiv die Behörden prüfen, fragt man sich manchmal schon, ob da überhaupt eine Prüfung stattfand. Eben ein Vollzugsdefizit.

Den Beweis, dass wir ein regulatorisches Problem hatten, das die MDR lösen müsste, ist die EU-Kommission schuldig geblieben.

e) Fazit

Auch wenn wir als Beratungsunternehmen vielleicht von den neuen Regularien profitieren: Freuen können wir uns darüber nicht. Denn mit der MDR schaden wir den Bürgern mehr, als wir ihnen nützen. Die horrenden Kosten, die letztlich das Gesundheitswesen zu begleichen hat, die Toten, die dadurch entstehen, dass Medizinprodukte nicht verfügbar sind, all das zählt niemand.

8. Aktuelles

2020-03-25: MDR um ein Jahr verschoben

Die EU-Kommission hat empfohlen, die MDR um ein Jahr zu verschieben. Offizieller Anlass ist die Corona-Krise. Die Beschreibung der konkreten Änderungen finden Sie hier.

Offene Fragen

Derzeit gibt es noch viele Fragen zu beantworten:

Wie Hersteller die Zeit nutzen sollten

Die Versuchung ist groß, die gewonnene Zeit zu vertändeln: Die Corona-Krise, die Sommerpause oder Projekte, die dringend abgeschlossen werden müssen, werden die frei gewordene Zeit schnell füllen.

Genau dieser Versuchung sollten Hersteller nicht erliegen, sondern die Zeit sinnvoll nutzen:

  • Bringen Sie Ihre technische Dokumentation auf Stand:
    • Schaffen Sie eine einheitliche Struktur, z.B. gemäß STED.
    • Berücksichtigen Sie die aktuellsten Normen (die harmonisierten Normen reflektieren oft nicht mehr den Stand der Technik).
    • Vervollständigen und aktualisieren Sie die technische Dokumentation. Sind die neusten Versionen von SOUP-Komponenten dokumentiert? Gibt es einen produktspezifischen Post-Market-Surveillance-Plan? Sind die letzten Post-Market-Informationen tatsächlich in der Risikomanagementakte berücksichtigt?
    • Überprüfen Sie die technische Dokumentation anhand der MDR-Checkliste (fragen Sie uns an). Beachten Sie auch den Anhang II der MDR!
  • Überdenken Sie Ihren Einsatz von Werkzeugen: Wer mit Papier und Unterschriften arbeitet, ist noch ein Stück von der Digitalisierung entfernt. Das wird nicht nur in Corona-Zeiten mit Homeoffice zum Problem.
  • Sammeln Sie systematisch Post-Market-Daten mit Ihren noch zugelassenen Produkten. Aktualisieren Sie damit Ihre klinischen Bewertungen.
  • Aktualisieren Sie Ihr QM-System:
    • Stellen Sie sicher, dass alle vorgeschriebenen Verfahrensanweisungen vorhanden sind. Haben Sie beispielsweise eine Anweisung für die produktspezifische Erkennung von Trends?
    • Erstellen Sie fehlende Templates, z.B. für Post-Market Surveillance Update Reports.
    • Optimieren Sie Ihre Verfahrensanweisungen. Wer auf jedem Dokument zehn Unterschriften verlangt, wird kaum effizient arbeiten. Das Johner Institut kann Ihnen helfen, Prozesse zu entschlacken.
  • In- und Outsourcing: Lagern Sie Prozesse an Dritte aus, die diese schneller, systematischer und preisgünstiger erledigen können (z.B. Recherche von Regularien, Durchführung der Post-Market Surveillance) und holen Sie Prozesse ins Haus, bei denen Sie in unnötige Abhängigkeiten von Dritten geraten.

Wenn Sie diese Schritte gehen, werden Sie

  • QM-Bürokratie abbauen und überflüssige Tätigkeiten vermeiden,
  • mehr Zeit für kreatives Arbeiten finden,
  • regulatorische Risiken und Unsicherheiten bei Audits minimieren,
  • sicherere Produkte entwickeln und
  • das schöne Gefühl genießen, alles aufgeräumt zu haben.

2019-11: 2. Corrigendum mit neuen Übergangsfristen!

Am 25.11. ist das zweite Corrigendum erschienen, das eine Übergangsfrist für Medizinprodukte enthält, die bisher in die Klasse I fielen und die unter der MDR die Einbeziehung einer benannten Stelle verlangen.

Abweichend von Artikel 5 der vorliegenden Verordnung darf ein Produkt, das ein Produkt der Klasse I gemäß der Richtlinie 93/42/EWG ist, für das vor dem 26. Mai 2020 eine EU- Konformitätserklärung erstellt wurde und für das das Konformitätsbewertungsverfahren gemäß der vorliegenden Verordnung die Mitwirkung einer Benannten Stelle erfordert oder für das eine Bescheinigung gemäß der Richtlinie 90/385/EWG oder der Richtlinie 93/42/EWG besteht, die gemäß Absatz 2 des vorliegenden Artikels gültig ist, bis zum 26. Mai 2024 in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden, sofern es ab dem 26. Mai 2020 weiterhin einer dieser Richtlinien entspricht und …“

2. Corrigendum (hier zum Artikel 120)

Das bedeutet für Software-Produkte, die bisher in die Klasse I fielen und unter der MDR wegen der Regel 11 höher klassifiziert werden, von dieser Übergangsregelung profitieren.

Vorsicht!

Beachten Sie, dass diese Übergangsfrist nur für (weitgehend) unveränderte Produkte gilt! Mehr dazu finden Sie im Artikel zu den Design Changes.

Bei Software würden Bugfixes und Security-Patches zu unkritischen Änderungen zählen.

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn Sie dazu Fragen haben.

2019-11: Was die Kommission als nächstes plant

Nachdem die Kommission beschlossen hat, die EUDAMED um zwei Jahre zu verschieben, hat sie nun ihre nächsten Schritte angekündigt.

  1. Mandat für die Harmonisierung von Normen erteilen
  2. Common specifications für die Aufbereitung Einmalartikeln erarbeiten (Q4 2019)
  3. Common specifications für Produkte ohne medizinische Zweckbestimmung (s. Anhang XVI) erarbeiten
  4. EUDAMED weiterentwickeln
  5. Weitere EU Richtlinien erarbeiten auch solche zu den Aufgaben und Gebühren. Es sind bis zu 60 dieser Richtlinien im Gespräch.

Die Kommission hat die Probleme erkannt wie

  1. Mangelnde Verfügbarkeit benannter Stellen
  2. Verschiebung der EUDAMED
  3. Zugriff auf ausreichende Ressourcen und Experten
  4. Die Situation mit Großbritannien
  5. Die Mutual Recoginition Agreements

Was diese Erkenntnis den Betroffen nutzt, bleibt aber unklar. Der Wechsel der Zuständigkeit für Medizinprodukte (künftig DG Sante) verzögert die Umsetzung der längst überfälligen Aufgaben noch mehr.

2019-10: Doch verlängerte Übergangsfristen?

Das Bundesgesundheitsministerium BMG informierte einen Kunden des Johner Instituts, dass Brüssel doch eine Änderung der Übergangsfristen in Betracht zieht. Hier die wichtigsten Aussagen:

  • Das BMG ist sich der Probleme insbesondere mit der langen „Verfahrensdauer“ der unter der MDR höher gestuften Klasse-I-Produkte bewusst.
  • Das BMG hält ca. 50 Benannte Stellen für notwendig, erwartet bis zum Geltungsbeginn aber nur gut 20. Daher sähe auch Bundesminister Spahn dringenden Handlungsbedarf.
  • Der Rat für „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ hat angeblich am 14. Juni 2019 gemeinsam mit dem irischen Kollegen Begleitmaßnahmen gefordert und hierfür Unterstützung von 18 Mitgliedstaaten erhalten. Diese Forderung hat er zudem in einem Schreiben an die Europäische Kommission vom 8. Juli 2019 noch einmal ausdrücklich bekräftigt.
  • Das BMG hofft auf Erleichterung im Sinne bis 2024 verlängerten Übergangsfristen für bisher nicht zu zertifizierende und unter der MDR neu zertifizierungspflichtige Medizinprodukte der Klasse I in Art. 120 MDR (Beispiel: z.B. Software; stoffliche, d.h. arzneimittelähnliche Medizinprodukte; Nanomaterial enthaltende Medizinprodukte und zukünftige Klasse I r Produkte) schaffen. 
  • Es ist unklar, wie man diese Änderung umsetzt. Zu Diskussion stehen ein Corrigendum-Verfahren oder in ein schnelles Legislativverfahren noch unter dem Mandat der amtierenden Europäischen Kommission. Das BMG berichtet, dass 27 (von heute 28) Mitgliedstaaten bereits einem Corrigendum-Verfahren zugestimmt hätten.

Man rechnet damit, dass sich in Kürze entscheiden wird, ob im Rat die erforderliche Einstimmigkeit erzielt werden kann. Wenn das gelänge, müsste die Kommission das entsprechende Dokument vorlegen. Wahrscheinlich wird aber erst die neue Kommission darüber entscheiden. Anschließend bedarf es der Zustimmung des Europäischen Parlaments. Dieses hat sich bislang gegen die Verlängerung von Übergangsfristen ausgesprochen, denkt aber nun hoffentlich um.

2019-10: Benennung der Benannten Stelle kommt voran

Die Joint Assessments kommen voran. Stück für Stück folgen weitere Benennungen. Eine Übersicht über den aktuellen Stand finden Sie im Beitrag zu den Benannten Stellen.

2019-09: EU-Kommission möchte nichts ändern

Die EU-Kommission hat auf eine Anfrage reagiert, in der man wissen wollte, was die Kommission zu tun gedenke, um die Versorgung der Patienten mit Medizinprodukten zu gewährleisten, da die Anzahl der benannten Stellen Versorgungsengpässe befürchten lässt.

Die Kommission räumt zwar Schwierigkeiten ein, geht aber davon aus, „dass bis Ende 2019 eine wesentlich höhere Zahl Benannter Stellen zur Verfügung stehen wird.“ Als ob damit das Problem bereits gelöst sei.

2019-03: Corrigendum / Berichtigungen

Am 13.03.2019 hat Brüssel ein Corrigendum veröffentlicht, das Sie hier herunterladen können:

Diese Berichtigungen für die deutsche Übersetzungen beginnen ab Seite 22. Sie beinhalten v.a.:

  • Korrekturen falscher Verweise (v.a. auf Artikel)
  • Datumskorrekturen, z.B. die der koordinierten Bewertungsverfahren klinischer Prüfungen
  • „Transplantate, Gewebe oder Zellen tierischen Ursprungs und ihre Derivate sowie Produkte, die solche enthalten oder daraus bestehen;“ werden nicht mehr in Artikel 120 Absatz 10 aufgeführt. Es gelten die normalen Übergangsfristen für diese Produkte
  • Klarstellung, dass bei Audits nicht von allen Produkten, sondern vom gesamten Spektrum der Produkte Stichproben genommen und deren technische Dokumentation geprüft werden müssen.
  • Das gleiche gilt auch für die „Überwachungsbewertung“

Die 10 Änderungen auf 5 Seiten korrigieren elementare Übersetzungsfehler nicht. So heißt es in Artikel 22 zu den Systemen und Behandlungseinheiten weiterhin „Produkte“. Gemeint sind aber „Devices“, also Medizinprodukte.

2018: Studie zu den Auswirkungen

Eine Studie von KMPG und RAPS kam zu folgenden Ergebnissen:

  • 41% der Unternehmen haben die MDR nicht einmal gelesen oder/und haben nur ein Grundverständnis von deren Anforderungen.
  • Dennoch sind 88% der Unternehmen zuversichtlich oder sogar sehr zuversichtlich, dass sie die Termine einhalten können.
  • Auch planen die meisten keine oder nur wenige Produkte vom Markt zu nehmen.
  • Das ist überraschend, da über die Hälfte ihre Produkte noch gar nicht auf eine Reklassifizierung überprüft haben oder sich unsicher sind, wie eine Reklassifizierung abläuft.
  • Auch bei der Zertifizierung nach ISO 13485:2016 gibt es noch Arbeit: 49% haben das Zertifikat noch nicht.
  • Als die größten Probleme empfinden Sie das Verständnis der Anforderungen, die Verfügbarkeit der benannten Stelle und die interne Expertise (in dieser Reihenfolge).
  • Die größte Änderung / Erschwerung, die die MDR mit sich bringt, betrifft in der Wahrnehmung der Hersteller das Erheben von klinischen Daten. 58% sagen, dass sie Gaps dabei hätten, 25%, dass sie Daten sammeln würden und 17% wissen nicht genau, was von ihnen verlangt wird.
  • Bei vielen fehlt ein genauer Plan. Die Untersuchung der Gaps bezieht sich mehr auf die Bereich Regulatory Affairs und QM, weniger auf die Entwicklung und Herstellung.

Übersicht über die Updates

Ältere und obsolet gewordene Meldungen haben wir gelöscht.

Prof. Dr. Christian Johner
Hätten Sie Interesse an einer Liste konkreter Schritte, wie Sie die MDR spezifisch für Ihre Produkte umsetzen können?

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111 Kommentare

  1. Paul Aschenbrenner | Dienstag, 22. März 2016 um 15:55 Uhr - Antworten

    Wir bräuchten Klarstellungen in der 93/42EWG, vor allem aber im MPG, in der MPBetreibV und in der IEC 60601-1. Ein Beispiel: ME-Systeme, die bei den Betreibern zusammengestellt werden. Im MPG wird nur von Kombinationen statt von Systemen gesprochen , eine Definition dessen wovon man redet fehlt im Gegensatz zu IEC 60601-1 ganz, und was dann daraus entsteht sind individuelle Auslegungsvarianten, die dann mit Dokumenten manifestiert werden.

    Die Bereinigung von vielen solchen oder ähnlichen Missständen würde vermutlich mehr bringen als eine völlig neue MRD. Statt immer nur auf „alles Neu“ in der Politik zu schielen, sollte man die Bugs beseitigen, oder wie es ein „alter Hase“ einmal gesagt hat:
    Fortschritt besteht darin, dass man Gutes und Bewährtes beläßt und gleichzeitig Verbesserungswürdiges ändert, nicht in dem man überreagiert und immer alles neu fordert oder alles anders machen will.
    Allgemein gesprochen, was nützen neue Gesetzte und Richtlinien, wenn schon die alten nicht eingehalten oder zweifelsfrei umgesetzt werden (können)?
    Was nützen immer schärfere / aufwendige Regulatorien für Gerätehersteller, wenn man z.B. sieht, wie aus Kostengründen Systeme bei Betreibern konfiguriert werden?
    Die Medizinischen Richtlinen und nationalen Gesetze sollten den Fokus beim Inhalt belassen, statt zu versuchen einige wenige kriminelle Machenschaften zu lösen. Dafür gibt es das Strafrecht.
    Neue Regulatorien, die mehr Aufwand bei der Dokumentation zur Folge haben und den Fokus auch nicht mehr auf den technisch / sicherheitstechnisch relevanten Inhalt legen, bringen nur Mehraufwand.
    Was fehlt sind Fachläute die die technisch / medizinischen Details beurteilen und klären können, die mehr auf den Inhalt als auf das Vorhandensein und die Form von Dokumenten, Richtlinien und Gesetzen schauen, als auf das reine Vorhandensein.
    Wir haben weltweit genug / zu viel, Politiker und Manager, die sich auf das zuletzt genannte fokusierien.


  2. Seck Antonius | Montag, 18. Juli 2016 um 14:26 Uhr - Antworten

    Aufbereitung von Medizinprodukten / Aufbereitung von Einmalprodukten

    wie ist hier der eindeutige Stand – erlaubt – nicht erlaubt – wie sehen die Anforderungen aus.


  3. Elena Keil | Donnerstag, 18. August 2016 um 13:10 Uhr - Antworten

    Ist der Hersteller neu definiert worden? Ist das PLM-OEM-Verfahren überhaupt noch möglich wie bisher?


    • Prof. Dr. Christian Johner | Donnerstag, 18. August 2016 um 20:40 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Keil, danke für die spannende und schwierige Frage. Das Konzept der OEMs kennt die MDR jedenfalls noch. Welche Änderungen es im Detail bedeutet, ist zurzeit noch schwer abzusehen. Jedenfalls müssen die Inverkehrbringer die UDI des OEM in ihren Aufzeichnungen aufbewahren.


  4. Christian Böttcher | Montag, 7. November 2016 um 16:07 Uhr - Antworten

    Wenn ich das richtig verstanden habe, darf man ein Produkt (z. B. Klasse IIa), welches die Anforderungen der MDD 93/42 erfüllt, auch noch bis zu 3 Jahre nach Inkrafttreten der MDR in Europa legal vertreiben. Wir sind ein OEM-Hersteller, welcher den Benannten Stellen des OBL nicht das Zutrittsrecht (Unannounced Audits etc.) für alle Bereiche (z. B. Produktion, Forschung) gewähren möchte. Darf unser Kunde das Produkt auch noch die nächsten Jahre vermarkten (Anforderungen MDD sind erfüllt, die der MDR nicht – da ja kein Vertrag besteht, der unlimitierte Unannounced Audits der Benannten Stelle des OBL ermöglicht).
    Vielen Dank für Ihre Mühe!


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 7. November 2016 um 20:14 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Böttcher,
      die MDR schreibt dazu:

      3a. Devices which were lawfully placed on the market pursuant to Directives 90/385/EEC and 93/42/EEC prior to the date referred to in Article 97(2) may continue to be made available on the market or put into service until five years after that date.

      Das Datum sind drei Jahre nach Veröffentlichung (wahrscheinlich April 2017).

      Viele Grüße, Christian Johner


  5. Manuel F | Dienstag, 7. März 2017 um 19:44 Uhr - Antworten

    Hallo, welche Auswirkungen hat die MDR auf Firmen die sich mit der Reparatur von chir. Instrumenten (Klasse 1) beschäftigen?
    Ist zukünftig eine Reparatur ausschließlich den Herstellern vorbehalten?

    Danke


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 7. März 2017 um 22:01 Uhr - Antworten

      Sie dürfen auch künftig Geräte reparieren. Allerdings werden die Hersteller stärker an die Kandare genommen: Sie müssen die Risiken auch durch eine unzureichende Wartung / Reparatur genau analysieren und beherrschen.


  6. Martin Schraag | Mittwoch, 15. März 2017 um 10:21 Uhr - Antworten

    Gibt es die Möglichkeit, direkt Inputs in das Gesetzgebungsverfahren zu geben. Wer ist aktuell Berichterstatter des EP?

    Meines Erachtens gibt es in der MDR nach wie vor fehlerhafte Aussagen in Sachen Risikobewertung. das Gesetz deckt sowohl die Sicherheit für Patienten als auch für Anwender ab.

    Sowohl Anhang I, Kapitel I (1), als auch (8) implizieren, dass Risiken ‚im Vergleich zu dem für .. Anwender ..ermittelnden Nutzen vertretbar sein müssen.

    Eine Risiko/Nutzen-Bewertung für Anwender (klin. Personal) widerspricht den Prinzipien des Arbeitsschutzes. Die unterschiedliche Philosophie zeigt auch der Blick in die immer noch existierende Referenz auf die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (warum kann man die nicht abschaffen?), deren Risikoverständnis ein anderes ist. Für den Anwender auch eines Medizinproduktes sollten keine anderen Bedingungen gelten, und auch für Patienten sollte das Sicherheitsniveau unabhängig vom Nutzen sein, außer bei Risiken, die unmittelbar mit einer Anwendung zu tun haben (Röntgenstrahlung, Schneidevorgang Skalpell, u.ä.). Nur deshalb wurde von der EN1441 zur EN ISO 14971 der Teil der Risiko/Nutzen-Bewertung hinzuaddiert.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 15. März 2017 um 21:47 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Schraag,
      danke für Ihre Rückmeldungen! Direkt zu Ihren Fragen:

      • Eine Einflussnahme auf die MDR sehe ich nicht mehr — offensichtliche Fehler vielleicht ausgenommen.
      • Die MDR schreibt: All known and foreseeable risks, and any undesirable side-effects, shall be minimised and be acceptable when weighed against the evaluated benefits to the patient and/or user of the achieved performance of the device during normal conditions of use.<(cite> Ich halte dies nicht für falsch. Ein Anwender kann durchaus auch ein Patient sein. Es geht nicht um den Nutzer für Anwender, die nicht auch Patient sind
      • Ich sehe keine Motivation, die Maschinenrichtline abzuschaffen. Schließlich hat die v.a. auch außerhalb der Medizin Gültigkeit
      • Für Patienten sollten andere Sicherheitsanforderungen gelten wie für Anwender. Schließlich sind sie typischerweise in einer schwächere körperlichen Verfassung. Genau deshalb unterscheidet die IEC 60601-1 auch beide.
      • Dass Risiken immer minimiert werden sollten, sehe ich genauso. Da sehe ich keinen Widerspruch zur MDR. Normen wie die IEC 60601-1 unterscheiden Maßnahmen, die festgelegt sind und „automatisch“ zu einem akzeptablen Risiko führen, und Maßnahmen, bei denen abgewogen werden muss, ob das verbliebene Risiko akzeptabel ist.
      • Ich stimme zu, dass bei einem reinen Anwender i.d.R. kein Nutzen vorhanden ist und deshalb die Entscheidung über Maßnahmen, nicht aus einer Nutzen-Risiko-Überlegung abgeleitet werden kann.

  7. Martin Schraag | Donnerstag, 16. März 2017 um 08:57 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    ‚Anwender‘ ist auf Seite 60 des MDR drafts definiert. Da gibt es wenig Interpretationsspielraum. In der Einleitung, beispielsweise Punkt 2 ist die Zielsetzung (Sicherheit für Patienten und Anwender) auch klar definiert. Dies entspricht auch der ursprünglichen Absicht, nur ein Gesetz (bzw. Richtlinie im Fall der MDD) für Medizinprodukte zu haben, mit dem Konformitätsausweis also alle Sicherheitsaspekte abzudecken. Dies gilt auch für die IEC 60601-1, die im Ammendment 3.1 zwar noch zur Definition ‚Patient‘ erläuternd hinzugefügt hat, dass dieser auch ‚Operator‘ sein kann. Aber mit der Erfüllung der 60601-1 gilt auch die Sicherheit der Anwender als gewährleistet. Selbstverständlich sind die Grenzwerte (bsp. Leckströme) und Sicherheitsmaßnahmen an die besondere Situation der Patienten angepasst (man muss auch die Hilflosigkeit berücksichtigen, angefangen vom Neugeborenen bis zum anästhesierten Patienten).

    Die Erfüllung einer harmonisierten Norm entspricht dem allgemein anerkannten Stand der Technik, gilt als akzeptables Risiko ohne irgendwelche Abwägung des Nutzens. Diese Situation ist adäquat der sowohl eines beliebigen Haushaltsgeräts, als auch einer Maschine im Sinne der Maschinenrichtlinie, bei denen es ebenfalls keine Abwägungen gegen den Nutzen gibt (Alle ISO/IEC Normen folgen dem Guide 51, ursprünglich auch die ISO 14971).

    Das Besondere bei Medizingeräten ist, dass für den Zweck von Behandlung, Diagnose, usw. Einflussnahmen auf den menschlichen Körper notwendig sind, deren Risiken zwar minimiert werden können, aber auch Verletzungen zur Folge haben (können). In diesen Fällen müssen Arzt / Patient die Notwendige Information haben, um informierte Entscheidungen treffen zu können, müssen klinische Daten existieren, die zeigen, dass ein Nutzen höher sein kann als das Risiko (ähnlich Medikamenten).

    Dies trifft aber nicht für den Anwender zu (schließen wir mal den Sonderfall Anwender = Patient aus). Die MDR impliziert, dass auch für den Anwender eine Nutzen-Abwägung getroffen wird, eben weil sie nicht differenziert, wie Sie das versuchen. Das geht aber nicht, es widerspricht unseren ethischen Grundwerten.

    Eine Bemerkung zur Maschinenrichtlinie: Diese ist eher ein Unfall im Gesetzgebungsverfahren 2007, durchgesetzt in letzter Minute, weil eine Abgeordnete des EP von einem Todesfall im Zusammenhang mit einer fehlerhaften Anwendung von Luer-Konnektoren erfahren hatte. Das historisch gewachsene Problem der Luer-Konnektoren kann leider nicht durch die Maschinenrichtlinie gelöst werden, ist aber seit vielen Jahren in intensiver Arbeit durch das entsprechende ISO-Normierungskommitee. Ansonsten lassen sich alle mechanischen Gefahren durch die MDD/MDR abdecken, ohne Ausflug zur Maschinenrichtlinie.

    Das alles hilft dem Hersteller natürlich wenig, er muss mit dem leben,was ihm Kommission und Parlament vorsetzen. Siehe auch die content deviations der EN ISO 14971:2012. Nur wäre es besser, wenn man rechtzeitig solche Mängel adressieren könnte, als sich im Nachhinein aufwendig darum herum winden zu müssen..


  8. Martin | Mittwoch, 29. März 2017 um 13:39 Uhr - Antworten

    Hallo Herr Johner,

    übernimmt die qualifizierte Person die Aufgaben und Verpflichtungen des früheren Safety Officers for Medical Devices? Wie sieht es hier speziell in Fragen der (persönlichen) Haftung der qualifizierten Person aus? Gibt es ggf. Unterschiede, je nachdem an welchem Standort die qualifizierte Person in Europa (von Interesse sind hier auch die Sonderrollen Schweiz und bald UK) ansässig ist?

    Vielen Dank für Ihre Interpretation.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 29. März 2017 um 15:30 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Sattler,
      ja, davon gehe ich aus: Die qualifizierte Person und der Sicherheitsbeauftragte werden personenidentisch sein.

      Die persönliche Haftung einer angestellten(!) qualifizierten Person lebt immer bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Handlung wieder auf. Sonst bleibt es die des Arbeitgebers.

      Die Haftbarkeitsfragen werden in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich bewertet und v.a. auch mit Strafen bewehrt. Das ist immer Sache der Nationalstaaten.

      Beim Standort ist das Arbeitsverhältnis zu klären. Ist es ein entsandter Mitarbeiter, Ex Pat oder lokal angestellter Mitarbeiter.

      Das UK und Schweizer-Recht bezüglich Strafen kennen ich nicht gut genug, um profund antworten zu können.

      Beste Grüße, Christian Johner


  9. Pilgram | Donnerstag, 20. April 2017 um 16:43 Uhr - Antworten

    Wie sieht die neue MDR ein „Software Standalone“-Produkt angewandt im Health-care Bereich.? Konkret, wie werden LIS (Laboratory Information System, auch LIMS genannt) eingestuft werden?
    Momentan ist die Lage nicht klar (Klasse I, nicht steril, ohne Messeigenschaft), die Interpretationen sind unterschiedlich.
    Geht die MDR auch auf die Frage ein, was geschieht, wenn diese SW als APP anwendbar ist oder ist dies widerrum eine andere Thematik (E-Health Gesetzgebung)

    Vielen Dank

    Petra Pilgram


    • Prof. Dr. Christian Johner | Donnerstag, 20. April 2017 um 18:25 Uhr - Antworten

      An der Begriffsdefinition ändert die MDR im Vergleich zur MDD nichts. Wenn Ihr LIS „nur“ der Dokumentation dient, ist es kein MP, wenn es der Diagnose dient, dann fällt es darunter.

      Falls es ein MP wäre, würde sich die Klasse wahrscheinlich ändern (von I auf IIa oder höher).

      Die MDR unterscheidet dabei nicht, ob die Software eine App ist. Falls es eine App wäre, verlangt sie aber, dass man die Plattform spezifiziert und die spezifischen Risiken betrachtet.

      Die E-Health-Gesetzgebung hat mit den medizinprodukterechtlichen Anforderungen nichts zu tun. Leider gibt es ein paar dubiose Anbieter, die in gesetzeswidriger Weise den Eindruck erwecken, es gäbe spezielle Zertifikate.

      Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben. Falls nicht, schreiben Sie mir einfach.

      Christian Johner


  10. Sebastian Barrenstein | Donnerstag, 20. April 2017 um 20:18 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    etwas Verwirrung gibt es, da ich unterschiedliche Aussagen zu der Übergangsfrist gehört habe. Die einen sagen, alle Geräte müssen nach den drei Jahren erneut zugelassen werden, andere sagen, es dürfen vorher (vor Inkrafttreten der MDR) zugelassene Geräte weiterverkauft werden. Wie ist es denn nun richtig? So wie ich Sie verstehe und die MDR es vermuten lässt, müssen nur Geräte, die ab Inkrafttreten der MDR zugelassen/markteingeführt werden, die Anforderungen der MDR erfüllen. Ist dies so richtig?
    Viele Grüße,
    Sebastian Barrenstein


    • Prof. Dr. Christian Johner | Sonntag, 23. April 2017 um 20:53 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Barrenstein, danke für die sehr wichtige Frage.

      Ich plane demnächst einen Blogbeitrag dazu. Damit Sie nicht solange warten müssen, schicke ich Ihnen gleich per Mail eine Antwort.

      Beste Grüße, Christian Johner


  11. Karl Blauensteiner | Dienstag, 25. April 2017 um 13:40 Uhr - Antworten

    Welche Verpflichtungen oder Möglichkeiten ergeben sich für einen Gesundheitsdiensteanbieter wie beispielsweise ein Krankenhaus durch die Kennzeichnungspflichten (z.B. Chargendokumentation, Abfrage der Produkt- und Herstellereigenschaften, etc.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 26. April 2017 um 06:03 Uhr - Antworten

      Die UDI trifft erst einmal die Hersteller.

      Manufacturers shall comply with the obligations relating to the UDI system referred to in Article 27 and with the registration obligations referred to in Articles 29 and 31.

      Dabei ist ein Hersteller:

      ‚manufacturer‘ means a natural or legal person who manufactures or fully refurbishes a device or has a device designed, manufactured or fully refurbished, and markets that device under its name or trademark;

      Als Eigenhersteller müssen Sie allerdings für Folgendes sorgen:

      (ii) the details necessary to identify the devices;

      Das muss aber kein UDI sein.

      Für Geräte, die Sie einkaufen, müssen Sie die UDI-Anforderungen nicht erfüllen. Die MDR schreibt zum Thema Logistikkette nur:

      (c) any health institution or healthcare professional to which they have directly supplied a device.

      Das richtet sich aber an die Hersteller. Für die Krankenhäuser gilt:

      Health institutions shall store and keep preferably by electronic means the UDI of the devices which they have supplied or with which they have been supplied, if those devices belong to class III implantable devices.

      For devices other than class III implantable devices, Member States shall encourage, and may require, health institutions to store and keep, preferably by electronic means, the UDI of the devices with which they have been supplied.

      Member States shall encourage, and may require, healthcare professionals to store and keep preferably by electronic means, the UDI of the devices with which they have been supplied with.


  12. Martin Schraag | Dienstag, 2. Mai 2017 um 08:41 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof, Johner,

    in Artikel 10 (14) steht „Die Hersteller händigen der zuständigen Behörde auf deren Ersuchen hin alle Informationen und Unterlagen, die für den Nachweis der Konformität des Produkts erforderlich sind, in einer von dem betreffenden Mitgliedstaat festgelegten Amtssprache der Union aus.“

    Normalerweise hätte ich ‚zuständige Behörde‘ als diejenige des Landes interpretiert, in der der Hersteller niedergelassen ist und sich registriert hat.

    Artikel 10 (14) und auch andere Stellen unterscheiden aber klar: „Die zuständige Behörde des Mitgliedstaats, in dem der Hersteller seine eingetragene Niederlassung hat, kann verlangen, dass …“

    Im schlimmsten Fall kann man dies so lesen, dass jede zuständige Stelle innerhalb der EU Unterlagen einfordern kann, und dass diese übersetzt werden müssten. Unterlagen, die den Konformitätsnachweis erbringen können sehr umfangreich sein, inkl. der Testberichte von Testhäusern.

    Wissen Sie, ob die Differenzierung im Text bewusst und so gewollt ist? Wenn ja, dann wäre das ein schwer kalkulierbares Geschäftsrisiko.

    Mit freundlichem Gruß,

    Martin Schraag


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 2. Mai 2017 um 14:46 Uhr - Antworten

      Danke für Ihre Frage, lieber Herr Schraag!

      Damit wird auch auf Firmen Bezug genommen, die außerhalb der EU sitzen. Ein Hersteller würde sich nur in einem Land registrieren.

      Dass den Behörden mehr Rechte eingeräumt werden, sehe ich allerdings schon.

      Die MDR ist sicher kein Freunde der kleinen Firmen…

      Viele Grüße, Christian Johner


  13. Martin Schraag | Donnerstag, 11. Mai 2017 um 13:25 Uhr - Antworten

    Ja, Herr Prof. Johner,

    für kleine Firmen könnte die MDR das Aus bedeuten, auch wenn es ein paar wenige Erleichterungen gibt (Bsp. ‚verantwortliche Person‘).

    Zu Ihrer letzten Antwort: Der Bezug auf Firmen außerhalb der EU ist in Artikeln 11 bis 13 geregelt, wobei in Artikel 11 d), e) ebenfalls zwischen zuständiger Behörde allgemein und der im Land der Niederlassung unterschieden wird.

    Ich hatte meine Anfrage parallel an das ZLG gestellt, habe bisher aber keine klärende Auskunft erhalten. Ich kann mir keinen Reim darauf machen, außer es gab im PIP-Fall die Situation, dass Anfragen von Behörden außerhalb Frankreich nur mit Dokumentation in Französisch beantwortet wurden, und man dem nun vorbeugen will. Praktisch mag das zwar selten ein Problem sein, wenn die Behörden zwischen den EU-Ländern effektiv kommunizieren. Wenn es aber zuschlägt muss der Hersteller im schlimmsten Fall erst mal ein Übersetzungsbüro für ein paar Monate buchen.


  14. Martin Schraag | Montag, 29. Mai 2017 um 18:05 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    ich habe inzwischen Antwort von der ZLG bekommen. Vorbehaltlich einer dortigen Rückfrage mit direkt an den Verhandlungen Beteiligten wird meiner obigen Interpretation zugestimmt: Der Hersteller muss in Zukunft auf Aufforderung Unterlagen an beliebige nationale Behörden in deren Amtssprache liefern. ‚Unterlagen‘ kann alles sein, was zum Konformitätsnachweis gehört.

    Es wurde in diesem Zusammenhang auch auf Artikel 93 und 99 verwiesen.


  15. Raoul Brem | Donnerstag, 22. Juni 2017 um 18:51 Uhr - Antworten

    Guten Tag Herr Prof. Johner,

    Mit welchen Auswirkungen haben Contract Manufacturer zu rechnen? Die Verantwortung liegt ja dabei beim Inverkehrbringer des Produktes, jedoch werden bestimmt auch Anforderungen an die Lieferanten gestellt?

    Vielen Dank für Ihren ausführlichen Bericht und die sehr interessanten Antworten in der Kommentarliste.

    freundliche Grüsse
    Raoul BRem


    • Prof. Dr. Christian Johner | Donnerstag, 22. Juni 2017 um 19:54 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Brehm,
      danke für Ihre positive Rückmeldung!
      Die Anforderungen an „Contract Manufacturers“ ergeben sich, wie Sie schreiben, indirekt aus den Verpflichtungen der Inverkehrbringer. Für die ist nicht nur die MDR künftig zu beachten, sondern noch früher und mindestens so speziell die Anforderungen der ISO 13485:2016. Hier sind Qualitätssicherungsvereinbarungen schriftlich zu vereinbaren, deren Inhalte aus dem Risikomanagement abgeleitet sind. Als „Contract Manufacturer“ stellen Sie einen ausgelagerten Prozess dar.

      Viele Grüße
      Christian Johner


  16. Eckhard Zingel | Freitag, 23. Juni 2017 um 07:16 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Johner,
    unsere Bank hält einen Defibrillator vor (im Kundenbereich). Welche Auswirkungen hat die neue MDR für uns als Bank? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen um der MDR gerecht zu werden?

    Freundliche Grüße
    Eckhard Zingel


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 23. Juni 2017 um 08:14 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Zingel,
      die kurze Antwort wäre: Keine zusätzlichen.
      Sie sind keine Gesundheitseinrichtung, insofern betrifft Sie die MDR kaum. Die Anforderungen der Herstellers z.B. an Überprüfung, Wartung oder ggf. Austausch bleiben davon aber unberührt.
      Beste Grüße, Christian Johner


  17. Thorsten Riedel | Dienstag, 27. Juni 2017 um 14:54 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,
    können Sie sagen, ob die neue MDR für den Bereich UDI letztendlich einen (einzigen) Standard für die eindeutige Identifizierung von Medizinprodukten herbeiführen wird? Müssen sich bisherige Institutionen wie GS1 oder EHIBCC/ HIBC letztlich „einigen“?
    Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
    MfG
    Thorsten Riedel


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 27. Juni 2017 um 18:56 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Riedel,

      es ist unwahrscheinlich, dass man sich auf einen einzigen Standard beschränken wird, weil sich dahinter kommerziell arbeitende Firmen verbergen. Ein Monopol zu gewähren, wäre wettbewerbswidrig.

      Viele Grüße, Christian Johner


  18. Yvonne Herbst-Weidenfeld | Samstag, 1. Juli 2017 um 13:01 Uhr - Antworten

    Hallo Herr Johner,

    wie sieht es denn aus bei schon vorhandenen Kosemtikgeräten? Darf man diese noch weiter verwenden und wie lange? (Mesotherapiegeräte, Koagulationsgeräte, Plasma Pen). M.f.G.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Samstag, 1. Juli 2017 um 14:14 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Herbst-Weidenfeld,

      Kosmetikgeräte, die bisher keine Medizinprodukte waren, fallen nur dann unter die Regularien der MDR, wenn sie in Anhang XVI genannt sind. Scrollen Sie dazu ganz ans Ende der MDR.

      Beachten Sie, dass diese Liste von der EU ohne parlamentarischen Prozess geändert werden kann.

      Viele Grüße

      Christian Johner


  19. Daniela Hauff | Dienstag, 18. Juli 2017 um 08:56 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    die Idee mit dem Berechner der Zertifikatslaufzeit ist wirklich großartig. Ich habe unser CE-Zertifikat (bis 30.06.2018) mal eingegeben, aber es kam ein ganz anderes Ergebnis (30.06.2022) raus als ich vermutet hatte. Ich bin davon ausgegangen dass wir unser CE-Zertifikat in 2018 nochmal verlängern können (also theoretisch bis 30.06.2025) und das aufgrund der Begrenzung in der MDR die Zertifikate bis zum 27.05.2024 gültig wären.
    Könnten Sie mir bitte erläutern warum der Rechner auf den 30.06.2022 kommt und ob ich die MDR falsch interpretiere?

    Vielen Dank und viele Grüße
    Daniela Hauff


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 19. Juli 2017 um 01:51 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Hauff,
      es gibt wahrscheinlich keinen Widerspruch: Wenn Sie Ihr Zertifikat verlängern, dann ist es das Datum des verlängerten Zertifikats, das Sie in den Rechner eingeben müssen. Das kann der Rechner nicht wissen, ob und für wie lange Sie verlängern.
      Geben Sie bitte Bescheid, wenn das die Frage nicht beantwortet haben sollte. Ich bessere dann gerne nach.
      Nochmals vielen Dank für die wichtige Frage!
      Beste Grüße, Christian Johner


  20. Klaus | Mittwoch, 9. August 2017 um 08:17 Uhr - Antworten

    Eine weiterführende Frage zu Lims & Lis ist, ob diese Software nicht doch ein Medizinprodukt wird bzw. ist.
    Jedes Lims & Lis hat berechnete Parameter, die zur Diagnose dienen und weiters hat ein Lis & Lims Qualitätskontrolle integriert.
    Dies würde ein Medizinprodukt von min. Klasse II ergeben oder nicht?


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 9. August 2017 um 08:52 Uhr - Antworten

      Mit der MDR kann es durchaus sein, dass die LIMS bzw. LIS als Medizinprodukte klassifiziert werden, zumal es den (zugegeben auch überraschenden Ausschluss) wie in der IVD nicht gibt.

      Der Trend bei den LIM- bzw. LI-Systemen geht zudem in die Richtung, dass immer mehr diagnostische Funktionen beinhaltet sind, was eine Klassifizierung als Medizinprodukt zwangsläufig macht.

      Danke für Ihren wichtigen Hinweis, lieber Herr Tomasini.


  21. Martin Wessel | Freitag, 24. November 2017 um 10:08 Uhr - Antworten

    Hallo, mich würde mal interessieren wer genau die Verfasser der MDR sind.
    Welche Behörden, Institutionen usw. waren beteiligt und welche Unternehmen waren eventuell beratend tätig?


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 24. November 2017 um 10:16 Uhr - Antworten

      Die Verfasser ist v.a. die EU-Kommission. Natürlich gab es Lobby-Arbeit (die Schlimmeres verhinderte) und Einflüsse der Normengremien, Verbände und benannten Stellen, aber das Schreiben verbleibt bei der EU und deren Juristen.


  22. Marco Bransch | Dienstag, 17. Juli 2018 um 08:55 Uhr - Antworten

    Sehr geehrtes Johner-Institut-Team,

    ist die EN 62304 weiterhin harmonisiert zur MDR?

    Hierzu habe ich im Amtsblatt der EU keinen Hinweis gefunden.

    Oder werden die Normen erst noch angepasst, bevor diese als harmonisiert gelten?

    Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Tag und freue mich auf Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marco Bransch


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 17. Juli 2018 um 17:16 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Bransch,

      derzeit ist noch keine Norm harmonisiert. Zuerst müssen die Z-Anhänge geschrieben werden, die angeben, wie vollständig die Norm die Anforderungen abdeckt.

      Mit den besten Grüßen, Christian Johner


  23. Mark Galander | Mittwoch, 7. November 2018 um 12:17 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    welche Auswirkungen hat die MDR auf eine ZSVA/ AEMP.
    Muss ich als Aufbereiter alle Instrumente (auch Klasse I) im Haus verfolgen können?
    Muss jedes Instrument (Klasse I) eine UDI besitzen?

    MfG
    Mark Galander


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 7. November 2018 um 16:29 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Galander,

      die Auswirkungen in der MDR betreffen die Hersteller bzw. Inverkehrbringer von Medizinprodukten.

      Die Anforderungen der MDR an die UDI gelten unabhängig von allen Produkten. Ob Sie Produkte im Haus verfolgen könne müssen, ist so explizit nicht geregelt. Das hängt auch von den Anforderungen des Herstellers ab. Wenn der z.B. die Anzahl der Aufbereitungszyklen limitiert, müssen Sie als „Aufbereiter“ die Produkte identifizieren und ggf. aussortieren können.

      Welche nationalen Vorgaben und Ergänzungen zur MDR veröffentlicht werden, insbesondere solche, die sich an die Betreiber werden, weiß ich nicht.

      Viele Grüße, Christian Johner


  24. Jennifer Ehmcke | Mittwoch, 21. November 2018 um 15:59 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    wie ist der Begriff „placing on the market“/“Inverkehrbringen“ zu verstehen? Per Definition ist es „the first making available“/“die erstmalige Bereitstellung“. Was aber genau meint das?
    Ist damit das allererste Produkt gemeint, das ich auf den Markt bringe, und kann ich somit nur genau 1x ein Produkt erstmalig bereitstellen?
    Oder meint es das erstmalige Bereitstellen in Bezug auf die Lieferkette? Also meint es den Wirtschaftsakteur, der in der Wirtschaftskette der erste ist und somit die erstmalige Bereitstellung durchführt (daher per Definition dem Hersteller/Importeur vorbehalten)? Bezieht sich Inverkehrbringen auf jedes einzelne Produkt, das vom Band läuft und kann ich ein Produkt somit immer wieder erstmalig bereitstellen?
    Oder ist damit etwas völlig anderes gemeint?
    Mit dem richtigen Verständnis dieses Begriffes wird die Interpretation der Überprüfungsanforderungen an den Importeur interessant:
    „In order to place a device on the market, importers shall verify that…“. Muss er es ein einziges Mal tun oder immer wieder und für jedes einzelne Produkt?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Einschätzung.

    Viele Grüße
    Jennifer Ehmcke


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 21. November 2018 um 17:38 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Ehmcke,

      die MDR definiert es wie folgt:

      „Inverkehrbringen“ bezeichnet die erstmalige Bereitstellung eines Produkts, mit Ausnahme von Prüfprodukten, auf dem Unionsmarkt;

      D.h. der Importer muss nicht für jedes einzelne Produkt prüfen.

      Hilft das? Falls nicht, einfach nachhaken.

      Beste Grüße, Christian Johner


  25. Thomas Wetzelsperger | Mittwoch, 21. November 2018 um 21:49 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof Johner,

    wie verhält sich die klinische Bewertung bzw klinische Prüfung der Mdr bei Sonderanfertigungen der Risikoklasse 1? Es exestieren viele einzelne Versionen dieser Produkte, und noch mehr Produktkategorien. Klinische Daten werden ja aus klinischen Prüfungen, oder aus der Literatur vergleichbarer Produkte gezogen. Da diese Produkte meistens keine „gleichwertigen“ Produkte im Markt haben, ist die Informationslage sehr dünn. Wird von den Herstellern verlangt für zb. Orthesen für jedes Produkt eine klinische Prüfung durchzuführen? Oder werden die Hausinternen Daten, die nach dem Inverkerhbringen und im Arbeitsalltag generiert werden ausreichen?

    Vielen Dank.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 21. November 2018 um 22:09 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Wetzelsperger,

      Sie müssen eine klinische Bewertung Ihrer Produkte durchführen. Da gibt es keine Ausnahmen. Allerdings gibt es u.U. eine Ausnahme bei der Forderung, dass diese anhand klinischer Daten erfolgen muss. Ob das bei Orthesen der Fall wäre, weiß ich nicht, ich habe aber Zweifel.

      Die Post-Market-Daten können und müssen Sie nutzen. Wenn damit ausreichende klinische Daten vorliegen, um die Sicherheit, Leistungsfähigkeit und den klinischen Nutzen zu beweisen, benötige Sie auch keine klinische Prüfungen.

      Viele Grüße, Christian Johner


  26. Jennifer Ehmcke | Donnerstag, 22. November 2018 um 07:57 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich muss leider noch mal nachhaken. Das heißt also, die Definition bezieht sich nicht auf die Reihenfolge des Wirtschaftsakteurs in der Lieferkette, sondern auf das allererste Mal, das der Importeur sein Produkt auf dem EU-Markt bereitstellt. Also muss er seinen Überprüfungspflichten nur ein einziges Mal nachkommen? Nämlich in dem Moment, in dem er zum ersten Mal das Produkt vom nicht EU-Hersteller erhält und bevor er es an einen Händler oder Endkunden weitergibt, richtig?. Danach nie wieder? Sicherlich aber bei Änderungen am Produkt oder nach Ablauf von Zertifikaten.

    Herzlichen Dank und viele Grüße
    Jennifer Ehmcke


    • Prof. Dr. Christian Johner | Donnerstag, 22. November 2018 um 09:46 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Ehmcke,

      danke für Ihr Nachfragen. Wir sollten die unterschiedlichen Aufgaben des Importeurs mit dem EU-Bevollmächtigten im Blick behalten.

      Sie beziehen sich auf den Artikel 12 Absatz 2 der MDR. Diese verlangt vom Importeur „nur“ ein paar grundlegende Prüfungen. Ein Importeur kann nicht für jedes einzelne Produkt überprüfen, ob es ein CE-Zeichen trägt. Denken Sie an einen Importeur, der Hunderttausende Spritzen einführt. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass ein Hersteller gerade bei Massenprodukten bei einem die CE-Kennzeichnung „vergisst“.

      Wenn ein Importeur Grund zur Annahme hat, dass ein Hersteller Schwierigkeiten hat, die Anforderungen zu erfüllen, muss er reagieren. Generell haftet aber primär der EU-Repräsentant.

      Eine Änderung am Produkt ist ein neues Produkt und bedeutet eine neue UDI. Damit muss der Importeur die Prüfung erneuern.

      Die Überprüfung von Zertifikaten und weiteren Unterlagen wie die technische Dokumentation sehe ich eher beim EU-Repräsentant.

      Beste Grüße, Christian Johner


  27. Kristin Kraker | Freitag, 4. Januar 2019 um 11:06 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    Wir sind Zulieferer in die Medizintechnik Branche. Wir liefern Materialien für Endprodukte nahezu aller Risikoklassen.
    Dazu habe ich 2 Fragen:
    1.) In wie weit betrifft die MDR Zulieferer? So weit ich das verstanden habe, betrifft Zulieferer die erhöhte Anforderung an die Dokumentation, aber welche Art der Dokumentation muss der Zulieferer zur Verfügung stellen?
    2.) Sie erwähnend ei Anforderung an ein Qualitätsmanagement System gemäß ISO 13485:2016. Wie wird diese Anforderung begründet? Ich konnte in der MDR keine direkte Verpflichtung zur ISO 13485 herauslesen, d.h. würde eine Zertifizierung nach zB ISO 9001 ebenfalls die Anforderung erfüllen? Bzw. gilt dies auch für Zulieferer?

    Vielen Dank im Voraus!
    mfg
    Kristin Kraker


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 4. Januar 2019 um 12:21 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Kraker,

      danke für Ihre Fragen!

      ad 1.) Sie als Zulieferer sind nur indirekt betroffen. Wahrscheinlich werden Ihre Kunden erhöhte Anforderungen stellen z.B. an die Dokumentation, an die Möglichkeit zur Auditierung und an die Kommunikation. Welche Dokumentation Ihr Kunde verlangt, kann ich in Unkenntnis des Produkts nicht sagen. Die Anforderungen an die technische Dokumentation sind zwar deutlich umfangreicher geworden. Wer allerdings normenkonform gearbeitet hat, dürfte keine großen Änderungen vornehmen müssen.

      ad 2.) Als Zulieferer gibt es keine Anforderungen an das QMS aus der MDR. Die Hersteller sind bei den meisten Konformitätsbewertungsverfahren dazu verpflichtet. Diese werden bei ausgelagerten Prozessen entweder ihr eigenes QMS auf Sie überstülpen (zumindest für die entsprechenden Prozesse) oder von Ihnen ein zertifiziertes QMS verlangen. Die ISO 13485 wird die harmonisierte Norm für QMS sein nicht die ISO 9001. Eine direkte Verpflichtung zu einem QMS für die Zulieferer nennt die MDR nicht.

      Viele Grüße, Christian Johner


  28. Ralph Wonner | Dienstag, 12. März 2019 um 22:50 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    in dem Artikel 20 der MDR geht es um die CE Kennzeichnung von Medizinprodukten.
    Halten Sie es für notwendig, dass wiederverwendbare chirurgische Instrumente generell zusätzlich zur CE Kennzeichnung auch mit der Nummer der benannten Stelle gekennzeichnet werden müssen. Wenn ja, gibt es hier Fristen bis wann die alte, nur „CE“ Kennzeichnung zulässig ist und ab wann zusätzlich die Nummer der benannten Stelle auf dem Instrument aufgebracht sein muss? Gäbe es hier dann „Ausnahmen“ für bereits schon mal inverkehr gebrachte Produkte?

    Danke.
    Herzliche Grüße
    Ralph Wonner

    (5) Wo erforderlich, wird der CE-Kennzeichnung die Kennnummer der für die Konformitätsbewertungsverfahren gemäß Artikel 52 zuständigen Benannten Stelle hinzugefügt.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 12. März 2019 um 23:06 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Wonner,

      danke für Ihre Frage! Ich halte es für gesetzlich notwendig, dass die Anforderungen des Artikel 20 eingehalten werden, was die CE-Kennzeichnung mit einschließt, bei Klasse Ir-Produkten auch die Nummer der benannten Stelle. Sie zitieren genau den relevanten Artikel und Absatz.

      Produkte, die bereits in Verkehr gebraucht wurden, dürfen gemäß der Übergangsfristen weiter bereitgestellt und Inbetriebgenommen werden. Eine weitere Nutzung ist nicht untersagt.

      In der Hoffnung geholfen zu haben und mit vielen Grüßen, Christian Johner


  29. A.Sander | Mittwoch, 13. März 2019 um 13:07 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    auf der Seite:
    https://www.johner-institut.de/blog/regulatory-affairs/medical-device-regulation-mdr-medizinprodukteverordnung/

    unter:
    Drohendes Marktverbot -> Artikel 73 sagt die MDR „elektronisches System für klinische Prüfung“

    LG A.Sander


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 13. März 2019 um 19:09 Uhr - Antworten

      Sie haben Recht, Herr Sander!

      Der Text bezog sich auf eine alte Version der MDR. Hier lautete Artikel 73 „Amtliche Feststellung der Nichtkonformität“. Diese Forderungen finden sich jetzt in den Artikel 94ff. Den Artikel muss ich noch anpassen.

      Danke für den Hinweis!

      Viele Grüße, Christian Johner


  30. Peter Postert | Montag, 8. April 2019 um 07:43 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof Johner,

    danke für Ihre Neuigkeiten, die immer wieterhelfen. Bin gerade aber etwas ratlos:

    Im Corrigendum der MDR heißt es,
    Artikel 120 Absatz 10
    (10)Produkte, die gemäß Artikel 1 Absatz 6 Buchstabe g in den Geltungsbereich dieser Verordnung fallen und die nach den vor dem 26. Mai 2020 in den Mitgliedstaaten geltenden Regeln rechtmäßig in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wurden, dürfen in den betreffenden Mitgliedstaaten weiterhin in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden.

    der Buchstabe (f) – tierisches Gewebe fällt demnach raus.

    Meines Erachtens wiederspricht Absatz 4 des Artikels 120 aber dem Absatz 10:
    (4)Produkte, die vor dem 26. Mai 2020 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden, und Produkte, die ab dem 26. Mai 2020 aufgrund einer Bescheinigung gemäß Absatz 2 des vorliegenden Artikels in Verkehr gebracht wurden können bis zum 27. Mai 2025 weiter auf dem Markt bereitgestellt oder in Betrieb genommen werden.

    Was halten Sie von diesem Widerspruch?

    LG Peter Postert


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 8. April 2019 um 11:16 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Postert,

      Sie stellen eine großartig und schwierige Frage, auf die ich noch keine Antwort habe. Ich mache mich mal kundig und gebe Bescheid, wenn ich auf eine Lösung stoße.

      Es tut mir leid, dass ich ausnahmsweise nicht (sofort) helfen kann.

      Viele Grüße, Christian Johner


  31. Thore Bosk | Mittwoch, 10. April 2019 um 14:02 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    die in der oben stehenden „Downloads“-Box gelisteten verlinkten Dokumente in englischer und deutscher Sprache enthalten noch die Informationen vor Veröffentlichung des Corrigendums 15409/1/18 REV 1.

    Zur einfacheren Arbeit mit der MDR möchte ich daher gerne zwei Verbesserungsvorschläge anmerken:

    1. Verlinkung des Corrigendums in der oben stehenden „Downloads“-Box
    2. Übernahme der Korrekturen des Corrigendums direkt in die verlinkten Dokumente

    Vielen Dank und beste Grüße,

    Thore Bosk


  32. Dr. Christoph Piechaczek | Mittwoch, 10. April 2019 um 16:17 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof Johner,
    wir interpretieren die Änderung des Artikel 120 Absatz 10 etwas anders:

    Produkte, die gemäß Artikel 1 Absatz 6 Buchstabe g in den Geltungsbereich der MDR fallen, sind:
    „…Produkte, die aus Derivaten von Geweben oder Zellen menschlichen Ursprungs hergestellt sind, die nicht lebensfähig sind oder abgetötet wurden.“
    Dies sind Produkte, die unter der MDD grundsätzlich nicht als Medizinprodukte europaweit zuzulassen waren, sondern nur „nach den … in den Mitgliedstaaten geltenden Regeln“ rechtmäßig in den Verkehr gebracht und in Betrieb genommen wurden.
    Diese Produkte dürfen weiterhin „nach den … in den Mitgliedstaaten geltenden Regeln“ in den Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden.
    (Die ebenfalls in Artikel 1 Absatz 6 Buchstabe g erwähnten „Transplantate, Gewebe oder Zellen menschlichen Ursprungs und ihre Derivate, die unter die Richtlinie 2004/23/EG fallen…“ können sowieso nicht als Medizinprodukte zugelassen werden, da sie ja per Definition Arzneimittel sind.)
    Nun wurden – wohl versehentlich (?) – auch „Produkte … gemäß Artikel 1 Absatz 6 Buchstabe f“ eingeschlossen:
    „…Produkte, die aus Geweben oder Zellen tierischen Ursprungs oder ihren Derivaten hergestellt sind, die nicht lebensfähig sind oder abgetötet wurden“
    Dies sind Produkte, die man auch schon unter der MDD grundsätzlich als Medizinprodukte europaweit zulassen konnte – und somit eine nationale Zulassung „nach den … in den Mitgliedstaaten geltenden Regeln“ zur Marktfähigkeit nicht notwendig war. Daher wurden diese Produkte im Corrigendum des Absatz 10 gestrichen.
    Somit sind für letztere Produkte die Fristen Artikel 120 Absatz 2 („Bescheinigungen, die von Benannten Stellen vor dem 25. Mai 2017 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG ausgestellt wurden, bleiben bis zu dem in der Bescheinigung angegebenen Zeitpunkt gültig, außer im Fall von Bescheinigungen gemäß Anhang 4 der Richtlinie 90/385/EWG bzw. gemäß Anhang IV der Richtlinie 93/42/EWG, die spätestens am 27. Mai 2022 ihre Gültigkeit verlieren“) und Absatz 4 („Produkte, die vor dem 26. Mai 2020 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden, und Produkte, die ab dem 26. Mai 2020 aufgrund einer Bescheinigung gemäß Absatz 2 des vorliegenden Artikels in Verkehr gebracht wurden können bis zum 27. Mai 2025 weiter auf dem Markt bereitgestellt oder in Betrieb genommen werden.“) maßgeblich.
    VG, Christoph Piechaczek


  33. Winkels | Freitag, 7. Juni 2019 um 08:53 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Professor Johner,

    vielen Dank an dieser Stelle für die hervoragende Aufarbeitung der Themen zur MDR.

    Anbei eine Frage: Inwieweit gilt die Dokumentations- und Umsetzungspflicht mit UDI etc.für ein Krankenhaus bei Kleinimplantate, wie Schrauben, die aus einem Schrauben-Sieb stammen .
    In so einem Sieb sind gut und gerne an die 100 kleine Schrauben enthalten. Wie sollen diese zukünftig dokumentiert werden? Eine UDI für jede einzelne Schraube? Gibt es dazu auch Vorgaben?

    Vielen Dank und beste Grüße
    K. Winkels


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 7. Juni 2019 um 20:06 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr, sehr geehrte Frau Winkels,

      die UDI-Anforderungen richten sich primär an die Hersteller, nicht an die Gesundheitseinrichtungen, auch wenn der Gesetzgeber die durchgängige Nachverfolgbarkeit von Artikeln wünscht. Da Sie vermutlich nicht der Hersteller dieser Schrauben sind, müssen Sie keine UDI-Vorgaben erfüllen.

      Beste Grüße, Christian Johner


  34. Katja Winkels | Dienstag, 11. Juni 2019 um 13:33 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Professor Johner,

    vielen Dank für Ihre Antwort, heißt dies im Umkehrschluss, dass die Art und Außmaß der Dokumentationspflicht des Krankenhauses von Bereitstellung einer UDI pro Einzelschraube abhängt? Sofern der Hersteller keine eindeutige Kennung für die Einzelschraube bereitstellt, kann das Krankenhaus wie gehabt patientenbezogen dokumentieren?

    Beste Grüße
    Katja Winkels


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 11. Juni 2019 um 18:48 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Winkels,

      so ist es! Und selbst wenn der Hersteller eine eindeutige Kennung anbringt, folgen aus der MDR (noch) keine konkreten Anforderungen an Sie.

      Sie erfüllen übrigens bereits den eigentlichen Gedanken der MDR, wenn Sie patientenbezogen dokumentieren. Damit ist die „Traceability“ des Produkts von der Herstellung bis zu dessen Verwendung gegeben.

      Beste Grüße, Christian Johner


  35. Daniela Eissing | Sonntag, 23. Juni 2019 um 06:46 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner, ich möchte gerne die Frage von Frau Winkes vom 7. Juni19 08:53 und Ihre Antwort vom 11.06.19 18:48 vertiefen.
    … „Inwieweit gilt die Dokumentations- und Umsetzungspflicht mit UDI etc. für ein Krankenhaus bei Kleinimplantate, wie Schrauben, die aus einem Schrauben-Sieb stammen.In so einem Sieb sind gut und gerne an die 100 kleine Schrauben enthalten.“. Schlüpfe ich als Aufbereiter in der Rolle des Herstellers wenn ich diese hunderte von Schrauben immer wieder aufs neu reinige, desinfiziere, sterilisiere? Zweite Frage: gibt es eine Regelung im MDR, die dieses ständiges PORBLEM für die Aufbereiter endlich klar stellt? Aus nationalem Recht haben wir als Aufbereiter sehr wohl die Pflicht lückenlos zu dokumentieren, was in dem Beispiel unmöglich ist:( UDI hin und her.
    Vorab vielen herzlichen Dank und Grüße,
    D. Eissing


  36. Daniela Eissing | Sonntag, 23. Juni 2019 um 07:20 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    genau Ihre Aussage kann ich leider nicht begreifen:

    „Sie erfüllen übrigens bereits den eigentlichen Gedanken der MDR, wenn Sie patientenbezogen dokumentieren. Damit ist die „Traceability“ des Produkts von der Herstellung bis zu dessen Verwendung gegeben.“
    MDR schreibt von Aufbereitung, Neuaufbereitung, Weiterverwendung von MP.
    Fragen: 1. Was ist mit der „Wiederaufbereitung? Wenn ich hunderte von Schrauben in einem Sieb habe ein paar Jahre immer wieder Neu?- wieder?- aufbereite.
    2. Wie Lang ist das Lebenszyklus dieser Produkte?
    3. Das hat dann nichts mehr mit „von der Herstellung bis zu dessen Verwendung“ zu tun, oder denke ich falsch?

    Vielen Dank nochmals,
    Herzliche Grüße, D. Eissing


    • Prof. Dr. Christian Johner | Sonntag, 23. Juni 2019 um 13:13 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Eisenring,

      danke für Ihr Nachhaken. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich jede Ihrer Fragen richtig verstehe. Dennoch wage ich eine erste Antwort:

      Die MDR definiert einen Hersteller als

      „eine natürliche oder juristische Person, die ein Produkt herstellt oder als neu aufbereitet bzw. entwickeln, herstellen oder als neu aufbereiten lässt und dieses Produkt unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke vermarktet;“

      Alles das tun sie als Krankenhaus nicht. Sie machen keine „Neuaufbereitung“, sondern eine „Aufbereitung“. Eine Aufbereitung ist laut MDR

      ein Verfahren, dem ein gebrauchtes Produkt unterzogen wird, damit es sicher wiederverwendet werden kann; zu diesen Verfahren gehören Reinigung, Desinfektion, Sterilisation und ähnliche Verfahren sowie Prüfungen und Wiederherstellung der technischen und funktionellen Sicherheit des gebrauchten Produkts;“

      Nach meinem Verständnis reinigen Sie, desinfizieren und sterilisieren Sie Schrauben. Das ist eine Aufbereitung und keine Herstellung, zumal sie die Schrauben nicht „unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke vermarkten“. Sie sind also kein Hersteller. Die Anforderungen der MDR, auch die bezüglich UDI, richten sich primär an Hersteller, nicht an Betreiber.

      Ich widerspreche nicht, dass es weitere nationale Anforderungen an die Betreiber gibt, auch die Sterilisation betreffend.

      Die Lebensdauer der Schrauben legt der Hersteller fest. Diese startet mit einer Sterilisation oder Reinigung nicht von neuem. Ideal wäre es, wenn der Hersteller nicht nur die Lebensdauer, sondern auch die Anzahl der Aufbereitungszyklen festlegt.

      Falls ich Ihre Fragen noch nicht ausreichend präzise beantwortet haben, dann nutzen Sie gerne unser Micro-Consulting, das Sie auf unserer Homepage finden. Bitte beziehen Sie sich dann auf dieser Konversation.

      Beste Grüße, Christian Johner


  37. Daniela Eissing | Montag, 24. Juni 2019 um 04:31 Uhr - Antworten

    Guten Morgen Herr Prof. Johner,

    zu der Aussage:
    „Sie erfüllen übrigens bereits den eigentlichen Gedanken der MDR, wenn Sie patientenbezogen dokumentieren. Damit ist die „Traceability“ des Produkts von der Herstellung bis zu dessen Verwendung gegeben“ hätte ich ein paar Fragen.
    1. Wie kann ich patientenbezogen bei hunderte von Schrauben und Platten in einem Sieb, die jahrelang immer wieder gereinigt, desinfiziert und sterilisiert werden, dokumentieren.
    2. Wie kann ich die o.g. Produkte nachvollziehbar in der Aufbereitung rückverfolgen?
    3. Wenn ich eine Schraube heute auspacke, in einem Sieb hineinlege und diese zwei Jahre lang immer wieder aufs neu aufbereite, dann begreife ich nicht wie ist das mit der Rückverfolgbarkeit/ Lebenszyklus „von der Herstellung bis zu dessen Verwendung“?
    4. MDR und die nationalen Gesetze und Verordnungen sprechen von Aufbereitung, Neuaufbereitung, Weiterverwendung, Einmalprodukte… Unter welchem Begriff und Artikel MDR fällt eigentlich die Wiederaufbereitung von Einmalprodukte? Oder denke ich falsch?
    Vorab vielen Dank für Ihre Antwort.
    Herzliche, D. Eissing


  38. Daniela Eissing | Montag, 24. Juni 2019 um 04:38 Uhr - Antworten

    …vielen Dank für Ihre Antwort Herr Prof. Johman.

    Gute Woche für Sie, D. Eissing


  39. Ursula Rosche | Montag, 15. Juli 2019 um 09:00 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,
    vielen Dank für den MDR-Übergangsfristen-Rechner. Wie sieht es denn in den Fällen aus, in denen Produkte aus Klasse I höher – in Klasse IIa oder IIb – eingestuft werden müssen, da es sich um stoffliche Produkte handelt? Da gibt es bisher ja keine Bescheinigung einer Benannten Stelle. Dürfen diese Produkte nach dem 27.05.2020 nur dann weiterhin bereitgestellt (= weiter verkauft) werden, wenn sie bis zu diesem Termin eine Bescheinigung einer Benannten Stelle erhalten haben?
    Oder trifft auch auf diese Produkte der folgenden Passus zu?
    „Produkte, die vor dem 26. Mai 2020 gemäß den Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden ….können bis zum 27. Mai 2025 weiter auf dem Markt bereitgestellt oder in Betrieb genommen werden.“
    Vielen Dank schon vorab.
    Mit freundlichen Grüßen, U. Rosche


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 15. Juli 2019 um 19:53 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Rosche,

      es ist wie Sie vermuten: Wenn Sie keine Bescheinigung haben, und das Produkt durch die MDR höher gestuft wird als Klasse I, dann dürfen Sie das Produkt nicht mehr in den Verkehr bringen.

      Der genannte Passus hilft nichts, weil es um die Bereitstellung und Inbetriebnahme geht. Die Bereitstellung ist nicht der Verkauf. Am besten Sie Studieren unsere Seite zur Inverkehrbringung. Die Sache ist nicht ganz banal.

      Beste Grüße, Christian Johner


  40. Karl Heinz | Montag, 22. Juli 2019 um 13:59 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,
    wir stellen Medizinprodukte der Klasse IIa her. Die Zertifikate der benannten Stelle für diese Produkte werden verlänger. Somit haben wir eine Übergangszeit bis Mai 2024.
    Trotzdem müssen wir die MDR-Anforderungen hinsichtlich Vigilanz, PMS, PMCF, klinischer Bewertung und der verantworlichen Person bereits ab Mai 2020 erfüllen.
    Ist das richtig? Gibt es noch weitere Anforderungen der MDR, die ab Mai 2020 gefordert werden?

    Vielen Dank für Ihre Hilfe!

    Mit freundlichen Grüßen, K.H. Suddera


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 22. Juli 2019 um 14:10 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Suddera,

      Ihr Einschätzung teile ich!

      Was man noch in Betracht ziehen könnte, ist die Thematik UDI / EUDAMED, weil das wiederum für die Vigilanz wichtig sein kann. Je nach Konstellation sollten Sie die Anforderungen an die Wirtschaftsakteure (Importeur, Distributor, EU-Repräsentant) beachten.

      Mein Haupt-Tipp wäre, sicher zu stellen, dass die Anforderungen der MDD(!) tatsächlich sauber erfüllt sind. Ich sage das, weil wir bei den meisten unserer „MDR-Transitionsprojekte“ v.a. erst einmal die MDD-Compliance erreichen müssen. In anderen Worten: Momentan werden viele Altlasten auf die Kostenstelle MDR gebucht.

      Beste Grüße, Christian johner


  41. Karl Heinz | Montag, 22. Juli 2019 um 17:24 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für die rasche Antwort!

    Ich kann nur bestätigen, dass es bei uns auch einige Altlasten aufzuarbeiten gibt. Aber es ist beruhigend zu hören, dass es bei Anderen auch so ist.

    Vielen Dank für die Hilfe und schöne Grüße,
    K.H. Suddera


  42. Stefan Möller | Montag, 16. September 2019 um 17:08 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Christian Johner.
    Mit großem Interesse habe ich den mir alle Fragen und Antworten bezogen auf den MDR angeschaut und mir ein „Bild“ gemacht.
    Meine Frage ist bezogen auf den MEDIKALHANDEL.
    Also was hat eine Händler zu beachten, der direkt beim Hersteller bezieht, konsequent Chargenkontrollen, Sichtkontrollen und MHD Kontrollen durchführt.
    NICHT Inverkehrbringer ist, sondern nur mit den Produkten handelt. Was hat der MDR für diese Unternehmen an Bedeutung.
    Freue mich von Ihnen zu lesen.
    Mit freundlichem Gruß
    Stefan Möller


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 17. September 2019 um 06:28 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Möller,

      die MDR stellt im Artikel 14 die Anforderungen an die Händler.

      Weitere Pflichten wie die zur Meldung können sich aus Verträgen mit den Herstellern ergeben. Weiter gibt es Anforderungen an Medizinprodukteberater, die nicht die MDR, sondern da MPG bzw. das künftige MDG formulieren.

      Viele Grüße, Christian Johner


  43. C.West | Donnerstag, 3. Oktober 2019 um 20:20 Uhr - Antworten

    Guten Abend Prof. Johner,

    als Anwender von MP stell ich mir die Frage, ob ich ein gültig erworbenes MP ( z.B: eine steril verpackte Bipolarelektrode), nach dem CE Ablaufdatum noch verwenden darf.
    (Bsp. CE ausgestellt am 01.01.2016/ heute wäre der 02.02.2021)
    Der Artikel 120 MDR, beschreibt dies für mich recht diffus.

    Ebenso die Frage 18 aus dem Fragekatalog der NAKI
    https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/N/NAKI/NAKI_02-05_UG1_MDR_FAQ_UEbergang.pdf


    • Prof. Dr. Christian Johner | Donnerstag, 3. Oktober 2019 um 20:27 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Wiest,

      die Übergangsfristen der MDR wenden sich wie die MDR selbst an die Hersteller und andere sogenannte Wirtschaftsakteure, nicht aber an Anwender.

      Ein Hersteller insbesondere von steilen Produkten sollte das Ablaufdatum festlegen. Solange können Sie das Produkt nutzen. Das gilt auch, wenn dieses Datum nach dem 25. Mai 2020 liegt. Die relevante Frist ist die für die Inbetriebnahme: Die ist definiert als:

      „Inbetriebnahme“ bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem ein Produkt, mit Ausnahme von Prüfprodukten, dem Endanwender als ein Erzeugnis zur Verfügung gestellt wird, das erstmals als gebrauchsfertiges Produkt entsprechend seiner Zweckbestimmung auf dem Unionsmarkt verwendet werden kann;

      Diese Frist ist der 27.05.2025.

      Viele Grüße, Christian Johner


  44. Maren Bromm | Freitag, 25. Oktober 2019 um 11:20 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Johner,

    wir sind Hersteller von Medizinprodukten der Klasse I, also Inverkehrbringer. Unsere Kunden sind Fachhändler (Sanitätshäuser), die wiederum Inbetriebnehmen, indem sie das Produkt dem Endkunden bereitstellen. Die Inbetriebnahme bzw. Bereitstellung auf dem Markt, von Produkten nach MDD, ist bis zum 27.05.2025 möglich.

    Oft ist es so, dass ein Medizinprodukt vom Endkunden zurück an den Fachhandel geht, dort hygienisch aufbereitet wird und erneut in Betrieb genommen wird. Das Produkt kommt zu einem neuen Endanwender. Ist dies nach dem 27.05.2025 nicht mehr möglich? In Artikel 120, Absatz 4 steht leider nicht „erstmals“ in Betrieb genommen.

    Vielen Dank vorab!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Maren Bromm


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 29. Oktober 2019 um 23:30 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Bromm,

      Sie haben Recht, die MDR spricht nicht von „erstmaligen Inbetriebnehmen“. Dieses Konzept kennt die Verordnung nicht – nur das des erstmaligen Inverkehrbringens. Solange es sich um eine Aufbereitung eines Produkts handelt, wird es nicht neu in den Verkehr gebracht. D.h. Sie hätten keine Thematik mit den Übergangsfristen. Es wäre nur sicher zu stellen, dass es keine „Neuaufbereitung“ ist.

      Beste Grüße, Christian Johner


  45. Wolfgang Decker | Donnerstag, 5. Dezember 2019 um 16:13 Uhr - Antworten

    Hallo Hr. Dr. Johner,

    eine kurze Frage bzgl. des letzten Woche veröffentlichten Corrigendums. Auch nach mehrmaligen Durchlesen des Art. 120 (3) und (4) und Auseinanderpflücken des Textes ist uns immer noch nicht endgültig klar, welche Produkte der Klasse I davon betroffen sind.
    So wie wir das jetzt lesen, trifft dies für Produkte zu, die derzeit Klasse I sind und zukünftig höher klassifiziert werden (z. B. Medical Software Applications).
    Es trifft damit nicht für Produkte zu, die unter der MDD Klasse I sind und auch zukünftig in der Klasse I unter der MDR bleiben. Wenn dem so wäre, müßte für die absolut risikoärmsten Medizinprodukte die MDR zum Mai 2020 umgesetzt sein. Ist diese Sichtweise korrekt?

    Vielen Dank vorab für eine kurze Kommentierung!

    Herzliche Grüße

    Wolfgang Decker


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 6. Dezember 2019 um 07:31 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Decker,

      ich teile genau Ihre Sichtweise: Die MDR gewährt Klasse-I-Produkten, die künftig in höhere Klassen (z.B. Klasse Ir) fallen die Übergangsfrist. Das betrifft auch Software. Allerdings ändern Hersteller ihre Software so häufig, dass der „Bestandsschutz“ schnell fallen wird.

      Pflichten, wie die nach Post-Market-Surveillance konform MDR, gelten für alle Produkte ohne Übergangsfrist.


  46. Lars Frohn | Freitag, 6. Dezember 2019 um 05:31 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof.Johner,

    können Sie absehen, welche Pflichten auf Apotheken zukommen? Vielen Dank & freundliche Grüße,

    Lars Frohn


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 6. Dezember 2019 um 07:32 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Frohn,

      danke für die spannende Frage!

      Welche Pflichten für Apotheken gelten, hängt von deren Tätigkeit ab. Ich sehe v.a. die Händlerpflichten als die relevanten. Der Artikel 14 ist hier besonders wichtig.

      Weiter werden künftig auch Pflichten im Kontext der UDI auf die Apotheken zukommen.

      Beste Grüße, Christian Johner


  47. Eissing | Montag, 16. Dezember 2019 um 07:51 Uhr - Antworten

    Guten Morgen Herr Johner, wie ist diese Anpassung des Art. 5 zu interpretieren?

    (b) verify that the certificate for the single-use device has not been suspended, withdrawn or subject to restrictions (gestrichen- from the market) as indicated in the European Database on Medical Devices (EUDAMED) when the relevant system will be available, oras well as on the website of the manufacturer or of its authorised representative

    (c) verify if the use of the single-use device has been subject to(gestrichen- that the single-use device is not subject to restrictions for safety) reasons as indicated in the field safety notices available on EUDAMED, or, in case EUDAMED is not fully functional on 26 May 2020, on the system(s) or procedures that will be relied upon for the purpose of meeting the relevant obligations regarding exchange of information laid down in Regulation (EU) 2017/745, until the obligations and requirements that relate to EUDAMED will apply in accordance with Article 34 and 123(3) of Regulation (EU) 2017/745, (gestrichen-EUDAMED) or as well as on the website of the manufacturer or its authorised representative;

    Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung, Herr Eissing


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 16. Dezember 2019 um 19:55 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Herr Eissing,

      ich brauche Ihre Hilfe, um Antworten zu können. Sie beziehen sich auf welchen Absatz im Artikel 5?

      Ich sehe bei Artikel 5 nur einen Abschnitt „c“ in dem es heißt

      t(c) he health institution justifies in its documentation that the target patient group’s specific needs cannot be met, or cannot be met at the appropriate level of performance by an equivalent device available on the market,

      Ich sitze wahrscheinlich auf den Augen :-).

      Beste Grüße, Christian Johner


  48. Maier | Montag, 16. Dezember 2019 um 08:09 Uhr - Antworten

    Guten Morgen Herr Prof. Johner,

    gibt es schon die erste Ergebnisse zum Thema: Common specifications für die Aufbereitung Einmalartikeln erarbeiten geplant für Q4 2019?
    Danke und Grüße, Mariane Maier


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 16. Dezember 2019 um 19:49 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Maier,

      danke für Ihre Frage. Ich habe bisher von keinen konkreten Ergebnissen erfahren. Sobald ich etwas weiß, werde ich es im Instituts-Journal melden.

      Ich grüße Sie herzlich, Christian Johner


  49. Herr Maier-Hoffer | Samstag, 18. Januar 2020 um 06:58 Uhr - Antworten

    Guten Morgen Herr Prof. Johner,

    dass die Übergangsfristen den Hersteller betreffen, ist bei mir schon längst angekommen. Trotzdem habe ich die Verständnisfrage an Sie:

    In wie fern/ Zusammengang soll mich das Thema: Übergangsfristen, als Klinik- Betreiber/ Anwender oder Aufbereiter (Reinigung, Desinfektion, Sterilisation) von MP beschäftigen?
    Vielen Dank für Ihre Klarstellung.
    Beste Grüße, Anton Maier-Hofer


    • Prof. Dr. Christian Johner | Samstag, 18. Januar 2020 um 17:31 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Maier-Hofer,

      die Anforderungen an die Aufbereitung von Einmalprodukten regelt der Artikel 17. Für den sieht die MDR keine Übergangsfristen vor. Sie erlaubt jedoch für Gesundheitseinrichtungen besondere Festlegungen durch die Mitgliedsländer. Das ist im Fall von Deutschland das MPDG. Dieses sieht aber auch keine Übergangsfristen dafür vor. D.h. dass beispielsweise eine Anzeigepflicht besteht:

      […] Gesundheitseinrichtungen, die Einmalprodukte nach Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung (EU) 2017/745 aufbereiten oder aufbereiten lassen, haben dies vor Aufnahme der Tätigkeit […] anzuzeigen, sofern sie nicht nach Artikel 31 der Verordnung (EU) 2017/745 zur Registrierung verpflichtet sind.

      Beste Grüße, Christian Johner


  50. Karl Kohlert | Montag, 3. Februar 2020 um 14:32 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Johner,

    wir sind Lohnhersteller von Medizinprodukten der Klassen 1 und 2a. Die Produkte werden
    a) im Auftrag entwickelt, die komplette technische Dokumentation an die Kunden übergeben. Alleine diese kümmern sich um die Anmeldung als auch sämtliche Formalismen deren Produkte. Unsere Kunden sind alleinige Inverkehrbringer. Wir treten nach außen nicht in Erscheinung.
    b) für die Kunden lediglich abgefüllt (Bereitstellung der Bulkware durch den Kunden). Ansonsten wie unter a) beschrieben
    c) für die Kunden hergestellt (Fullservice), jedoch unter Produktionsvorgaben durch den Kunden. Ansonsten wie unter a) beschrieben.
    Meine Frage lautet jetzt dahingehend, ob sich nun auf Grund der MDR (eine OEM-PLM-Konstellation soll ja mit in Kraft treten der MDR nicht mehr möglich sein) für uns etwas an der bisherigen Konstellation ändert (z.B. Nennung des Originalherstellers auf der Packung)

    Für eine erschöpfende Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Karl Kohlert


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 3. Februar 2020 um 20:25 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Kohlert,

      ich sehe keine Änderung für Lohnhersteller.

      Ich vermute, dass Sie unter dem QM-Dach des Inverkehrbringers arbeiten bzw. über Qualitätssicherungsvereinbarungen von dem an die Kandare genommen sind. Sie sind – so verstehe ich Ihre Frage – nicht der Legalhersteller. Somit wenden sich die Pflichten der MDR nicht an Sie. Die Anforderungen der MDR gelten v.a. für Hersteller, Händler, Importeure und Bevollmächtigte sowie Gesundheitseinrichtungen.

      Dass die Hersteller gewissen Anforderungen an Sie übertragen, steht auf einem anderen Blatt. Rechnen Sie auch verstärkt mit Lieferantenaudits.

      Viele Grüße, Christian Johner


  51. Ingrid Hend | Dienstag, 18. Februar 2020 um 15:20 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,
    ich habe eine Frage zu „offenen“ Geräten, wie z.B. PCR-Automaten oder ELISA-Geräten, mit denen verschiedene Testkits verschiedener Hersteller kombiniert werden können. Gibt es laut IVDR eine Anforderungen, ob und wie sichergestellt werden soll, dass Gerät in Kombination mit Testkit valide Ergebnisse liefert? Sollten das die Hersteller in den Gebrauchsanweisungen angeben?


    • Dr. Sebastian Grömminger | Dienstag, 18. Februar 2020 um 20:00 Uhr - Antworten

      Liebe Frau Hend,
      ja, die IVDR fordert in den grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen (Anhang I Kap II) folgendes:
      „13.1. Wenn ein Produkt zur Verwendung in Kombination mit anderen Produkten oder Ausrüstungen bestimmt ist, muss die Kombination einschließlich der Verbindungen sicher sein und darf die vorgesehene Leistung der Produkte nicht beeinträchtigen. Jede Einschränkung der Anwendung im Zusammenhang mit solchen Kombinationen wird auf der Kennzeichnung und/oder in der Gebrauchsanweisung angegeben.“
      Wir IVD-Experten empfehlen, die in der Leistungsbewertung Ihres Produktes kreuz-validierten Kombinationen anzugeben und künftig ggf. erweiterte validierte Kombinationen über einen permanenten Link auf Ihrer Webseite zu ergänzen. Die Bewertung und Kontrolle der Risiken, die durch die verschiedenen Kombinationen einhergehen, sollten im Risikomanagement dokumentiert werden. Beste Grüße Sebastian Grömminger


  52. Ingrid Hend | Dienstag, 18. Februar 2020 um 15:21 Uhr - Antworten

    PS: Vielen Dank für die Möglichkeit, hier Fragen stellen zu dürfen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Ingrid Hend


  53. Eva | Donnerstag, 20. Februar 2020 um 22:37 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,

    Betreffend der Klassifizierung von Software: Laut MPG ist das Inverkehrbringen von nicht registrierten/nicht CE markierten Medizinprodukten strafbar. Wie sieht das aus bei falsch klassifizierten Medizinprodukten, wie zum Beispiel einer Software, welche als MDR Klasse I selbstzertifiziert wird, die Behörden bei einer Inspektion jedoch der Meinung wären, es könnte eine Klasse IIa oder höher sein?

    Herzlichen Dank

    Eva


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 21. Februar 2020 um 16:18 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Eva,

      es ist auch ein Gesetzesverstoß, ein Produkt falsch zu klassifizieren, weil man damit nicht dar richtige Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen hat.

      Zudem kann das auch als Verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb geahndet werden.

      Beste Grüße, Christian Johner


  54. Alfred M. | Dienstag, 25. Februar 2020 um 10:17 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner

    Im Anhang II 3b.) heisst es, „vollständige Informationen und Spezifikationen einschließlich der Herstellungsprozesse und ihrer Validierung…“

    Anhang II 3c) sagt „Angabe aller Stellen, einschließlich Lieferanten und Unterauftragnehmer, bei denen Auslegungs- und Herstellungstätigkeiten durchgeführt werden.“

    Kann man diese beiden Punkte zusammenbringen und rechtfertigen, dass auch alle Lieferanten, welche nur Komponenten für das MP liefert, ebenfalls eine Prozessvalidierung machen müssen? Oder sind diese beiden Punkte getrennt zu betrachten?

    Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüssen
    Alfred M.


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 25. Februar 2020 um 20:23 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr M.

      die beiden Punkte sind erst einmal getrennt zu betrachten. Dass aber kritische Lieferanten gelenkt werden müssen fordert die MDR u.a. im Anhang IX, vergleichbare Anforderungen hat die ISO 13485.

      Die generelle Forderung nach einer Prozessvalidierung beim Lieferanten gibt es nicht. Gerade bei Katalogware sieht man typischerweise davon ab. Bei kritischen Bauteilen sieht das natürlich anders aus.

      Beste Grüße, Christian Johner


  55. Ingrid Hend | Freitag, 28. Februar 2020 um 11:51 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Professor Johner,
    muss ein Händler von Medizinprodukten die gesamte UDI auf den Lieferscheinen angeben?

    Würde es zum Zweck der Nachvollziehbarkeit auch reichen, wie bisher geschehen, die Artikelnummer, die Lotnummer und das Ablaufdatum anzugeben bzw. aus der UDI herauszusuchen und anzugeben?

    Wenn nein, ab wann wird die Angabe von UDIs auf Lieferscheinen verpflichtend sein?

    Der Hintergrund zur Frage ist, dass wir überlegen, mit der UDI auf Scanner und entsprechende Programme umzusteigen, die die gescannte UDI automatisch in unser Warenwirtschaftsprogramm zuordnen werden.
    Dafür möchte wir wissen, ob und ab wann das notwendig sein wird.

    Herzlichen Dank!


    • Prof. Dr. Christian Johner | Samstag, 29. Februar 2020 um 13:51 Uhr - Antworten

      Sehr geehrte Frau Hend,

      die Pflicht zur Nachverfolgbarkeit der Produkte im Markt ergibt sich aus dem Artikel 25: Dort heißt es:

      Die Händler und Importeure arbeiten mit den Herstellern oder ihren Bevollmächtigten zusammen, um ein angemessenes Niveau der Rückverfolgbarkeit von Produkten zu erreichen.

      Damit ergibt sich keine Pflicht, die UDI aus dem Lieferschein anzugeben. Andere Möglichkeiten das Produkt nach- bzw. rückverfolgen zu können, bestehen.

      Beste Grüße, Christian Johner


  56. Ingrid Hend | Mittwoch, 4. März 2020 um 14:37 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Professor Johner,
    vielen Dank für Ihre Hilfe!
    Da dieses Thema für uns sehr wichtig ist und wir die richtigen Entscheidungen treffen möchten, sind noch weitere, präzisiere Fragen dazugekommen.
    Trifft die Möglichkeit, auf dem Lieferschein keine UDI anzugeben, sondern stattdessen wie bisher Lotnummer etc., auf Produkte aller Risikoklassen zu?

    Sind ausschließlich die Produkte der Klasse III, die als sogenannte „Implantate“ bezeichnet werden, elektronisch mit der UDI zu erfassen und zu speichern, oder betrifft diese Pflicht alle Klasse III Produkte?

    Könnten zukünftig mit der UDI-Pflicht für Klasse II und Klasse I-Produkte auch für Händler und Importeure eine neue Verpflichtung dazu kommen, die UDI elektronisch zu erfassen und zu speichern?

    In Artikel 27 (8) und (11) steht außerdem, dass Die Kommission im Wege von Durchführungsrechtsakten weitere Produkte, Produktkategorien oder Produktgruppen festlegen kann, bei denen dann sehr wohl die UDI erfasst und gespeichert werden muss.
    Unter welchen Umständen könnte das passieren? Welche Produkte, Produktekategorien oder Produktgruppen könnten davon betroffen werden?

    Vielen Dank für Ihre Hilfe!


  57. Cornelia Platte | Freitag, 3. April 2020 um 07:58 Uhr - Antworten

    Neulassungen in der Interimszeit (so sie denn kommt)

    Sehr geehrter Herr Johner,
    einmal mehr, Danke für ihren Blog!

    Wie muss man bei der Konformitätserklärung vorgehen, findet die MDR-Verschiebung tatsächlich statt?

    Wenn TDs (Klasse I, pur) noch nicht MDR-tauglich sind, doch für die Interimszeit MDD-Doc ausstellen, obwohl die MDD ja ausläuft? Muss das Produkt vom Markt? Läuft die MDD wirklich Ende Mai 2020 aus oder verlängert sich dieser Termin dann ebenfalls?
    Was machen die Hersteller neuer Produkte (z. B. IIb) mit vollständiger MDR-TD, wenn sie keinen NB finden? Produkt monatelang „liegen lassen“?

    Ich denke, diese Fragen wird die EU bald klären, aber man/frau denkt ja voraus …

    Beste Grüße,
    Cornelia Platte


    • Prof. Dr. Christian Johner | Freitag, 3. April 2020 um 09:25 Uhr - Antworten

      Das ist eine spannende Frage!

      Die Lage ist momentan so: Die Verschiebung der MDR ist empfohlen, noch nicht beschlossen aber wahrscheinlich. Das MPDG, das das MPG aufhebt, ist verabschiedet, vom Bundespräsidenten aber nicht unterzeichnet. Ich hoffe, dass das MPDG nicht in Kraft tritt, weil wir sonst einen gesetzlichen Widerspruch hätten: MPG aufgehoben, MDR nicht in Kraft.

      Ich würde mich so verhalten, als würde das MPG und das MDD noch ein Jahr weiter gelten. Entsprechend würde ich die Konformität mit MDD erklären. Gleichzeitig würde ich sicherstellen, dass alles bereits MDR-konform ist. Denn es gilt ja auch „Stand er Technik“.

      Wenn Sie die Benannte Stelle hängen lässt, dann melden Sie sich. Wir helfen dabei, Dinge zu eskalieren. Sie bekommen Ihr TD-Review und Ihr MDR-Audit rechtzeitig.

      Viele Grüße, Christian Johner


  58. Tobias Bauer | Montag, 6. April 2020 um 17:05 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    sollte das MPDG im Mai vom Bundespräsidenten unterschrieben werden und somit dann offiziell das MPG ablösen, dann hätten wir (nach meinem Wissensstand) de facto keinen Sicherheitsbeauftragten mehr, da dieser von der „verantwortlichen Person“ der MDR abgelöst werden würde. Allerdings sehe ich genau da die Diskrepanz die Sie bereits erwähnt haben, da die MDR (zumindest höchstwahrscheinlich) um ein jahr verschoben wird und somit die Rechtsgrundlage fehlt. Wir haben den Vertrag unseres externen Sicherheitsbeauftragten bereits vor ein paar Monaten ab dem Zeitraum Juni 2020 gekündigt und fragen uns nun, ob wir das rückgängig machen sollten… Gemäß ihrer Aussage sollten wird genauso weitermachen wie bisher, als ob MPG und MDD noch in Kraft wären, unabhängig vom MPDG oder nicht, jedoch fehlt dann in der nationalen Rechtfassung der Sicherheitsbeauftragte… Können Sie für uns die Sache evtl. aufklären?

    LG Tobias Bauer


    • Prof. Dr. Christian Johner | Montag, 6. April 2020 um 17:24 Uhr - Antworten

      Lieber Herr Bauer,

      ich verstehe Ihre Frage, habe aber noch keine Antwort. Wir wissen erst Bescheid, wenn die MDR endgültig verschoben und das MPDG unterschrieben ist, ob wir das Problem wirklich haben. Ich vermute, dass man das MPDG nochmals anhält bzw. die Daten ändert.

      Sobald ich Weiteres weiß, gebe ich im Instituts-Journal Bescheid.

      Danke für Ihre spannende und sehr relevante Frage!

      Viele Grüße, Christian Johner


  59. Jens Amberg | Donnerstag, 16. April 2020 um 08:31 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    wie kann man offiziell Erfahren das die MDR verschoben wird/ist?

    MfG

    Jens Amberg


  60. Ralf Egenolf | Mittwoch, 20. Mai 2020 um 15:00 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Johner,

    unsere benannte Stelle hat uns einen Ergänzungsvertrag zum ZertVertrag geschickt, der die Belange der MDR ergänzt. So weit, so gut.
    Nun hat sie diesen Vertrag aufgrund der MDR-Verschiebung aktualisiert, v.a. bzgl der Datumsangaben. Ein Passus blieb aber ungeändert:
    „Der Auftraggeber gewährleistet, dass seine Produkte weiterhin der MDD bzw. AIMDD entsprechen und er ab 26. Mai 2020 sämtliche Anforderungen der MDR an die Überwachung nach dem Inverkehrbringen, die Marktüberwachung sowie die Vigilanz entsprechend Art. 12(3) MDR umsetzen und erfüllen wird.“

    Müsste es hier nicht auch „2021“ heißen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf Egenolf


  61. Ralf Egenolf | Mittwoch, 20. Mai 2020 um 15:02 Uhr - Antworten

    Korrektur zu meiner Anfrage von 15:00 Uhr:

    Art. 120 (3) muss es natürlich heißen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf Egenolf


    • Prof. Dr. Christian Johner | Mittwoch, 20. Mai 2020 um 17:12 Uhr - Antworten

      Sehr geehrter Herr Egenolf,

      Sie haben absolut Recht: Es sind alle Fristen, die 25./26.05.2020 um ein Jahr verschoben. Daher vermute ich, dass es ein redaktioneller Fehler Ihrer BS ist.

      Die anderen Übergangsfristen verschieben sich aber nicht um ein Jahr. Defacto ist dadurch die Übergangsfrist um ein Jahr kürzer.

      Viele Grüße, Christian Johner


  62. Peter Ackeret | Freitag, 17. Juli 2020 um 10:48 Uhr - Antworten

    Guten Tag Herr Johner
    Wir stellen unter anderem wiederverwendbare Instrumente in einer Charge her. Die Chargen Nr. ist auf dem Instrument im HRI Format aufgebracht.
    Gemäss MDR muss zukünftig jedes Instrument eine einmalige Serial-Nr. aufweisen.
    Frage:
    Müssen nun die Instrumente welche wir ab Mai 2021 in Verkehr bringen eine Serial-Nr. aufweisen?
    Wenn ja, muss diese im HRI-Format ab diesem Zeitpunkt auf dem Instrument aufgebracht sein?
    Wie steht dies im Zusammenhang der Artikel 123 Buchstabe g) (Übergangsfrist für UDI-Träger DPM)?
    Besten Dank für Ihre Rückmeldung und freundliche Grüsse
    Peter Ackeret


    • Luca Salvatore | Freitag, 17. Juli 2020 um 15:35 Uhr - Antworten

      Guten Tag Herr Ackeret,

      vielen Dank für Ihre Frage dich in Vertretung von Professor Johner gerne beantworte.

      Generell gilt die Forderung der Angabe einer Seriennummer nur für aktiv implantierbare Medizinprodukte gemäß MDR 23.1 s).

      Für die Anbringung der UDI gibt es Übergangsfristen. Bei wiederverwendbaren Instrumenten der Klasse Ir muss die Direktmarkierung erst für ab dem 26. Mai 2027 in Verkehr gebrachte Produkte erfolgen (siehe Artikel 123 (3) (g)).

      Herzliche Grüße

      Luca Salvatore


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