Kategorien: Usability & IEC 62366-1
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4 Kommentare

  1. Regina Hanke | Dienstag, 29. September 2020 um 09:08 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Bader,

    Danke für diesen Artikel – das Mißverständniss zwischen Nutzungs-, und Systemanforderungen kennen wir gut. Nutzer beschreiben eine zu lösende Aufgabe in einem Nutzungskontext. Um ein digitales Medizinprodukt zu etablieren mit Erfolgschancen muss diese Nutzungsanforderung erfüllt werden. Aufgabe des Designs ist es, diese zu übersetzen in ausführbare und technisch umsetzbare Lösungen. Design ist hier eine klassische T-Shape Funktion. Dazu benötigt es fundiertes Wissen aus Behavior-Design, User Interface Design und IT. Diese Übersetzungsaufgabe umfasst z.B. Pain/Gain Analysen, User Journeys, Personae Entwicklung (die fundierte Variante), Wissen um Evaluationsmethoden und (häufig unterschätzt) die Fähigkeit eine enorme Stamina an den Tag zu legen um Nutzungsanforderungen als zentralen Punkt der Softwareentwicklung zu verstehen.
    Zwei kritische Anmerkungen, die sich auf Ihre Rollendefinitionen beziehen:
    1) Der Usability-Engineer ist ein:e User Experience Designer:in, der/die Design studiert haben sollte um diese komplexe Aufgabenstellung zu handhaben und nicht ein Ingenieur der im IT-Studium ein Modul zu UX-Design durchlaufen hat. Das komplette System des UX-Design und der IEC-62366-1 basiert auf Designmethoden die in den letzten Jahrzehnten im Grafik-, und Produktdesign entwickelt wurden. Angefangen von Gregory (1966) Papanek&Fuller (1972), Niedderer (2007) oder Hassenzahl. Das von Ihnen beschriebene Gefahrenpotential basiert genau darauf, dass grundlegendes (Methoden)-Wissen und Verständnis fehlt.
    2) Evaluation und ein daraus resultierender Iterationsprozess sind extrem wichtig. Die reine Qualitative Erhebung, summative Evaluation, ist aus unserer Perspektive nur bedingt zielführend. Sicherlich werden die Anforderungen der Norm erfüllt – nur beschreibt die Norm nun mal Faktoren einer Qualitätssicherung, nicht die eines potentiellen Erfolges. Der Unterschied zwischen Real-Life Usage und dem Usability Lab ist da. Diesen Gap zu überwinden, kann damit beginnen, dass zu Beginn Shadowings (Beobachtungen) durchgeführt werden. Diese Beobachtungen gilt es zu erfassen und zu synthtisieren in Produktideen zu übertragen. Genau dies lernen Designer:innen.
    Besten Gruß


    • Immanuel Bader | Mittwoch, 30. September 2020 um 18:54 Uhr - Antworten

      Liebe Frau Hanke,

      vielen Dank für Ihre ergänzende Nachricht! Ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen.

      Beste Grüße,
      Immanuel Bader


  2. Thomas Wuttke | Dienstag, 29. September 2020 um 11:32 Uhr - Antworten

    Ich halte den Artikel für einen „must read“ Beitrag. Zu oft wird HCD falsch gemacht und so schön erklärt findet sich die richtige Anwendung selten.


    • Immanuel Bader | Mittwoch, 30. September 2020 um 18:54 Uhr - Antworten

      Vielen Dank Herr Wuttke!


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