Cognitive Walkthrough und Usability Verifizierung

Mittwoch 22. April 2015

Der Cognitive Walkthrough ist eines von vielen Verfahren, um die Gebrauchstauglichkeit von Produkten zu prüfen. Es gibt viele weitere:


Ein Übersicht über diese Verfahren, insbesondere zur Validierung der Gebrauchstauglichkeit finden Sie hier.

Cognitive Walkthrough

Cognitive Walkthrough (Quelle: fotalia.com)

Regulatorische Anforderungen

Weder die IEC 62366 noch die FDA fordern ein konkretes Verfahren zur Prüfung der Gebrauchstauglichkeit und damit auch keine Cognitive Walkthroughs. Allerdings erwähnen bei diese Form der Prüfung. Die IEC 62366 fordert in der aktuellen Ausgabe die Verifizierung und Validierung der Gebrauchstauglichkeit, die FDA spricht wie die zweite Version der IEC 62366 von formativen (entwicklungsbegleitenden) und summativen (abschließenden) Evaluierungen.

Cognitive Walkthrough als eine Form der Inspektion

Cognitive Walkthroughs dienen der Verifizierung der Gebrauchstauglichkeit. Sie zählen zu den Inspektionsverfahren. Grundsätzliche gibt es zwei Vorgehensweisen bei der Inspektion.

  1. „Lies die Nutzungsanforderung oder Gestaltungsrichtlinie und suche am Produkt ob Du als Inspektor etwas Passendes hierzu findest“ („Heuristische Evaluation“).
  2. „Marschiere am System durch das Nutzungs-Szenario und stelle fest, wo Du überall Nutzungsprobleme findest“ („Cognitive Walkthrough“).

Mehrdeutigkeit des Begriffs „Cognitive Walkthrough“

Die Schwierigkeit besteht darin, dass ein „Cognitive Walkthrough“ zweierlei sein kann.

  1. Es kann einerseits als Vorgehen bei der „Inspektion“ durch den Inspektor genutzt werden (ohne Benutzer).
  2. Es kann aber auch genutzt werden, um Benutzer durch die „Erledigung der Aufgabe am System“ zu leiten. Das wäre dann eine „Inspektion mit Benutzern“.

„The way out“ ist zu sagen, dass Inspektionen „typisch ohne Benutzer“ durchgeführt werden, jedoch, dass man auch Benutzer als „Inspektoren“ einsetzen kann. Der Begriff „Cognitive Walkthrough“ wird zunehmend durch „Persona-based review“ ersetzt.

Fazit

Letztlich sind das aber alles furchtbare „Buzzwords“. Faktisch geht es in der Praxis um eine „Verifikation des Nutzungs-Szenarios“. In einem guten Nutzungs-Szenario stehen die Nutzungsanforderungen drin und man kann jetzt Teilaufgabe für Teilaufgabe „durch das Produkt marschieren“ (eben „walk through“).

Wir persönlich halten nichts davon, das mit Nutzern zu machen. Das klingt gut, funktioniert aber praktisch nicht ökonomisch.

 

Herzlichen Dank an Thomas Geis für diesen Input! Thomas Geis ist Editor mehrerer Normen u.a. der ISO 9241-Familie. Er bietet das hoch geschätzte Seminar „Usability, Requirements & IEC 62366“ am Johner Institut an.

Seminar „Usability, Requirements & IEC 62366“


Kategorien: Usability & IEC 62366

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