Prof. Dr. Christian Johner

Autor: Prof. Dr. Christian Johner

Inhaber der Johner Institut GmbH

User Experience ungleich Usability

Freitag 17. Juli 2015

Viele Firmen verwechseln „User Experience“ (Benutzungserlebnis) mit „Usability“ (Gebrauchstauglichkeit), was zu Irritationen nicht nur bei Audits führt. Dieser Beitrag grenzt die beiden Begriffe voneinander ab und verrät, wie sie beides prüfen können.

Definitionen

Definition von „User Experience“ (Benutzungserlebnis)

Die ISO 9241-210:2011 definiert „User Experience“ als Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person, die aus der tatsächlichen und/oder der erwarteten Benutzung eines Produkts, eines Systems oder einer Dienstleistung resultieren.

Definition von „Usability“ (Gebrauchstauglichkeit)

In DIN EN ISO 9241-11 ist Usability definiert als Ausmaß, in dem ein System, ein Produkt oder eine Dienstleistung durch bestimmte Benut- zer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um festgelegte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.

Abgrenzung von „User Experience“ und „Usability“

Die User Experience umfasst die Usability, geht aber darüber hinaus

Die Usability ist ein Teil der User Experience. Bildquelle: Geis, Johner, Beuth Verlag

Usability ist eine Eigenschaft, die die Benutzer nur während der Benutzung des Produkts erfahren. Der vermutete Nutzen, d.h. das, was der Benutzer erwartet (antizipiert), wie es sein wird, das Produkt zu nutzen, und die Empfindungen nach der Benutzung sind Teil der User Experience. In anderen Worten: Usability ist nur ein Teil der User Experience.

Wenn Sie also in vergangenen Jahren Menschen vor Apple-Geschäften haben anstehen sehen, die verzweifelt ein iPhone der x-ten Generation kaufen wollten, dann ahnen Sie, dass diese Menschen dies nicht deshalb taten, weil die Produkte gebrauchstauglich waren, sondern weil die Menschen annahmen, dass Sie gebrauchstauglich sind, und weil sie eine positive Wahrnehmung mit diesen Produkten verknüpften. Und genau das zählt im Gegensatz zur Usablity zur „User Experience“.

Bewerten der „User Experience“

Die Gebrauchstauglichkeit prüfen Sie mit der Usability Verifizierung und Usability Validierung. Genau diese adressieren Regularien wie die IEC 62366.

Den antizipierten Nutzen können Sie so nicht bewerten. Hier empfehlen sich Nutzerbefragungen, Monitoring sozialer Medien, Konferenzen usw.


Kategorien: Usability & IEC 62366
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