{"id":1272,"count":10,"description":"Hersteller m\u00fcssen die <strong>biologische Sicherheit<\/strong> und damit die <strong>Biokompatibilit\u00e4t<\/strong> ihrer Medizinprodukte nachweisen. Dabei hilft die Normenfamilie <strong>ISO 10993<\/strong>.\r\n<div style=\"clear: both;border: 1px solid grey;background-color: #dddddd;padding: 10px;margin-top: 30px;margin-bottom: 30px\">\r\n\r\nInhalt\r\n\r\nDiese Seite verschafft eine \u00dcbersicht \u00fcber:\r\n<ol>\r\n \t<li>Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t: Beispiele, Definitionen<\/li>\r\n \t<li>Regulatorische Anforderungen an die biologische Sicherheit<\/li>\r\n \t<li>Ansatzpunkte zum Erreichen der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t<\/li>\r\n \t<li>Nachweise der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t (Relevanz von Tests)<\/li>\r\n \t<li>Unterst\u00fctzung f\u00fcr Medizinproduktehersteller<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"defbox\">\r\n<div class=\"definition\"><i class=\"fa fa-lightbulb-o\"><\/i> Tipps<\/div>\r\nDie Normen der Reihe ISO 10993 k\u00f6nnen Sie preisg\u00fcnstig bei der <a href=\"https:\/\/www.evs.ee\/en\/\">Standardisierungsorganisation in Estland<\/a> erwerben.\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>1. Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t<\/h2>\r\n<h3>1.1 Beispiele<\/h3>\r\n<h4>1.1.1 Beispiele f\u00fcr biologische Gef\u00e4hrdungen und Risiken<\/h4>\r\nMedizinprodukte, die physischen Kontakt, insbesondere mit Patienten, haben, bergen biologische Risiken, die beispielsweise verursacht werden durch:\r\n<ul>\r\n \t<li>Chemikalien, die sich aus Materialien des Medizinprodukts herausl\u00f6sen, vom K\u00f6rper aufgenommen werden und gesundheitsbedenkliche Auswirkungen haben<\/li>\r\n \t<li>Implantate, die eine Absto\u00dfungsreaktion hervorrufen<\/li>\r\n \t<li>Materialien, die eine allergische Reaktion verursachen<\/li>\r\n \t<li>Materialien, die entgegen der Absicht des Herstellers vom K\u00f6rper abgebaut oder umgewandelt werden<\/li>\r\n \t<li>Implantate und Materialien, die nicht wie gew\u00fcnscht in den K\u00f6rper einwachsen<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4>1.1.2 Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den<\/h4>\r\nDiese Risiken k\u00f6nnen zu vielerlei Sch\u00e4den f\u00fchren:\r\n<ul>\r\n \t<li>R\u00f6tungen, Schwellung, lokale Entz\u00fcndung<\/li>\r\n \t<li>Allergien<\/li>\r\n \t<li>Fieber<\/li>\r\n \t<li>Systemische Toxizit\u00e4t, z. B. Organsch\u00e4den, Vergiftung<\/li>\r\n \t<li>Krebs<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<a class=\"dt-pswp-item\" href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Biologische-Sicherheit-Schaeden.jpg\" data-dt-img-description=\"\" data-large_image_width=\"474\" data-large_image_height=\"338\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-5380524\" src=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Biologische-Sicherheit-Schaeden.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"338\" \/><\/a>\r\n\r\nAbb. 1: Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den bei mangelnder biologischer Sicherheit\r\n<h3>1.2 Definitionen<\/h3>\r\n<h4>1.2.1 Biologisches Risiko<\/h4>\r\nDie <strong>ISO 10993-1 <\/strong>definiert den Begriff <strong>biologisches Risiko<\/strong> wie folgt:\r\n<div class=\"jig_defbox\">\r\n<div class=\"jig_defbox-definition\">\r\n<div class=\"jig_defbox-icon-wrapper\"><\/div>\r\n<span class=\"jig_defbox-header\" style=\"color: #919191\">Definition: Biologisches Risiko\u00a0<\/span>\r\n\r\n<\/div>\r\n<strong>biological risk<\/strong>\r\n<em>\u201e<\/em>combination of the probability of occurrence of biological harm and the severity of that biological harm<em>\u201c<\/em>\r\n\r\n<em>Quelle: ISO 10993-1:2025<\/em>\r\n\r\n<\/div>\r\n<h4>1.2.2 Biologische Sicherheit<\/h4>\r\nDamit verspricht die <strong>biologische Sicherheit<\/strong> die Freiheit von nicht akzeptablen biologischen Risiken im Zusammenhang mit der bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Verwendung.\r\n<h4>Biokompatibilit\u00e4t<\/h4>\r\nEtwas kryptischer wirkt die Definition des Begriffs \u201eBiokompatibilit\u00e4t\u201c:\r\n<div class=\"jig_defbox\">\r\n<div class=\"jig_defbox-definition\">\r\n\r\n<span class=\"jig_defbox-header\" style=\"color: #919191\">Definition: Biokompatibilit\u00e4t<\/span>\r\n\r\n<strong>biocompatibility<\/strong>\r\n\u201eability of a medical device or material to perform with an appropriate host response in a specific application\u201c\r\n\r\n<\/div>\r\nQuelle: ISO 10993-1:2025\r\n\r\n<\/div>\r\nDer Begriff Host-Reaktion meint hier m\u00f6gliche unerw\u00fcnschte und nachteilige Reaktionen. Die Norm merkt an, dass der Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t durch biologische Pr\u00fcfungen und durch eine Beurteilung der herausl\u00f6sbaren Chemikalien erfolgen kann.\r\n\r\nIn der biologischen Risikobeurteilung nach ISO 10993-1 wird die biologische Sicherheit unter Betrachtung der biologischen Risiken bewertet, die verbunden sind mit:\r\n<ul>\r\n \t<li>den Bestandteilen eines Medizinprodukts und<\/li>\r\n \t<li>den Wechselwirkungen zwischen Produkt und Gewebe<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<div class=\"jig_defbox\">\r\n<div class=\"jig_defbox-definition\">\r\n<div class=\"jig_defbox-icon-wrapper\"><\/div>\r\n<span class=\"jig_defbox-header\" style=\"color: #919191\">Achtung<\/span>\r\n\r\n<\/div>\r\nDie biologischen Risiken in Zusammenhang mit Infektionserregern fallen nicht in den Anwendungsbereich der ISO 10993!\r\n\r\n<\/div>\r\n<h3>1.3 Endpunkte der biologischen Sicherheit nach ISO 10993<\/h3>\r\nHersteller m\u00fcssen die Biokompatibilit\u00e4t ihrer Medizinprodukte gew\u00e4hrleisten und daher die Wahrscheinlichkeit von Sch\u00e4den aufgrund mangelnder biologischer Sicherheit minimieren.\r\n\r\nDie spezifischen (negativen) biologischen Effekte, welche die Hersteller bei der biologischen Bewertung \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen, nennt man Endpunkte. Beispiele f\u00fcr Endpunkte sind:\r\n<ul>\r\n \t<li>Zytotoxizit\u00e4t (Zellsch\u00e4digung)<\/li>\r\n \t<li>Sensibilisierung der Haut (z. B. allergische Reaktion)<\/li>\r\n \t<li>Irritation der Haut oder des Gewebes (z. B. R\u00f6tung und Juckreiz)<\/li>\r\n \t<li>Systemische Toxizit\u00e4t: akute, subakute, subchronische und chronische Toxizit\u00e4t (z. B. Organsch\u00e4den, Tod)<\/li>\r\n \t<li>Materialbedingte Pyrogenit\u00e4t (Hervorrufen von Fieber)<\/li>\r\n \t<li>Genotoxizit\u00e4t (Sch\u00e4digung der DNA)<\/li>\r\n \t<li>Karzinogenit\u00e4t (Verursachen von Krebs)<\/li>\r\n \t<li>Reproduktionstoxizit\u00e4t (Beeintr\u00e4chtigung der Fortpflanzungsf\u00e4higkeit)<\/li>\r\n \t<li>Implantationseffekte (z. B. Absto\u00dfung von Implantaten)<\/li>\r\n \t<li>Blutunvertr\u00e4glichkeit (z. B. Thrombose)<\/li>\r\n<\/ul>\r\nDer Artikel beschreibt in den Abschnitten 4 und 5, wie Hersteller die biologische Sicherheit erreichen und \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen.\r\n\r\nDie <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/cmr-stoffe\/\">CMR-Stoffe<\/a> umfassen:\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n \t<li><strong>C<\/strong>ancerogen (kanzerogen, krebserzeugend)<\/li>\r\n \t<li><strong>M<\/strong>utagen (erbgutver\u00e4ndernd)<\/li>\r\n \t<li><strong>R<\/strong>eproduktionstoxisch (fortpflanzungstoxisch)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>2. Regulatorische Anforderungen<\/h2>\r\n<h3>2.1 Die Anforderungen der MDR<\/h3>\r\nDie <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/medical-device-regulation-mdr-medizinprodukteverordnung\/\">Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR)<\/a> fordert die Biokompatibilit\u00e4t von Medizinprodukten an mehreren Stellen:\r\n<h4>Anhang I: Grundlegende Sicherheits- und Leistungsanforderungen<\/h4>\r\nDer <a href=\"https:\/\/mdr-selector.johner-institut.de\/mdr_de.html#annex-I\">Anhang I<\/a> der MDR erw\u00e4hnt den Begriff Biokompatibilit\u00e4t nicht explizit. Er schreibt aber:\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><em>Die Produkte werden so ausgelegt, hergestellt und verpackt, dass die Risiken durch Schadstoffe und R\u00fcckst\u00e4nde f\u00fcr Patienten \u2014 unter Ber\u00fccksichtigung der\u00a0Zweckbestimmung\u00a0des Produkts \u2014 sowie f\u00fcr Transport-, Lager- und Bedienungspersonal so gering wie m\u00f6glich gehalten werden. Dabei wird Geweben, die diesen Schadstoffen und R\u00fcckst\u00e4nden ausgesetzt sind, sowie der Dauer und H\u00e4ufigkeit der Exposition besondere Aufmerksamkeit gewidmet.<\/em>\r\n\r\n<em>MDR, Anhang I, Absatz 10.2<\/em><\/blockquote>\r\nBereits im ersten Abschnitt des Anhangs I fordert die Verordnung, die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern und Dritten nicht zu gef\u00e4hrden und die\u00a0<em>\u201eRisiken durch sichere Auslegung und Herstellung [zu] beseitigen oder so weit wie m\u00f6glich [zu] minimieren\u201c<\/em>.\r\n<h4>Anhang II: Technische Dokumentation<\/h4>\r\nDie MDR verpflichtet die Hersteller im <a href=\"https:\/\/mdr-selector.johner-institut.de\/mdr_de.html#annex-II\">Anhang II<\/a>, Informationen zu allen Pr\u00fcfungen zu dokumentieren, inklusive\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><em>Testaufbau, Testprotokolle, Methoden der Datenanalyse, [\u2026], Testergebnisse hinsichtlich der Biokompatibilit\u00e4t des Produkts einschlie\u00dflich der Identifizierung aller Materialien in direktem oder indirektem Kontakt mit dem Patienten oder Anwender, [sowie hinsichtlich der \u2026] chemischen und mikrobiologischen Parameter.<\/em>\r\n\r\n<em>MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b)<\/em><\/blockquote>\r\nAuch den Fall, dass die Hersteller keine Tests durchf\u00fchren, regelt die MDR:\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><em>Falls keine neuen Tests durchgef\u00fchrt wurden, wird diese Entscheidung in der Dokumentation begr\u00fcndet. Eine solche Begr\u00fcndung w\u00e4re beispielsweise, dass Biokompatibilit\u00e4tstests an identischen Materialien durchgef\u00fchrt wurden, als diese Materialien in ein rechtm\u00e4\u00dfig in Verkehr gebrachtes oder in Betrieb genommenes Vorg\u00e4ngermodell des Produkts integriert wurden.<\/em>\r\n\r\n<em>MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b)<\/em><\/blockquote>\r\n<h4>Anhang VII: Anforderungen an Benannte Stellen<\/h4>\r\nDieser Anhang betrifft die Hersteller zumindest indirekt, denn darin verpflichtet die MDR die <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/benannte-stellen\/\">Benannten Stellen<\/a>:\r\n<ul>\r\n \t<li>Die <strong>Kompetenz des Personals der Benannten Stellen<\/strong> bez\u00fcglich der Biokompatibilit\u00e4t gew\u00e4hrleisten<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Aktualit\u00e4t des Wissens der Hersteller<\/strong>\r\nBenannte Stellen m\u00fcssen die Verfahren der Hersteller pr\u00fcfen, mit denen die Hersteller sicherstellen, dass sie \u00fcber neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auch in Bezug auf die Biokompatibilit\u00e4t von Materialien verf\u00fcgen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>2.2 Die Anforderungen der FDA<\/h3>\r\n<h4>2.2.1 ISO 10993 als Recognized Consensus Standards<\/h4>\r\nDie FDA erwartet ebenfalls die biologische Sicherheit von Medizinprodukten. So z\u00e4hlt die Normenfamilie ISO 10993 zu den Recognized Consensus Standards.\r\n<h4>2.2.2 Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 (2023)<\/h4>\r\nZudem hat die FDA ein ausf\u00fchrliches Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 f\u00fcr die Bewertung der Biokompatibilit\u00e4t publiziert. Darin beschreibt sie sowohl das Vorgehen \u00a0nach ISO 10993-1 im Detail als auch zus\u00e4tzliche Anforderungen wie weitere Endpunkte f\u00fcr bestimmte Produktkategorien. Die fehlenden Endpunkte in der ISO 10993-1 sind ein Grund, warum die ISO 10993-1:2018 nur teilweise von der FDA anerkannt wird. Die neue Version der ISO 10993-1:2025 ist Stand der Technik, aber noch nicht von der FDA bewertet.\r\n<h4>2.2.3 Guidance-Dokument zu Biokompatibilit\u00e4tsnachweisen ohne Tierversuche<\/h4>\r\nIn der 2023 ver\u00f6ffentlichten Version des Dokuments wurde der Anhang G\u00a0<em>\u201eBiocompatibility of Certain Devices in Contact with Intact Skin\u201c<\/em> hinzugef\u00fcgt, um den \u201e3R-Ansatz\u201c zur Reduzierung, Verbesserung und zum Ersatz von Tierversuchen weiter zu unterst\u00fctzen.\r\n<div class=\"jig_defbox\">\r\n<div class=\"jig_defbox-definition\">\r\n<div class=\"jig_defbox-icon-wrapper\"><\/div>\r\n<span class=\"jig_defbox-header\" style=\"color: #919191\">Weiterf\u00fchrende Informationen<\/span>\r\n\r\n<\/div>\r\nLesen Sie dazu den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/tierversuche\/\">Fachartikel\u00a0\u201eVerzicht auf Tierversuche zum Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t\u201c<\/a>.\r\n\r\n<\/div>\r\n<h4>2.2.4 Entwurf des Guidance-Dokuments zu chemischen Analysen und ISO 10993-18<\/h4>\r\nIm September 2024 hat die FDA zudem einen neuen Entwurf eines Guidance-Dokuments zur Biokompatibilit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht, das sich speziell mit der Durchf\u00fchrung chemischer Analysen befasst.\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Ziel: <\/strong>Ziel des Dokuments ist die\u00a0<strong>Standardisierung<\/strong>\u00a0der Vorgehensweise. Es schlie\u00dft damit den Spielraum, den die Norm l\u00e4sst.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Fokus: <\/strong>Der Fokus der Guidance liegt auf\u00a0<strong>Extractables-Studien<\/strong>, also der Identifizierung und Quantifizierung von Substanzen, die nach der Extraktion des Medizinprodukts in L\u00f6sungsmitteln freigesetzt werden.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Inhalt: <\/strong>Die Guidance bietet detaillierte Empfehlungen zur Durchf\u00fchrung der Extraktion, zur chemischen Analytik sowie zur Notwendigkeit einer umfassenden und pr\u00e4zisen Dokumentation \u2013 erg\u00e4nzend zur ISO 10993-18.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Zielgruppe: <\/strong>Das Dokument wendet sich v. a. an Toxikologen, Biokompatibilit\u00e4tsbewerter und Experts f\u00fcr toxikologische Risikobewertungen, aber auch an Labore, die chemische Analysen durchf\u00fchren.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Kritik: <\/strong>Kritisch anzumerken ist, dass die Anforderungen an den Umfang der chemischen Analysen, die Datenqualit\u00e4t und insbesondere die Dokumentation sehr hoch sind. Dies dient der Erh\u00f6hung der Produktsicherheit, k\u00f6nnte jedoch in einem <strong>unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Anstieg des<\/strong> Aufwands und der Kosten f\u00fcr Laborpr\u00fcfungen resultieren \u2013 selbst bei bew\u00e4hrten Standardmaterialien.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>Fazit:<\/strong> Die Anforderungen an die Biokompatibilit\u00e4t steigen. Daher ist es wichtig, die Laboruntersuchungen sehr gezielt auszuw\u00e4hlen und durchzuf\u00fchren.\r\n<h3>2.3 Die Anforderungen der Normenfamilie ISO 10993<\/h3>\r\n<h4>2.3.1 \u00dcbersicht \u00fcber die Normenfamilie<\/h4>\r\nDie Normenfamilie 10993 zur \u201eBiologischen Sicherheit von Medizinprodukten\u201c besteht aus mehreren Teilen, die teilweise unter der MDR harmonisiert sind. Die Harmonisierung von Normen ist ein fortlaufender Prozess, sodass sich der Status \u00e4ndert. Es ist zu empfehlen, regelm\u00e4\u00dfig die offiziellen Ver\u00f6ffentlichungen der Europ\u00e4ischen Kommission und des Europ\u00e4ischen Komitees f\u00fcr Normen (CEN) zu konsultieren, um den aktuellen Stand der harmonisierten Normen zu \u00fcberpr\u00fcfen.\r\n<table width=\"604\">\r\n<tbody>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>Norm<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\"><strong>Titel<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"122\"><strong>Harmonisiert unter MDR?<\/strong><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-1<\/td>\r\n<td width=\"355\">Beurteilung der biologischen Sicherheit im Rahmen eines Risikomanagementprozesses<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-2<\/td>\r\n<td width=\"355\">Tierschutzbestimmungen<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-3<\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf Gentoxizit\u00e4t, Karzinogenit\u00e4t und Reproduktionstoxizit\u00e4t<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO\u00a010993-4<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Auswahl von Pr\u00fcfungen zur Wechselwirkung mit Blut<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/zytotoxizitaetstest\/\">ISO\u00a010993-5<\/a><\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf In-vitro-Zytotoxizit\u00e4t<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-6<\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf lokale Effekte nach Implantationen<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-7<\/td>\r\n<td width=\"355\">Ethylenoxid-Sterilisationsr\u00fcckst\u00e4nde<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO\u00a010993-9<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Rahmen zur Identifizierung und Quantifizierung von m\u00f6glichen Abbauprodukten<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO\u00a010993-10<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf \u00a0Hautsensibilisierung<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-11<\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf systemische Toxizit\u00e4t<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO\u00a010993-12<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Probenvorbereitung und Referenzmaterialien<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-13<\/td>\r\n<td width=\"355\">Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten in Medizinprodukten aus Polymeren<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-14<\/td>\r\n<td width=\"355\">Qualitativer und quantitativer Nachweis von keramischen Abbauprodukten<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO\u00a010993-15<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten aus Metallen und Legierungen<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO\u00a010993-16<\/td>\r\n<td width=\"355\">Entwurf und Auslegung toxikokinetischer Untersuchungen hinsichtlich Abbauprodukten und herausl\u00f6sbaren Bestandteilen<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/systems-engineering\/iso-10993-17\/\"><strong>ISO\u00a010993-17<\/strong><\/a><\/td>\r\n<td width=\"355\">Toxikologische Risikobewertung von Medizinproduktbestandteilen<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/iso-10993-19-chemische-charakterisierung\/\"><strong>ISO 10993-18<\/strong><\/a><\/td>\r\n<td width=\"355\">Chemische Charakterisierung von Werkstoffen f\u00fcr Medizinprodukte im Rahmen eines Risikomanagementsystems<\/td>\r\n<td width=\"122\">Ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO 10993-19<\/td>\r\n<td width=\"355\">Physikalisch\/chemische, mechanische und morphologische Charakterisierung<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\">ISO 10993-20<\/td>\r\n<td width=\"355\">\u00a0Prinzipien und Verfahren f\u00fcr die immuntoxikologische Pr\u00fcfung von Medizinprodukten<\/td>\r\n<td width=\"122\">Nein<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr>\r\n<td width=\"127\"><strong>ISO 10993-23<\/strong><\/td>\r\n<td width=\"355\">Pr\u00fcfungen auf Irritation<\/td>\r\n<td width=\"122\">ja<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<h4>2.3.2 Die Basisnorm ISO 10993-1<\/h4>\r\nDie Basisnorm ISO\u00a010993-1 legt auch die <strong>Endpunkte (Biological effects) entsprechend der Produktkategorisierung nach Kontaktart und Dauer <\/strong>fest, die die Hersteller bei der Bewertung der biologischen Sicherheit adressieren m\u00fcssen.\r\n\r\nDer folgende Ausschnitt aus der Tabelle zeigt exemplarisch die Endpunkte f\u00fcr ein Medizinprodukt mit kurzzeitigen Kontakt zu zirkulierendem Blut.\r\n\r\n<a class=\"dt-pswp-item\" href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Tabelle-4-ISO10993-1_2025-2.jpg\" data-dt-img-description=\"\" data-large_image_width=\"474\" data-large_image_height=\"338\"><img class=\"alignnone wp-image-5382187 size-full\" src=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Tabelle-4-ISO10993-1_2025-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1873\" height=\"547\" \/><\/a>\r\n\r\n<strong>Abb. 2:<\/strong> Entnommen aus der ISO 10993-1:2025, Tabelle 4\r\n<div class=\"jig_defbox\">\r\n<div class=\"jig_defbox-definition\">\r\n<div class=\"jig_defbox-icon-wrapper\"><\/div>\r\n<span class=\"jig_defbox-header\" style=\"color: #919191\">Achtung<\/span>\r\n\r\n<\/div>\r\nDie Tabelle stellt keine Checkliste f\u00fcr Pr\u00fcfungen dar, sondern gibt Hilfestellung, welche Endpunkte f\u00fcr die Produktkategorie bewertet werden sollen.\r\n\r\nWichtig ist auch, dass gem\u00e4\u00df ISO 10993-1 ausdr\u00fccklich eine Materialcharakterisierung durchzuf\u00fchren und auf Tierversuche zu verzichten ist. Zudem erm\u00f6glicht eine Materialcharakterisierung eine h\u00f6here Aussagekraft und damit eine h\u00f6here biologische Sicherheit.\r\n\r\n<\/div>\r\nDie ISO 10993-1 stellt klar, dass die Hersteller die biologische Sicherheit \u00fcber den kompletten Lebenszyklus des Medizinprodukts gew\u00e4hrleisten m\u00fcssen:\r\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><em>\u201eThe biological evaluation of a medical device shall consider its life cycle.\u201c<\/em>\r\n\r\n<em>ISO 10993-1:2025, 4.3<\/em><\/blockquote>\r\nIm Rahmen der biologischen Risikoanalyse m\u00fcssen alle Merkmale und Einfl\u00fcsse, welche die biologische Sicherheit betreffend betrachtet werden, um der Forderung nach \"Freiheit von inakzeptablen biologischen Risiken\" gerecht zu werden. Das Kapitel 6 der ISO 10993-1:2025 beschreibt ausf\u00fchrlich das Vorgehen. Dieses beinhaltet das generelle Vorgehen, die Identifizierung von Sicherheitsrelevanten Merkmalen, Kategorisierung des Medizinprodukts nach Kontaktart und Dauer z Beschreibung zu den biologischen Effekten bis hin zur Gap Analyse und Durchf\u00fchrung notwendiger Pr\u00fcfungen.\r\n<p class=\"false\">Beispiele f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften Neuerungen der lange erwarteten <a class=\"false\" title=\"https:\/\/eur05.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fnewsletter.johner-institut.de%2Fcp%2F112914726%2Fd46a511f2ae-t6e48l&amp;data=05%7C02%7Cchristian.johner%40johner-institut.de%7Cd22b4bcad64543b517b308de2dc55a2f%7Cbb7de44809774b01b47a7ab04c1c06bf%7C0%7C0%7C638998522833036967%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=hFXQvc4%2FOdwSBkIp6qUP4VNOkrolMm9vQ%2F5MVMfzguo%3D&amp;reserved=0\" href=\"https:\/\/eur05.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fnewsletter.johner-institut.de%2Fcp%2F112914726%2Fd46a511f2ae-t6e48l&amp;data=05%7C02%7Cchristian.johner%40johner-institut.de%7Cd22b4bcad64543b517b308de2dc55a2f%7Cbb7de44809774b01b47a7ab04c1c06bf%7C0%7C0%7C638998522833036967%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=hFXQvc4%2FOdwSBkIp6qUP4VNOkrolMm9vQ%2F5MVMfzguo%3D&amp;reserved=0\" data-outlook-id=\"aeff5ae1-e973-43fc-a3b3-963fb69b1f7f\">Version 2025 der ISO 10993-1<\/a> sind:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"false\">\r\n \t<li class=\"false\">Anforderung zur Erstellung eines Plans (Biological Evaluation Plan \u2013 BEP)<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Risikobasiertes Vorgehen und Integration von Begrifflichkeiten aus dem Risikomanagement (ISO 14971)<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Chemische Charakterisierung als grundlegende Basis der biologischen Bewertung zur Betrachtung des Einflusses der Bestandteile des fertigen Medizinprodukts<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">\u00c4nderungen in Produktkategorie hinsichtlich der zu adressierenden biologischen Effekte (Endpunkte) sowie Berechnung der kumulierten Anwendungsdauer (Daily Use \/ Intermitted Use)<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Noch ausf\u00fchrlichere Forderungen zur Bewertung der Biologischen Sicherheit \u00fcber das gesamte Produktleben (Abschnitt 4.3)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"false\">Hersteller sollten daher:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"false\">\r\n \t<li class=\"false\">Gap-Analyse durchf\u00fchren<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Biological Evaluation Plan erstellen bzw. \u00fcberarbeiten<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Notwendige Pr\u00fcfungen durchf\u00fchren<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">(\u00dcberarbeiteten) Biological Evaluation Report erstellen<\/li>\r\n \t<li class=\"false\">Toxikologische Risikobewertung (TRA) aktualisieren oder neu erstellen<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>2.4 Weitere regulatorische Anforderungen<\/h3>\r\nNeben der Normenfamilie ISO 10993 sollten Hersteller neben produktspezifischen Normen weitere regulatorische Vorgaben beachten, beispielsweise:\r\n<ul>\r\n \t<li>Die <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/regulatory-affairs\/iso-18562\/\">EN ISO 18562: Biokompatibilit\u00e4t der Atemgaswege<\/a><\/li>\r\n \t<li>Die <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/systems-engineering\/pfas-medizinprodukte\/\">EU-Vorgaben zu PFAS<\/a> (\u201eEwigkeitschemikalien\u201c)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2>3. Biologische Sicherheit erreichen<\/h2>\r\nBiologische Sicherheit zu erreichen, bedeutet, die biologischen Risiken zu minimieren. Die MDR und ISO 14971 beschreiben drei Typen an risikominimierenden Ma\u00dfnahmen:\r\n<ul>\r\n \t<li>Ma\u00dfnahmen, die inh\u00e4rente Sicherheit schaffen<\/li>\r\n \t<li>Schutzma\u00dfnahmen<\/li>\r\n \t<li>Ma\u00dfnahmen in Form von Informationen<\/li>\r\n<\/ul>\r\nMa\u00dfnahmen zur biologischen Sicherheit sind:\r\n<ul>\r\n \t<li>Hochwertige und f\u00fcr die Anwendung geeignete Materialien verwenden<\/li>\r\n \t<li>Saubere Produktion gew\u00e4hrleisten<\/li>\r\n \t<li>Produkte mit geeigneten Verfahren reinigen, desinfizieren, sterilisieren<\/li>\r\n \t<li>Kontakt mit dem Produkt vermeiden (z. B. durch Schutzausr\u00fcstung) oder reduzieren (z. B. verk\u00fcrzen)<\/li>\r\n<\/ul>\r\nBeachten Sie dazu unseren <a href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/qualitaetsmanagement-iso-13485\/sterilisation-von-medizinprodukten\/\">Artikel zur Sterilisation von Medizinprodukten<\/a>.\r\n<h2>4. Biologische Sicherheit nachweisen<\/h2>\r\n<h3>4.1 Nachweise mit Fokus auf die Medizinprodukte<\/h3>\r\nDie Hersteller sind verpflichtet, die Wirksamkeit dieser Ma\u00dfnahmen zu \u00fcberpr\u00fcfen und damit die biologische Sicherheit bzw. Biokompatibilit\u00e4t bez\u00fcglich der oben genannten Endpunkte (soweit relevant) nachzuweisen.\r\n\r\nAls ersten Schritt werden Informationen zum zu bewertenden Medizinprodukt f\u00fcr die Nachweisf\u00fchrung zusammengetragen.\r\n<ul>\r\n \t<li>Materialdatenbl\u00e4tter wie Sicherheitsdatenbl\u00e4tter zu den Rohstoffen, Technische Datenbl\u00e4tter zur Verarbeitung und Eignung<\/li>\r\n \t<li>Zertifikate, z. B. hinsichtlich Biokompatibilit\u00e4t des eingekauften Materials<\/li>\r\n \t<li>Ergebnisse von Recherchen zu bekannten Inhaltsstoffen und Additiven<\/li>\r\n \t<li>Verwendete Produktionshilfsmittel<\/li>\r\n \t<li>Markterfahrung&lt;\/li","link":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/","name":"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993","slug":"biokompatibilitaet-iso-10993","taxonomy":"post_tag","meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Hersteller m\u00fcssen die biologische Sicherheit und damit die Biokompatibilit\u00e4t ihrer Medizinprodukte nachweisen. Dabei hilft die Normenfamilie ISO 10993. Inhalt Diese Seite verschafft eine \u00dcbersicht \u00fcber: Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t: Beispiele, Definitionen Regulatorische Anforderungen an die biologische Sicherheit Ansatzpunkte zum Erreichen der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t Nachweise der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t (Relevanz von Tests) Unterst\u00fctzung f\u00fcr Medizinproduktehersteller   Tipps Die Normen der Reihe ISO 10993 k\u00f6nnen Sie preisg\u00fcnstig bei der Standardisierungsorganisation in Estland erwerben. 1. Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t 1.1 Beispiele 1.1.1 Beispiele f\u00fcr biologische Gef\u00e4hrdungen und Risiken Medizinprodukte, die physischen Kontakt, insbesondere mit Patienten, haben, bergen biologische Risiken, die beispielsweise verursacht werden durch: Chemikalien, die sich aus Materialien des Medizinprodukts herausl\u00f6sen, vom K\u00f6rper aufgenommen werden und gesundheitsbedenkliche Auswirkungen haben Implantate, die eine Absto\u00dfungsreaktion hervorrufen Materialien, die eine allergische Reaktion verursachen Materialien, die entgegen der Absicht des Herstellers vom K\u00f6rper abgebaut oder umgewandelt werden Implantate und Materialien, die nicht wie gew\u00fcnscht in den K\u00f6rper einwachsen 1.1.2 Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den Diese Risiken k\u00f6nnen zu vielerlei Sch\u00e4den f\u00fchren: R\u00f6tungen, Schwellung, lokale Entz\u00fcndung Allergien Fieber Systemische Toxizit\u00e4t, z. B. Organsch\u00e4den, Vergiftung Krebs  Abb. 1: Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den bei mangelnder biologischer Sicherheit 1.2 Definitionen 1.2.1 Biologisches Risiko Die ISO 10993-1 definiert den Begriff biologisches Risiko wie folgt:  Definition: Biologisches Risiko\u00a0 biological risk \u201ecombination of the probability of occurrence of biological harm and the severity of that biological harm\u201c Quelle: ISO 10993-1:2025 1.2.2 Biologische Sicherheit Damit verspricht die biologische Sicherheit die Freiheit von nicht akzeptablen biologischen Risiken im Zusammenhang mit der bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Verwendung. Biokompatibilit\u00e4t Etwas kryptischer wirkt die Definition des Begriffs \u201eBiokompatibilit\u00e4t\u201c:  Definition: Biokompatibilit\u00e4t biocompatibility \u201eability of a medical device or material to perform with an appropriate host response in a specific application\u201c Quelle: ISO 10993-1:2025 Der Begriff Host-Reaktion meint hier m\u00f6gliche unerw\u00fcnschte und nachteilige Reaktionen. Die Norm merkt an, dass der Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t durch biologische Pr\u00fcfungen und durch eine Beurteilung der herausl\u00f6sbaren Chemikalien erfolgen kann. In der biologischen Risikobeurteilung nach ISO 10993-1 wird die biologische Sicherheit unter Betrachtung der biologischen Risiken bewertet, die verbunden sind mit: den Bestandteilen eines Medizinprodukts und den Wechselwirkungen zwischen Produkt und Gewebe   Achtung Die biologischen Risiken in Zusammenhang mit Infektionserregern fallen nicht in den Anwendungsbereich der ISO 10993! 1.3 Endpunkte der biologischen Sicherheit nach ISO 10993 Hersteller m\u00fcssen die Biokompatibilit\u00e4t ihrer Medizinprodukte gew\u00e4hrleisten und daher die Wahrscheinlichkeit von Sch\u00e4den aufgrund mangelnder biologischer Sicherheit minimieren. Die spezifischen (negativen) biologischen Effekte, welche die Hersteller bei der biologischen Bewertung \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen, nennt man Endpunkte. Beispiele f\u00fcr Endpunkte sind: Zytotoxizit\u00e4t (Zellsch\u00e4digung) Sensibilisierung der Haut (z. B. allergische Reaktion) Irritation der Haut oder des Gewebes (z. B. R\u00f6tung und Juckreiz) Systemische Toxizit\u00e4t: akute, subakute, subchronische und chronische Toxizit\u00e4t (z. B. Organsch\u00e4den, Tod) Materialbedingte Pyrogenit\u00e4t (Hervorrufen von Fieber) Genotoxizit\u00e4t (Sch\u00e4digung der DNA) Karzinogenit\u00e4t (Verursachen von Krebs) Reproduktionstoxizit\u00e4t (Beeintr\u00e4chtigung der Fortpflanzungsf\u00e4higkeit) Implantationseffekte (z. B. Absto\u00dfung von Implantaten) Blutunvertr\u00e4glichkeit (z. B. Thrombose) Der Artikel beschreibt in den Abschnitten 4 und 5, wie Hersteller die biologische Sicherheit erreichen und \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Die CMR-Stoffe umfassen: Cancerogen (kanzerogen, krebserzeugend) Mutagen (erbgutver\u00e4ndernd) Reproduktionstoxisch (fortpflanzungstoxisch) 2. Regulatorische Anforderungen 2.1 Die Anforderungen der MDR Die Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR) fordert die Biokompatibilit\u00e4t von Medizinprodukten an mehreren Stellen: Anhang I: Grundlegende Sicherheits- und Leistungsanforderungen Der Anhang I der MDR erw\u00e4hnt den Begriff Biokompatibilit\u00e4t nicht explizit. Er schreibt aber: Die Produkte werden so ausgelegt, hergestellt und verpackt, dass die Risiken durch Schadstoffe und R\u00fcckst\u00e4nde f\u00fcr Patienten \u2014 unter Ber\u00fccksichtigung der\u00a0Zweckbestimmung\u00a0des Produkts \u2014 sowie f\u00fcr Transport-, Lager- und Bedienungspersonal so gering wie m\u00f6glich gehalten werden. Dabei wird Geweben, die diesen Schadstoffen und R\u00fcckst\u00e4nden ausgesetzt sind, sowie der Dauer und H\u00e4ufigkeit der Exposition besondere Aufmerksamkeit gewidmet. MDR, Anhang I, Absatz 10.2 Bereits im ersten Abschnitt des Anhangs I fordert die Verordnung, die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern und Dritten nicht zu gef\u00e4hrden und die\u00a0\u201eRisiken durch sichere Auslegung und Herstellung [zu] beseitigen oder so weit wie m\u00f6glich [zu] minimieren\u201c. Anhang II: Technische Dokumentation Die MDR verpflichtet die Hersteller im Anhang II, Informationen zu allen Pr\u00fcfungen zu dokumentieren, inklusive Testaufbau, Testprotokolle, Methoden der Datenanalyse, [\u2026], Testergebnisse hinsichtlich der Biokompatibilit\u00e4t des Produkts einschlie\u00dflich der Identifizierung aller Materialien in direktem oder indirektem Kontakt mit dem Patienten oder Anwender, [sowie hinsichtlich der \u2026] chemischen und mikrobiologischen Parameter. MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b) Auch den Fall, dass die Hersteller keine Tests durchf\u00fchren, regelt die MDR: Falls keine neuen Tests durchgef\u00fchrt wurden, wird diese Entscheidung in der Dokumentation begr\u00fcndet. Eine solche Begr\u00fcndung w\u00e4re beispielsweise, dass Biokompatibilit\u00e4tstests an identischen Materialien durchgef\u00fchrt wurden, als diese Materialien in ein rechtm\u00e4\u00dfig in Verkehr gebrachtes oder in Betrieb genommenes Vorg\u00e4ngermodell des Produkts integriert wurden. MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b) Anhang VII: Anforderungen an Benannte Stellen Dieser Anhang betrifft die Hersteller zumindest indirekt, denn darin verpflichtet die MDR die Benannten Stellen: Die Kompetenz des Personals der Benannten Stellen bez\u00fcglich der Biokompatibilit\u00e4t gew\u00e4hrleisten  Aktualit\u00e4t des Wissens der Hersteller Benannte Stellen m\u00fcssen die Verfahren der Hersteller pr\u00fcfen, mit denen die Hersteller sicherstellen, dass sie \u00fcber neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auch in Bezug auf die Biokompatibilit\u00e4t von Materialien verf\u00fcgen. 2.2 Die Anforderungen der FDA 2.2.1 ISO 10993 als Recognized Consensus Standards Die FDA erwartet ebenfalls die biologische Sicherheit von Medizinprodukten. So z\u00e4hlt die Normenfamilie ISO 10993 zu den Recognized Consensus Standards. 2.2.2 Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 (2023) Zudem hat die FDA ein ausf\u00fchrliches Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 f\u00fcr die Bewertung der Biokompatibilit\u00e4t publiziert. Darin beschreibt sie sowohl das Vorgehen \u00a0nach ISO 10993-1 im Detail als auch zus\u00e4tzliche Anforderungen wie weitere Endpunkte f\u00fcr bestimmte Produktkategorien. Die fehlenden Endpunkte in der ISO 10993-1 sind ein Grund, warum die ISO 10993-1:2018 nur teilweise von der FDA anerkannt wird. Die neue Version der ISO 10993-1:2025 ist Stand der Technik, aber noch nicht von der FDA bewertet. 2.2.3 Guidance-Dokument zu Biokompatibilit\u00e4tsnachweisen ohne Tierversuche In der 2023 ver\u00f6ffentlichten Version des Dokuments wurde der Anhang G\u00a0\u201eBiocompatibility of Certain Devices in Contact with Intact Skin\u201c hinzugef\u00fcgt, um den \u201e3R-Ansatz\u201c zur Reduzierung, Verbesserung und zum Ersatz von Tierversuchen weiter zu unterst\u00fctzen.  Weiterf\u00fchrende Informationen Lesen Sie dazu den\u00a0Fachartikel\u00a0\u201eVerzicht auf Tierversuche zum Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t\u201c. 2.2.4 Entwurf des Guidance-Dokuments zu chemischen Analysen und ISO 10993-18 Im September 2024 hat die FDA zudem einen neuen Entwurf eines Guidance-Dokuments zur Biokompatibilit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht, das sich speziell mit der Durchf\u00fchrung chemischer Analysen befasst. Ziel: Ziel des Dokuments ist die\u00a0Standardisierung\u00a0der Vorgehensweise. Es schlie\u00dft damit den Spielraum, den die Norm l\u00e4sst.  Fokus: Der Fokus der Guidance liegt auf\u00a0Extractables-Studien, also der Identifizierung und Quantifizierung von Substanzen, die nach der Extraktion des Medizinprodukts in L\u00f6sungsmitteln freigesetzt werden.  Inhalt: Die Guidance bietet detaillierte Empfehlungen zur Durchf\u00fchrung der Extraktion, zur chemischen Analytik sowie zur Notwendigkeit einer umfassenden und pr\u00e4zisen Dokumentation \u2013 erg\u00e4nzend zur ISO 10993-18.  Zielgruppe: Das Dokument wendet sich v. a. an Toxikologen, Biokompatibilit\u00e4tsbewerter und Experts f\u00fcr toxikologische Risikobewertungen, aber auch an Labore, die chemische Analysen durchf\u00fchren.  Kritik: Kritisch anzumerken ist, dass die Anforderungen an den Umfang der chemischen Analysen, die Datenqualit\u00e4t und insbesondere die Dokumentation sehr hoch sind. Dies dient der Erh\u00f6hung der Produktsicherheit, k\u00f6nnte jedoch in einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Anstieg des Aufwands und der Kosten f\u00fcr Laborpr\u00fcfungen resultieren \u2013 selbst bei bew\u00e4hrten Standardmaterialien. Fazit: Die Anforderungen an die Biokompatibilit\u00e4t steigen. Daher ist es wichtig, die Laboruntersuchungen sehr gezielt auszuw\u00e4hlen und durchzuf\u00fchren. 2.3 Die Anforderungen der Normenfamilie ISO 10993 2.3.1 \u00dcbersicht \u00fcber die Normenfamilie Die Normenfamilie 10993 zur \u201eBiologischen Sicherheit von Medizinprodukten\u201c besteht aus mehreren Teilen, die teilweise unter der MDR harmonisiert sind. Die Harmonisierung von Normen ist ein fortlaufender Prozess, sodass sich der Status \u00e4ndert. Es ist zu empfehlen, regelm\u00e4\u00dfig die offiziellen Ver\u00f6ffentlichungen der Europ\u00e4ischen Kommission und des Europ\u00e4ischen Komitees f\u00fcr Normen (CEN) zu konsultieren, um den aktuellen Stand der harmonisierten Normen zu \u00fcberpr\u00fcfen.  Norm Titel Harmonisiert unter MDR?  ISO\u00a010993-1 Beurteilung der biologischen Sicherheit im Rahmen eines Risikomanagementprozesses Nein  ISO\u00a010993-2 Tierschutzbestimmungen Nein  ISO\u00a010993-3 Pr\u00fcfungen auf Gentoxizit\u00e4t, Karzinogenit\u00e4t und Reproduktionstoxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-4 Auswahl von Pr\u00fcfungen zur Wechselwirkung mit Blut Ja  ISO\u00a010993-5 Pr\u00fcfungen auf In-vitro-Zytotoxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-6 Pr\u00fcfungen auf lokale Effekte nach Implantationen Nein  ISO\u00a010993-7 Ethylenoxid-Sterilisationsr\u00fcckst\u00e4nde Nein  ISO\u00a010993-9 Rahmen zur Identifizierung und Quantifizierung von m\u00f6glichen Abbauprodukten Ja  ISO\u00a010993-10 Pr\u00fcfungen auf \u00a0Hautsensibilisierung Ja  ISO\u00a010993-11 Pr\u00fcfungen auf systemische Toxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-12 Probenvorbereitung und Referenzmaterialien Ja  ISO\u00a010993-13 Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten in Medizinprodukten aus Polymeren Nein  ISO\u00a010993-14 Qualitativer und quantitativer Nachweis von keramischen Abbauprodukten Nein  ISO\u00a010993-15 Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten aus Metallen und Legierungen Ja  ISO\u00a010993-16 Entwurf und Auslegung toxikokinetischer Untersuchungen hinsichtlich Abbauprodukten und herausl\u00f6sbaren Bestandteilen Nein  ISO\u00a010993-17 Toxikologische Risikobewertung von Medizinproduktbestandteilen Ja  ISO 10993-18 Chemische Charakterisierung von Werkstoffen f\u00fcr Medizinprodukte im Rahmen eines Risikomanagementsystems Ja  ISO 10993-19 Physikalisch\/chemische, mechanische und morphologische Charakterisierung Nein  ISO 10993-20 \u00a0Prinzipien und Verfahren f\u00fcr die immuntoxikologische Pr\u00fcfung von Medizinprodukten Nein  ISO 10993-23 Pr\u00fcfungen auf Irritation ja  2.3.2 Die Basisnorm ISO 10993-1 Die Basisnorm ISO\u00a010993-1 legt auch die Endpunkte (Biological effects) entsprechend der Produktkategorisierung nach Kontaktart und Dauer fest, die die Hersteller bei der Bewertung der biologischen Sicherheit adressieren m\u00fcssen. Der folgende Ausschnitt aus der Tabelle zeigt exemplarisch die Endpunkte f\u00fcr ein Medizinprodukt mit kurzzeitigen Kontakt zu zirkulierendem Blut. Abb. 2: Entnommen aus der ISO 10993-1:2025, Tabelle 4  Achtung Die Tabelle stellt keine Checkliste f\u00fcr Pr\u00fcfungen dar, sondern gibt Hilfestellung, welche Endpunkte f\u00fcr die Produktkategorie bewertet werden sollen. Wichtig ist auch, dass gem\u00e4\u00df ISO 10993-1 ausdr\u00fccklich eine Materialcharakterisierung durchzuf\u00fchren und auf Tierversuche zu verzichten ist. Zudem erm\u00f6glicht eine Materialcharakterisierung eine h\u00f6here Aussagekraft und damit eine h\u00f6here biologische Sicherheit. Die ISO 10993-1 stellt klar, dass die Hersteller die biologische Sicherheit \u00fcber den kompletten Lebenszyklus des Medizinprodukts gew\u00e4hrleisten m\u00fcssen: \u201eThe biological evaluation of a medical device shall consider its life cycle.\u201c ISO 10993-1:2025, 4.3 Im Rahmen der biologischen Risikoanalyse m\u00fcssen alle Merkmale und Einfl\u00fcsse, welche die biologische Sicherheit betreffend betrachtet werden, um der Forderung nach &#8222;Freiheit von inakzeptablen biologischen Risiken&#8220; gerecht zu werden. Das Kapitel 6 der ISO 10993-1:2025 beschreibt ausf\u00fchrlich das Vorgehen. Dieses beinhaltet das generelle Vorgehen, die Identifizierung von Sicherheitsrelevanten Merkmalen, Kategorisierung des Medizinprodukts nach Kontaktart und Dauer z Beschreibung zu den biologischen Effekten bis hin zur Gap Analyse und Durchf\u00fchrung notwendiger Pr\u00fcfungen. Beispiele f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften Neuerungen der lange erwarteten Version 2025 der ISO 10993-1 sind: Anforderung zur Erstellung eines Plans (Biological Evaluation Plan \u2013 BEP) Risikobasiertes Vorgehen und Integration von Begrifflichkeiten aus dem Risikomanagement (ISO 14971) Chemische Charakterisierung als grundlegende Basis der biologischen Bewertung zur Betrachtung des Einflusses der Bestandteile des fertigen Medizinprodukts \u00c4nderungen in Produktkategorie hinsichtlich der zu adressierenden biologischen Effekte (Endpunkte) sowie Berechnung der kumulierten Anwendungsdauer (Daily Use \/ Intermitted Use) Noch ausf\u00fchrlichere Forderungen zur Bewertung der Biologischen Sicherheit \u00fcber das gesamte Produktleben (Abschnitt 4.3) Hersteller sollten daher: Gap-Analyse durchf\u00fchren Biological Evaluation Plan erstellen bzw. \u00fcberarbeiten Notwendige Pr\u00fcfungen durchf\u00fchren (\u00dcberarbeiteten) Biological Evaluation Report erstellen Toxikologische Risikobewertung (TRA) aktualisieren oder neu erstellen 2.4 Weitere regulatorische Anforderungen Neben der Normenfamilie ISO 10993 sollten Hersteller neben produktspezifischen Normen weitere regulatorische Vorgaben beachten, beispielsweise: Die EN ISO 18562: Biokompatibilit\u00e4t der Atemgaswege Die EU-Vorgaben zu PFAS (\u201eEwigkeitschemikalien\u201c) 3. Biologische Sicherheit erreichen Biologische Sicherheit zu erreichen, bedeutet, die biologischen Risiken zu minimieren. Die MDR und ISO 14971 beschreiben drei Typen an risikominimierenden Ma\u00dfnahmen: Ma\u00dfnahmen, die inh\u00e4rente Sicherheit schaffen Schutzma\u00dfnahmen Ma\u00dfnahmen in Form von Informationen Ma\u00dfnahmen zur biologischen Sicherheit sind: Hochwertige und f\u00fcr die Anwendung geeignete Materialien verwenden Saubere Produktion gew\u00e4hrleisten Produkte mit geeigneten Verfahren reinigen, desinfizieren, sterilisieren Kontakt mit dem Produkt vermeiden (z. B. durch Schutzausr\u00fcstung) oder reduzieren (z. B. verk\u00fcrzen) Beachten Sie dazu unseren Artikel zur Sterilisation von Medizinprodukten. 4. Biologische Sicherheit nachweisen 4.1 Nachweise mit Fokus auf die Medizinprodukte Die Hersteller sind verpflichtet, die Wirksamkeit dieser Ma\u00dfnahmen zu \u00fcberpr\u00fcfen und damit die biologische Sicherheit bzw. Biokompatibilit\u00e4t bez\u00fcglich der oben genannten Endpunkte (soweit relevant) nachzuweisen. Als ersten Schritt werden Informationen zum zu bewertenden Medizinprodukt f\u00fcr die Nachweisf\u00fchrung zusammengetragen. Materialdatenbl\u00e4tter wie Sicherheitsdatenbl\u00e4tter zu den Rohstoffen, Technische Datenbl\u00e4tter zur Verarbeitung und Eignung Zertifikate, z. B. hinsichtlich Biokompatibilit\u00e4t des eingekauften Materials Ergebnisse von Recherchen zu bekannten Inhaltsstoffen und Additiven Verwendete Produktionshilfsmittel Markterfahrung&lt;\/li\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Regulatorisches Wissen f\u00fcr Medizinprodukte\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Biologische-Sicherheit-Schaeden.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"474\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"338\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"CollectionPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/tag\\\/biokompatibilitaet-iso-10993\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/tag\\\/biokompatibilitaet-iso-10993\\\/\",\"name\":\"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#website\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/tag\\\/biokompatibilitaet-iso-10993\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/tag\\\/biokompatibilitaet-iso-10993\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Blog\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/\",\"name\":\"Regulatorisches Wissen f\u00fcr Medizinprodukte\",\"description\":\"Fachartikel zur Entwicklung und Zulassung von Medizinprodukten und weiteren regulatorischen Themen\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#organization\",\"name\":\"Johner Institut GmbH\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2015\\\/07\\\/Johner-Institut.png\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2015\\\/07\\\/Johner-Institut.png\",\"width\":1213,\"height\":286,\"caption\":\"Johner Institut GmbH\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.johner-institut.de\\\/blog\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.facebook.com\\\/JohnerInstitut\\\/\",\"https:\\\/\\\/x.com\\\/christianjohner\",\"https:\\\/\\\/www.youtube.com\\\/user\\\/JohnerInstitut\"]}]}<\/script>\n<meta name=\"copyright\" content=\"Johner Institut GmbH\" \/>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993","og_description":"Hersteller m\u00fcssen die biologische Sicherheit und damit die Biokompatibilit\u00e4t ihrer Medizinprodukte nachweisen. Dabei hilft die Normenfamilie ISO 10993. Inhalt Diese Seite verschafft eine \u00dcbersicht \u00fcber: Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t: Beispiele, Definitionen Regulatorische Anforderungen an die biologische Sicherheit Ansatzpunkte zum Erreichen der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t Nachweise der biologischen Sicherheit \/ Biokompatibilit\u00e4t (Relevanz von Tests) Unterst\u00fctzung f\u00fcr Medizinproduktehersteller   Tipps Die Normen der Reihe ISO 10993 k\u00f6nnen Sie preisg\u00fcnstig bei der Standardisierungsorganisation in Estland erwerben. 1. Biologische Sicherheit und Biokompatibilit\u00e4t 1.1 Beispiele 1.1.1 Beispiele f\u00fcr biologische Gef\u00e4hrdungen und Risiken Medizinprodukte, die physischen Kontakt, insbesondere mit Patienten, haben, bergen biologische Risiken, die beispielsweise verursacht werden durch: Chemikalien, die sich aus Materialien des Medizinprodukts herausl\u00f6sen, vom K\u00f6rper aufgenommen werden und gesundheitsbedenkliche Auswirkungen haben Implantate, die eine Absto\u00dfungsreaktion hervorrufen Materialien, die eine allergische Reaktion verursachen Materialien, die entgegen der Absicht des Herstellers vom K\u00f6rper abgebaut oder umgewandelt werden Implantate und Materialien, die nicht wie gew\u00fcnscht in den K\u00f6rper einwachsen 1.1.2 Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den Diese Risiken k\u00f6nnen zu vielerlei Sch\u00e4den f\u00fchren: R\u00f6tungen, Schwellung, lokale Entz\u00fcndung Allergien Fieber Systemische Toxizit\u00e4t, z. B. Organsch\u00e4den, Vergiftung Krebs  Abb. 1: Beispiele f\u00fcr Sch\u00e4den bei mangelnder biologischer Sicherheit 1.2 Definitionen 1.2.1 Biologisches Risiko Die ISO 10993-1 definiert den Begriff biologisches Risiko wie folgt:  Definition: Biologisches Risiko\u00a0 biological risk \u201ecombination of the probability of occurrence of biological harm and the severity of that biological harm\u201c Quelle: ISO 10993-1:2025 1.2.2 Biologische Sicherheit Damit verspricht die biologische Sicherheit die Freiheit von nicht akzeptablen biologischen Risiken im Zusammenhang mit der bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Verwendung. Biokompatibilit\u00e4t Etwas kryptischer wirkt die Definition des Begriffs \u201eBiokompatibilit\u00e4t\u201c:  Definition: Biokompatibilit\u00e4t biocompatibility \u201eability of a medical device or material to perform with an appropriate host response in a specific application\u201c Quelle: ISO 10993-1:2025 Der Begriff Host-Reaktion meint hier m\u00f6gliche unerw\u00fcnschte und nachteilige Reaktionen. Die Norm merkt an, dass der Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t durch biologische Pr\u00fcfungen und durch eine Beurteilung der herausl\u00f6sbaren Chemikalien erfolgen kann. In der biologischen Risikobeurteilung nach ISO 10993-1 wird die biologische Sicherheit unter Betrachtung der biologischen Risiken bewertet, die verbunden sind mit: den Bestandteilen eines Medizinprodukts und den Wechselwirkungen zwischen Produkt und Gewebe   Achtung Die biologischen Risiken in Zusammenhang mit Infektionserregern fallen nicht in den Anwendungsbereich der ISO 10993! 1.3 Endpunkte der biologischen Sicherheit nach ISO 10993 Hersteller m\u00fcssen die Biokompatibilit\u00e4t ihrer Medizinprodukte gew\u00e4hrleisten und daher die Wahrscheinlichkeit von Sch\u00e4den aufgrund mangelnder biologischer Sicherheit minimieren. Die spezifischen (negativen) biologischen Effekte, welche die Hersteller bei der biologischen Bewertung \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen, nennt man Endpunkte. Beispiele f\u00fcr Endpunkte sind: Zytotoxizit\u00e4t (Zellsch\u00e4digung) Sensibilisierung der Haut (z. B. allergische Reaktion) Irritation der Haut oder des Gewebes (z. B. R\u00f6tung und Juckreiz) Systemische Toxizit\u00e4t: akute, subakute, subchronische und chronische Toxizit\u00e4t (z. B. Organsch\u00e4den, Tod) Materialbedingte Pyrogenit\u00e4t (Hervorrufen von Fieber) Genotoxizit\u00e4t (Sch\u00e4digung der DNA) Karzinogenit\u00e4t (Verursachen von Krebs) Reproduktionstoxizit\u00e4t (Beeintr\u00e4chtigung der Fortpflanzungsf\u00e4higkeit) Implantationseffekte (z. B. Absto\u00dfung von Implantaten) Blutunvertr\u00e4glichkeit (z. B. Thrombose) Der Artikel beschreibt in den Abschnitten 4 und 5, wie Hersteller die biologische Sicherheit erreichen und \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Die CMR-Stoffe umfassen: Cancerogen (kanzerogen, krebserzeugend) Mutagen (erbgutver\u00e4ndernd) Reproduktionstoxisch (fortpflanzungstoxisch) 2. Regulatorische Anforderungen 2.1 Die Anforderungen der MDR Die Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR) fordert die Biokompatibilit\u00e4t von Medizinprodukten an mehreren Stellen: Anhang I: Grundlegende Sicherheits- und Leistungsanforderungen Der Anhang I der MDR erw\u00e4hnt den Begriff Biokompatibilit\u00e4t nicht explizit. Er schreibt aber: Die Produkte werden so ausgelegt, hergestellt und verpackt, dass die Risiken durch Schadstoffe und R\u00fcckst\u00e4nde f\u00fcr Patienten \u2014 unter Ber\u00fccksichtigung der\u00a0Zweckbestimmung\u00a0des Produkts \u2014 sowie f\u00fcr Transport-, Lager- und Bedienungspersonal so gering wie m\u00f6glich gehalten werden. Dabei wird Geweben, die diesen Schadstoffen und R\u00fcckst\u00e4nden ausgesetzt sind, sowie der Dauer und H\u00e4ufigkeit der Exposition besondere Aufmerksamkeit gewidmet. MDR, Anhang I, Absatz 10.2 Bereits im ersten Abschnitt des Anhangs I fordert die Verordnung, die Sicherheit und Gesundheit von Patienten, Anwendern und Dritten nicht zu gef\u00e4hrden und die\u00a0\u201eRisiken durch sichere Auslegung und Herstellung [zu] beseitigen oder so weit wie m\u00f6glich [zu] minimieren\u201c. Anhang II: Technische Dokumentation Die MDR verpflichtet die Hersteller im Anhang II, Informationen zu allen Pr\u00fcfungen zu dokumentieren, inklusive Testaufbau, Testprotokolle, Methoden der Datenanalyse, [\u2026], Testergebnisse hinsichtlich der Biokompatibilit\u00e4t des Produkts einschlie\u00dflich der Identifizierung aller Materialien in direktem oder indirektem Kontakt mit dem Patienten oder Anwender, [sowie hinsichtlich der \u2026] chemischen und mikrobiologischen Parameter. MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b) Auch den Fall, dass die Hersteller keine Tests durchf\u00fchren, regelt die MDR: Falls keine neuen Tests durchgef\u00fchrt wurden, wird diese Entscheidung in der Dokumentation begr\u00fcndet. Eine solche Begr\u00fcndung w\u00e4re beispielsweise, dass Biokompatibilit\u00e4tstests an identischen Materialien durchgef\u00fchrt wurden, als diese Materialien in ein rechtm\u00e4\u00dfig in Verkehr gebrachtes oder in Betrieb genommenes Vorg\u00e4ngermodell des Produkts integriert wurden. MDR, Anhang II, Absatz 6.1.b) Anhang VII: Anforderungen an Benannte Stellen Dieser Anhang betrifft die Hersteller zumindest indirekt, denn darin verpflichtet die MDR die Benannten Stellen: Die Kompetenz des Personals der Benannten Stellen bez\u00fcglich der Biokompatibilit\u00e4t gew\u00e4hrleisten  Aktualit\u00e4t des Wissens der Hersteller Benannte Stellen m\u00fcssen die Verfahren der Hersteller pr\u00fcfen, mit denen die Hersteller sicherstellen, dass sie \u00fcber neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auch in Bezug auf die Biokompatibilit\u00e4t von Materialien verf\u00fcgen. 2.2 Die Anforderungen der FDA 2.2.1 ISO 10993 als Recognized Consensus Standards Die FDA erwartet ebenfalls die biologische Sicherheit von Medizinprodukten. So z\u00e4hlt die Normenfamilie ISO 10993 zu den Recognized Consensus Standards. 2.2.2 Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 (2023) Zudem hat die FDA ein ausf\u00fchrliches Guidance-Dokument zur ISO 10993-1 f\u00fcr die Bewertung der Biokompatibilit\u00e4t publiziert. Darin beschreibt sie sowohl das Vorgehen \u00a0nach ISO 10993-1 im Detail als auch zus\u00e4tzliche Anforderungen wie weitere Endpunkte f\u00fcr bestimmte Produktkategorien. Die fehlenden Endpunkte in der ISO 10993-1 sind ein Grund, warum die ISO 10993-1:2018 nur teilweise von der FDA anerkannt wird. Die neue Version der ISO 10993-1:2025 ist Stand der Technik, aber noch nicht von der FDA bewertet. 2.2.3 Guidance-Dokument zu Biokompatibilit\u00e4tsnachweisen ohne Tierversuche In der 2023 ver\u00f6ffentlichten Version des Dokuments wurde der Anhang G\u00a0\u201eBiocompatibility of Certain Devices in Contact with Intact Skin\u201c hinzugef\u00fcgt, um den \u201e3R-Ansatz\u201c zur Reduzierung, Verbesserung und zum Ersatz von Tierversuchen weiter zu unterst\u00fctzen.  Weiterf\u00fchrende Informationen Lesen Sie dazu den\u00a0Fachartikel\u00a0\u201eVerzicht auf Tierversuche zum Nachweis der Biokompatibilit\u00e4t\u201c. 2.2.4 Entwurf des Guidance-Dokuments zu chemischen Analysen und ISO 10993-18 Im September 2024 hat die FDA zudem einen neuen Entwurf eines Guidance-Dokuments zur Biokompatibilit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht, das sich speziell mit der Durchf\u00fchrung chemischer Analysen befasst. Ziel: Ziel des Dokuments ist die\u00a0Standardisierung\u00a0der Vorgehensweise. Es schlie\u00dft damit den Spielraum, den die Norm l\u00e4sst.  Fokus: Der Fokus der Guidance liegt auf\u00a0Extractables-Studien, also der Identifizierung und Quantifizierung von Substanzen, die nach der Extraktion des Medizinprodukts in L\u00f6sungsmitteln freigesetzt werden.  Inhalt: Die Guidance bietet detaillierte Empfehlungen zur Durchf\u00fchrung der Extraktion, zur chemischen Analytik sowie zur Notwendigkeit einer umfassenden und pr\u00e4zisen Dokumentation \u2013 erg\u00e4nzend zur ISO 10993-18.  Zielgruppe: Das Dokument wendet sich v. a. an Toxikologen, Biokompatibilit\u00e4tsbewerter und Experts f\u00fcr toxikologische Risikobewertungen, aber auch an Labore, die chemische Analysen durchf\u00fchren.  Kritik: Kritisch anzumerken ist, dass die Anforderungen an den Umfang der chemischen Analysen, die Datenqualit\u00e4t und insbesondere die Dokumentation sehr hoch sind. Dies dient der Erh\u00f6hung der Produktsicherheit, k\u00f6nnte jedoch in einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Anstieg des Aufwands und der Kosten f\u00fcr Laborpr\u00fcfungen resultieren \u2013 selbst bei bew\u00e4hrten Standardmaterialien. Fazit: Die Anforderungen an die Biokompatibilit\u00e4t steigen. Daher ist es wichtig, die Laboruntersuchungen sehr gezielt auszuw\u00e4hlen und durchzuf\u00fchren. 2.3 Die Anforderungen der Normenfamilie ISO 10993 2.3.1 \u00dcbersicht \u00fcber die Normenfamilie Die Normenfamilie 10993 zur \u201eBiologischen Sicherheit von Medizinprodukten\u201c besteht aus mehreren Teilen, die teilweise unter der MDR harmonisiert sind. Die Harmonisierung von Normen ist ein fortlaufender Prozess, sodass sich der Status \u00e4ndert. Es ist zu empfehlen, regelm\u00e4\u00dfig die offiziellen Ver\u00f6ffentlichungen der Europ\u00e4ischen Kommission und des Europ\u00e4ischen Komitees f\u00fcr Normen (CEN) zu konsultieren, um den aktuellen Stand der harmonisierten Normen zu \u00fcberpr\u00fcfen.  Norm Titel Harmonisiert unter MDR?  ISO\u00a010993-1 Beurteilung der biologischen Sicherheit im Rahmen eines Risikomanagementprozesses Nein  ISO\u00a010993-2 Tierschutzbestimmungen Nein  ISO\u00a010993-3 Pr\u00fcfungen auf Gentoxizit\u00e4t, Karzinogenit\u00e4t und Reproduktionstoxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-4 Auswahl von Pr\u00fcfungen zur Wechselwirkung mit Blut Ja  ISO\u00a010993-5 Pr\u00fcfungen auf In-vitro-Zytotoxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-6 Pr\u00fcfungen auf lokale Effekte nach Implantationen Nein  ISO\u00a010993-7 Ethylenoxid-Sterilisationsr\u00fcckst\u00e4nde Nein  ISO\u00a010993-9 Rahmen zur Identifizierung und Quantifizierung von m\u00f6glichen Abbauprodukten Ja  ISO\u00a010993-10 Pr\u00fcfungen auf \u00a0Hautsensibilisierung Ja  ISO\u00a010993-11 Pr\u00fcfungen auf systemische Toxizit\u00e4t Nein  ISO\u00a010993-12 Probenvorbereitung und Referenzmaterialien Ja  ISO\u00a010993-13 Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten in Medizinprodukten aus Polymeren Nein  ISO\u00a010993-14 Qualitativer und quantitativer Nachweis von keramischen Abbauprodukten Nein  ISO\u00a010993-15 Qualitativer und quantitativer Nachweis von Abbauprodukten aus Metallen und Legierungen Ja  ISO\u00a010993-16 Entwurf und Auslegung toxikokinetischer Untersuchungen hinsichtlich Abbauprodukten und herausl\u00f6sbaren Bestandteilen Nein  ISO\u00a010993-17 Toxikologische Risikobewertung von Medizinproduktbestandteilen Ja  ISO 10993-18 Chemische Charakterisierung von Werkstoffen f\u00fcr Medizinprodukte im Rahmen eines Risikomanagementsystems Ja  ISO 10993-19 Physikalisch\/chemische, mechanische und morphologische Charakterisierung Nein  ISO 10993-20 \u00a0Prinzipien und Verfahren f\u00fcr die immuntoxikologische Pr\u00fcfung von Medizinprodukten Nein  ISO 10993-23 Pr\u00fcfungen auf Irritation ja  2.3.2 Die Basisnorm ISO 10993-1 Die Basisnorm ISO\u00a010993-1 legt auch die Endpunkte (Biological effects) entsprechend der Produktkategorisierung nach Kontaktart und Dauer fest, die die Hersteller bei der Bewertung der biologischen Sicherheit adressieren m\u00fcssen. Der folgende Ausschnitt aus der Tabelle zeigt exemplarisch die Endpunkte f\u00fcr ein Medizinprodukt mit kurzzeitigen Kontakt zu zirkulierendem Blut. Abb. 2: Entnommen aus der ISO 10993-1:2025, Tabelle 4  Achtung Die Tabelle stellt keine Checkliste f\u00fcr Pr\u00fcfungen dar, sondern gibt Hilfestellung, welche Endpunkte f\u00fcr die Produktkategorie bewertet werden sollen. Wichtig ist auch, dass gem\u00e4\u00df ISO 10993-1 ausdr\u00fccklich eine Materialcharakterisierung durchzuf\u00fchren und auf Tierversuche zu verzichten ist. Zudem erm\u00f6glicht eine Materialcharakterisierung eine h\u00f6here Aussagekraft und damit eine h\u00f6here biologische Sicherheit. Die ISO 10993-1 stellt klar, dass die Hersteller die biologische Sicherheit \u00fcber den kompletten Lebenszyklus des Medizinprodukts gew\u00e4hrleisten m\u00fcssen: \u201eThe biological evaluation of a medical device shall consider its life cycle.\u201c ISO 10993-1:2025, 4.3 Im Rahmen der biologischen Risikoanalyse m\u00fcssen alle Merkmale und Einfl\u00fcsse, welche die biologische Sicherheit betreffend betrachtet werden, um der Forderung nach &#8222;Freiheit von inakzeptablen biologischen Risiken&#8220; gerecht zu werden. Das Kapitel 6 der ISO 10993-1:2025 beschreibt ausf\u00fchrlich das Vorgehen. Dieses beinhaltet das generelle Vorgehen, die Identifizierung von Sicherheitsrelevanten Merkmalen, Kategorisierung des Medizinprodukts nach Kontaktart und Dauer z Beschreibung zu den biologischen Effekten bis hin zur Gap Analyse und Durchf\u00fchrung notwendiger Pr\u00fcfungen. Beispiele f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften Neuerungen der lange erwarteten Version 2025 der ISO 10993-1 sind: Anforderung zur Erstellung eines Plans (Biological Evaluation Plan \u2013 BEP) Risikobasiertes Vorgehen und Integration von Begrifflichkeiten aus dem Risikomanagement (ISO 14971) Chemische Charakterisierung als grundlegende Basis der biologischen Bewertung zur Betrachtung des Einflusses der Bestandteile des fertigen Medizinprodukts \u00c4nderungen in Produktkategorie hinsichtlich der zu adressierenden biologischen Effekte (Endpunkte) sowie Berechnung der kumulierten Anwendungsdauer (Daily Use \/ Intermitted Use) Noch ausf\u00fchrlichere Forderungen zur Bewertung der Biologischen Sicherheit \u00fcber das gesamte Produktleben (Abschnitt 4.3) Hersteller sollten daher: Gap-Analyse durchf\u00fchren Biological Evaluation Plan erstellen bzw. \u00fcberarbeiten Notwendige Pr\u00fcfungen durchf\u00fchren (\u00dcberarbeiteten) Biological Evaluation Report erstellen Toxikologische Risikobewertung (TRA) aktualisieren oder neu erstellen 2.4 Weitere regulatorische Anforderungen Neben der Normenfamilie ISO 10993 sollten Hersteller neben produktspezifischen Normen weitere regulatorische Vorgaben beachten, beispielsweise: Die EN ISO 18562: Biokompatibilit\u00e4t der Atemgaswege Die EU-Vorgaben zu PFAS (\u201eEwigkeitschemikalien\u201c) 3. Biologische Sicherheit erreichen Biologische Sicherheit zu erreichen, bedeutet, die biologischen Risiken zu minimieren. Die MDR und ISO 14971 beschreiben drei Typen an risikominimierenden Ma\u00dfnahmen: Ma\u00dfnahmen, die inh\u00e4rente Sicherheit schaffen Schutzma\u00dfnahmen Ma\u00dfnahmen in Form von Informationen Ma\u00dfnahmen zur biologischen Sicherheit sind: Hochwertige und f\u00fcr die Anwendung geeignete Materialien verwenden Saubere Produktion gew\u00e4hrleisten Produkte mit geeigneten Verfahren reinigen, desinfizieren, sterilisieren Kontakt mit dem Produkt vermeiden (z. B. durch Schutzausr\u00fcstung) oder reduzieren (z. B. verk\u00fcrzen) Beachten Sie dazu unseren Artikel zur Sterilisation von Medizinprodukten. 4. Biologische Sicherheit nachweisen 4.1 Nachweise mit Fokus auf die Medizinprodukte Die Hersteller sind verpflichtet, die Wirksamkeit dieser Ma\u00dfnahmen zu \u00fcberpr\u00fcfen und damit die biologische Sicherheit bzw. Biokompatibilit\u00e4t bez\u00fcglich der oben genannten Endpunkte (soweit relevant) nachzuweisen. Als ersten Schritt werden Informationen zum zu bewertenden Medizinprodukt f\u00fcr die Nachweisf\u00fchrung zusammengetragen. Materialdatenbl\u00e4tter wie Sicherheitsdatenbl\u00e4tter zu den Rohstoffen, Technische Datenbl\u00e4tter zur Verarbeitung und Eignung Zertifikate, z. B. hinsichtlich Biokompatibilit\u00e4t des eingekauften Materials Ergebnisse von Recherchen zu bekannten Inhaltsstoffen und Additiven Verwendete Produktionshilfsmittel Markterfahrung&lt;\/li","og_url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/","og_site_name":"Regulatorisches Wissen f\u00fcr Medizinprodukte","og_image":[{"width":474,"height":338,"url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Biologische-Sicherheit-Schaeden.jpg","type":"image\/jpeg"}],"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"CollectionPage","@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/","url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/","name":"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#website"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de"},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/tag\/biokompatibilitaet-iso-10993\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Blog","item":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Biokompatibilit\u00e4t - Biologische Sicherheit - ISO-10993"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#website","url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/","name":"Regulatorisches Wissen f\u00fcr Medizinprodukte","description":"Fachartikel zur Entwicklung und Zulassung von Medizinprodukten und weiteren regulatorischen Themen","publisher":{"@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#organization","name":"Johner Institut GmbH","url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Johner-Institut.png","contentUrl":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Johner-Institut.png","width":1213,"height":286,"caption":"Johner Institut GmbH"},"image":{"@id":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/JohnerInstitut\/","https:\/\/x.com\/christianjohner","https:\/\/www.youtube.com\/user\/JohnerInstitut"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags\/1272","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.johner-institut.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts?tags=1272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}