Hybrid-Seminare, Hybrid-Workshops und Hybrid-Konferenzen sind aufgrund der Corona-Pandemie entstanden. Sie erlauben es, Veranstaltungen trotz Reisebeschränkungen und limitierter Teilnehmerzahlen abzuhalten.

Doch was zunächst als innovative Lösung erscheint, wird für viele Teilnehmende zu einer Enttäuschung: Die Remote-Teilnehmer leiden an Zoom Fatigue oder fühlen sich abgehängt. Die Präsenzteilnehmer müssen in Kauf nehmen, dass die Veranstalter und Referenten mehr mit der Technik kämpfen, als sich um die Anwesenden zu kümmern.

Viele Hybrid-Veranstaltungen werden zu einem „Worst of Both Worlds“ – der physischen und der digitalen Welt.

Es bedarf mehr als nur etwas Technik, um Hybrid-Seminare erfolgreich anzubieten. Aber mit klugen Konzepten und der richtigen Technik gelingt es, eine weitgehend reibungslose Kommunikation zu ermöglichen und sogar neue Veranstaltungsformen zu etablieren.

1. Was sind Hybrid-Seminare, Hybrid-Workshops und Hybrid-Konferenzen?

Bei Präsenzseminaren befinden sich Referierende und Teilnehmende zur selben Zeit am selben Ort (Abb. 1.a). Bei Online-Seminaren befinden sich Referierende und Teilnehmende hingegen an verschiedenen Orten (Abb. 1.b).

Bei Hybrid-Seminaren befinden sich die Präsenzteilnehmer mit den Referierenden an einem Ort. Die Remote-Teilnehmer befinden sich an anderen Orten, häufig im Home-Office (Abb. 1.c).

Es gibt auch den Sonderfall, dass der Referent bzw. die Referentin von einem anderen Ort zugeschaltet ist (Abb. 1.d).

Schematische Darstellung, die verschiedene Typen von Seminaren mit Referenten (grün) und Teilnehmern (blau) zeigt. Die Hybrid-Seminare gibt es in zwei Ausprägungen: Mit anwesenden Referenten und mit Referenten, die Online zugeschaltet sind.
Abb. 1: Verschiedene Typen von Seminaren mit Referenten (grün) und Teilnehmenden (blau). Die Hybrid-Seminare gibt es in zwei Ausprägungen.

2. List of Horrors: Erfahrungen, die Sie unbedingt vermeiden wollen

Seit vielen Monaten werden verstärkt Seminare, Konferenzen und Workshops entweder online oder im Hybrid-Modus angeboten. Viele kennen mittlerweile die Probleme, die diese neuen Kommunikationsformen mit sich bringen.

Leider bewahrheitet sich einmal mehr die Erkenntnis: Was schief gehen kann, geht auch schief.

Tipp

Gehen Sie die folgende Liste durch und versuchen Sie, für jedes einzelne Problem notwendige Gegenmaßnahmen zu formulieren. Auf diese Weise beugen Sie der Entstehung ähnlicher Probleme und damit dem Aufkommen von Frust bei Referierenden und Teilnehmenden vor.

a) Technische Probleme

Technische Probleme beim Veranstalter

Die Liste möglicher Probleme scheint endlos. Daher finden Sie im Folgenden nur die häufigsten und/oder peinlichsten Probleme, auf die das Team des Johner Instituts bei der Teilnahme von Online- und Hybrid-Veranstaltungen gestoßen ist.

  • Die Internet-Verbindung ist nicht stabil. Das Bild friert ein, der Sprechende klingt abgehackt und ist schwer verständlich oder der Ton bricht sogar ab. Die zugeschalteten Personen sind genervt.
  • Das Webconferencing-Tool stürzt ab oder wirft die Teilnehmenden raus, weil die gebuchte Zeit vergangen ist. Manchmal hat der Veranstalter auch nicht genügend Plätze gebucht, sodass sich die Teilnehmenden nicht einloggen können.
  • Peinlich ist es auch, wenn der Veranstalter selbst das Passwort vergessen hat und verzweifelt versucht, das Webconferencing-Tool (Zoom, GotoMeeting, WebEx, Microsoft Teams, Google Meet usw.) zu starten.
  • Regelmäßig plagen Audioprobleme die Referierenden und die Zuhörer vor Ort: Kaum hörbare oder verständliche Kommentare der Remote-Teilnehmer quäken aus den Mini-Lautsprechern des Referenten-PCs oder aus den extra bereitgestellten Boxen für 19,80 EUR. Die sind leider nicht in der Lage, auch die hinteren Reihen zu beschallen.
  • Wenn die Lautstärke ausreichend erhöht wird, kommt es zu enervierenden Rückkopplungen. Das passiert nicht nur, wenn sich Präsenzteilnehmer in das Webconferencing-Tool einloggen, sondern auch, wenn die Boxen im Seminarraum zu nah am Mikrofon des Referierenden positioniert sind.
  • Audioprobleme nerven auch die Remote-Teilnehmer. Sie können die Fragen der Präsenzteilnehmer nicht verstehen und fühlen sich abgehängt. Zu geringe Lautstärke, Lautstärkeschwankungen und ein verhalltes Signal führen zusätzlich zu Ermüdung.
  • Die Technik bereitet vielen Referenten puren Stress. Der beginnt bereits in dem Moment, in dem klar wird, dass sich der Referenten-Laptop nicht (mehr) an die Infrastruktur des Veranstalters anschließen lässt. Zu diesen Inkompatibilitäten zählen alte VGA-Anschlüsse, unterschiedliche HDMI-Steckergrößen und fehlende Adapter von USB-C auf USB 2.0 oder umgekehrt.
  • Es gibt Kompatibilitätsprobleme mit der sonstigen Hardware: Mikrofone und Kameras werden nicht erkannt. Audiointerfaces übertragen nur einen Kanal. Der Referenten-PC hat keinen Miniklinken-Anschluss mehr. Das ist bedauerlich, wenn Videos, die einen wichtiger Teil des Seminars bilden, damit nutzlos geworden sind.
  • Die Bildschirmauflösung auf dem Referenten-PC ändert sich so ungünstig, dass weder der Referierende noch die Teilnehmenden die eng beschriebenen Folien lesen können.
  • Weil der Beamer nur das Videosignal anzeigen kann, das auch die zugeschalteten Teilnehmer erhalten, sehen die Präsenzteilnehmer das Kamerabild des Referenten auch auf der Leinwand. Das wirkt nur bedingt professionell.
  • Manchmal sind es Kleinigkeiten, die dazu führen, dass die Remote-Teilnehmer ausgeschlossen werden: Die Batterie des Headsets ist leer. Auf die Idee kommt man aber erst, nachdem man alle Kabel überprüft und ausgetauscht, den Audio-Mixer und den Referenten-PC neu gestartet und sicherheitshalber ein anderes Mikrofon ausprobiert hat.

Technische Probleme beim Referenten

Probleme mit dem Rechner

Wenn die Veranstalter gut vorbereitet sind und ihre Technik im Griff haben, kann es trotzdem schiefgehen. Regelmäßig verursachen die Referenten und ihre Laptops Probleme:

  • Der Referenten-Laptop ist mit dem gleichzeitigen Streaming und dem Anzeigen der Präsentation überfordert und stockt. Die Sanduhr torpediert einen erfolgreichen Seminartag.
  • Der Cloud-Dienst ist gerade mit der Synchronisation beschäftigt. Für die Übertragung von Audio und Video bleibt nicht mehr ausreichend Bandbreite, was für die Remote-Teilnehmer zur Geduldsprobe wird.
  • Die Security-Policies auf dem Referenten-Laptop erlauben es nicht, das Webconferencing-Tool zu nutzen, den Bildschirm zu übertragen oder auf die eigenen Dateien zuzugreifen. Das wäre aber erforderlich, um den Remote-Teilnehmer z.B. eine Übungsaufgabe zu übermitteln.
  • Ärgerlich ist es auch, wenn ein Betriebssystem- oder Security-Update, das sich leider nicht unterbrechen lässt, den Referenten-Rechner für eine Stunde stilllegt.
  • Manchmal stürzen die Rechner ab, scheinbar grundlos. An den letzten Reboot kann sich der Referent nicht mehr erinnern.
Probleme mit der Gebrauchstauglichkeit

Manche Referierende kommen nicht mit der Technik klar, was jedoch nicht unbedingt an deren Fähigkeiten liegt:

  • Das Webconferencing-Tool verschwindet hinter der Präsentation. Damit kann der Dozent weder die Remote-Teilnehmer noch deren Fragen im Chat erkennen. Die Interaktion kollabiert.
  • Die Referentenansicht funktioniert nicht mehr. Die Referierenden sehen nur die Präsentation, aber weder ihre Notizen noch die Vorschau auf die nächste Folie. Das verunsichert manche.
  • Weil ein Teleprompter fehlt, wissen manche Vortragenden nicht, wie sie agieren sollen: Sitzend an ihrem Rechner wie bei Online-Konferenzen? Stehend wie in normalen Präsenzseminaren?
  • Mangels Übung mit dem spezifischen Tool wissen die Referierenden nicht, wie sie den Chat bedienen, Teilnehmer mit Materialien versorgen, Gruppen für die Break-out-Sessions bilden oder wartende Teilnehmer in die laufende Konferenz einlassen können.
Probleme wegen mangelnder Vorbereitung

Manche Peinlichkeiten könnten sich die Referierenden ersparen, z.B.:

  • Pop-up-Fenster, die informieren, dass gerade eine E-Mail des Partners mit der Bitte eingegangen ist, auf dem Heimweg noch in der Apotheke vorbeizugehen
  • Ein mit Dateien und Ordnern vollgestopfter Desktop, von dem die Teilnehmenden hoffentlich nicht auf das Ordnungssystem des Referenten schließen
  • Offene Programme, die die Teilnehmenden mehr interessieren als der Inhalt der Präsentation

Technische Probleme bei den Teilnehmenden

Auch bei den Teilnehmenden gibt es in fast jeder Veranstaltung Probleme:

  • Sie kennen die Zugangsdaten nicht (mehr) oder haben den Link vergessen.
  • Security-Policies gestatten es nicht, das Webconferencing-Tool zu starten.
  • Das Mikrofon oder die Kamera gehen nicht oder sind von fragwürdiger Qualität.
  • Die Internet-Verbindung ist instabil und führt zu schlechter Audio- und Videoqualität.

b) Kommunikationsprobleme

Selbst eine funktionierende Technik ist kein Garant für ein erfolgreiches Hybrid-Seminar. Das Setup erschwert die Kommunikation:

Referierende

  • konzentrieren sich auf das Präsenzpublikum und vergessen die zugeschalteten Teilnehmenden,
  • übersehen die Fragen im Chat,
  • versäumen es, die Remote-Teilnehmer in den Break-out-Rooms ähnlich intensiv zu betreuen wie das Publikum vor Ort,
  • blicken die zugeschalteten Teilnehmenden nie direkt an, weil sie dazu in die Kamera und nicht zum Auditorium vor Ort schauen müssten. Entsprechend fühlen sich die Remote-Teilnehmer nicht angesprochen.

Remote-Teilnehmer

  • sind nicht aufmerksam, beantworten parallel E-Mails, surfen im Netz oder erledigen den Haushalt,
  • geben trotz expliziter Bitte des Referenten kein Feedback und beantworten keine Fragen,
  • schalten die Kameras ab, was die Interaktion erschwert,
  • melden sich mit falschem oder unvollständigem Namen an, weshalb sie der Referent nicht persönlich ansprechen kann,
  • bekommen nicht alles mit, was im Veranstaltungsraum geschieht, langweilen sich deshalb und schalten ab,
  • platzen (auch deshalb) mit Fragen unvermittelt in den Vortrag,
  • lenken den Referenten und die Präsenzteilenehmer mit „kreativen Hintergründen“ oder überraschenden Einblicken ins häusliche Umfeld ab.

c) Organisatorische Probleme

Manchmal scheitern Hybrid-Seminare an organisatorischen Problemen:

  • Der Link zum Webconferencing-Tool ist ungültig oder wurde zu kurzfristig verschickt.
  • Es gibt kein Konzept, wie bei Übungen die Lösungen überprüft bzw. von den Remote-Teilnehmern vorgestellt werden können.
  • Der Veranstalter erliegt dem Irrglauben, man könne beliebig viele Teilnehmende dazuschalten, weil das Webconferencing-Tool dies erlaubt. Dass diese Remote-Teilnehmer auch in den Übungen betreut und ihre Fragen beantwortet werden müssen, wird übersehen.

d) Folgen dieser Probleme

Viele Folgen dieser Probleme bei Online- und Hybrid-Seminaren konnten die meisten Teilnehmer schon selbst beobachten.

  • Diese Formate bedeuten einen enormen Stress für die Referierenden, aber auch für Veranstalter. Diese Energie fehlt für das Seminar.
  • Auch die Remote-Teilnehmer sind gestresst: Eine schlechte Akustik, insbesondere wechselnde Lautstärken, Hintergrundgeräusche und Hall führen zur kognitiven Überlastung. Daher schalten sie ab.
  • Sie fühlen sich aufgrund der oben genannten Probleme abgehängt, langweilen sich und bekommen nicht mit, wenn etwas Relevantes geschieht.

Damit erreichen weder die Seminarteilnehmer noch die Referenten die gemeinsamen Ziele:

  • Wissen und Kompetenzen vermitteln bzw. erwerben
  • Einen guten Lebenstag (gemeinsam) verbringen

3. Anforderungen an Hybrid-Veranstaltungen

Hybride Seminare und Veranstaltungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie die o.g. Probleme vermeiden und die Anforderungen aller Stakeholder erfüllen:

  • Referenten
  • Remote-Teilnehmer
  • Präsenzteilnehmer
  • Veranstalter

a) Anforderungen aus Sicht der Referenten

Die Technik bereitzustellen und zu bedienen ist nicht die Aufgabe der Referierenden, sondern des Veranstalters. Auf dem Referenten-Laptop sollte keine Software installiert werden müssen.

Der Referenten-Laptop sollte nur über einen HDMI/VGA/USB-C-Anschluss sowie optional mit einem Audiokabel (meist Mini-Klinke) verbunden werden müssen; genau so, wie man das normalerweise mit einem Beamer machen würde.

Die Referierenden müssen die Remote-Teilnehmer genauso gut sehen und hören können wie die Präsenzteilnehmer. Auch Chatnachrichten und eventuelle Arbeitsergebnisse müssen leicht zu erkennen sein.

b) Anforderungen aus Sicht der Remote-Teilnehmer

Die Remote-Teilnehmer sollten sich möglichst nah am Geschehen fühlen und in der gleichen Qualität das sehen und hören können, was die Präsenzteilnehmer auch sehen und hören:

  • Den Referenten
  • Dessen Unterlagen, z.B. Präsentationen
  • Whiteboards und Flipcharts im Veranstaltungsraum
  • Die Präsenzteilnehmer

Die Remote-Teilnehmer wollen genau wissen, wie die Veranstaltung abläuft, was von ihnen erwartet wird sowie wann die Pausen beginnen und enden.

c) Anforderungen aus Sicht der Präsenzteilnehmer

Die Präsenzteilnehmer wollen v.a. durch die Technik und die Tatsache, dass einige Personen remote teilnehmen, nicht eingeschränkt werden.

Das bedingt auch, dass die Technik zuverlässig und unauffällig arbeitet und die Präsenzteilnehmer die Remote-Teilnehmer gut hören und sehen können.

4. Technische Lösungsansätze für Hybrid-Veranstaltungen

Eine gute Technik ist eine, die die in Kapitel 2 genannten Probleme zu vermeiden hilft und die in Kapitel 3 genannten Anforderungen erfüllt. Sie ist möglichst unsichtbar, auch wenn sie aufwändig ist.

Schematische Zeichnung, die die Technik für Hybrid-Seminare und andere Hybrid-Veranstaltungen zeigt. Diese ist aufwendig und komplex. Die Komponenten sind über die grün dargestellten Audio- und Videokabel (u.a. HDMI, SDI, Ethernet) verbunden.
Abb. 2: Die Technik für Hybrid-Veranstaltungen ist aufwendig und komplex. Die Komponenten sind über die blau dargestellten Audio- und Videokabel (u.a. HDMI, SDI, Ethernet) verbunden.

a) Video

Remote-Teilnehmer

Die Remote-Teilnehmer sollten zum einen den Referenten, den Veranstaltungsraum (insbesondere Flipcharts und Whiteboards) sowie die Präsenzteilnehmer (zumindest, wenn diese eine Frage stellen) sehen können. Dazu bedarf es zumindest zweier ferngesteuerter Kameras.

Zoomfaktor, Neigungs- und Schwenkungswinkel sowie Fokus dieser Kameras müssen fernsteuerbar sein, um den jeweiligen Akteur bzw. die Flipcharts/Whiteboards scharf und groß im Bild zu haben.

Auch bei Hybrid-Seminaren sollten die Remote-Teilnehmer immer die Person sehen, die gerade spricht. Beim Referenten bietet sich ein „Picture-in-Picture“ an. Damit sind die Remote-Teilnehmer in der Lage, sowohl den Referenten als auch dessen Computer bzw. Präsentation zu verfolgen.

Referierende

Die Referierenden benötigen zwei Video-Signale, die sie auf einem oder zwei Monitoren sehen:

  • Signal 1: Bildschirm des eigenen Rechners. Bei Power-Point wäre dies die Referentenansicht. Einige Referierende nutzen lieber den eigenen Rechner als Monitor.
  • Signal 2: Die Remote-Teilnehmer bzw. das Webconferencing-Tool inklusive des Chats

Damit die Remote-Teilnehmer auch für die Referierenden und die Präsenzteilnehmer sichtbar sind, ist es ausreichend, wenn die Remote-Teilnehmer eine Webcam nutzen, notfalls die im Laptop eingebaute. Ein neutraler Hintergrund vermeidet unnötige Ablenkung.

Präsenzteilnehmer

Die Präsenzteilnehmer sehen das Videosignal (ohne Überlagerungen) mit der Präsentation des Referenten, typischerweise auf einem Projektor (Beamer). Zum anderen sehen sie auf einem zweiten Monitor die Remote-Teilnehmer bzw. das Webconferencing-Tool.

Sie sehen aber weder den Vortragenden noch das Videosignal der Whiteboards auf der Leinwand.

b) Audio

Remote-Teilnehmer

Die Remote-Teilnehmer sind idealerweise mit einem guten Headset ausgestattet. Sie befinden sich in einem ruhigen Raum.

Referierende

Die Referierenden tragen ein professionelles kabelloses Headset, das ihnen Bewegungsfreiheit gibt. Sowohl Referierende als auch Präsenzteilnehmer hören die Remote-Teilneher über eine PA-Anlage.

Präsenzteilnehmer

Ein oder mehrere Raummikrofone haben sich als untauglich herausgestellt, um die Fragen der Präsenzteilnehmer auch für die Remote-Teilnehmer in guter Qualität zu übertragen. Die typischen Probleme damit sind:

  • Hintergrundgeräusche wie sprechende Teilnehmer, Stühlerücken, Blättern in Unterlagen
  • Hall bzw. Echo durch einen nicht schallgedämmten Raum
  • Unterschiedliche Lautstärken (abhängig vom Abstand der Fragenden zum Mikrofon)

Daher sollten die Präsenzteilnehmer mit Sprechstellen ausgestattet werden, wie man sie z.B. aus dem Bundestag kennt.

c) Steuerung

Um diese Signale zu steuern und zu mischen, sind weitere Komponenten notwendig. Dazu zählen:

  • Professionelles Audio-Video-Mischpult, um die oben skizzierten „Routings“ zu ermöglichen
  • Fernsteuerung für die Kameras
  • Streaming-PC mit installierter Webconferencing-Software (Zoom, GotoMeeting, Google Meet, Big Blue Button, WebEx, Microsoft Teams usw.)
  • Preview-Monitor für den “Operator”

5. Didaktische Lösungsansätze für Hybrid-Seminare

Mit der Technik ist es nicht getan. Sie bietet nur die notwendigen, aber nicht die hinreichenden Voraussetzungen für erfolgreiche Hybrid-Veranstaltungen.

a) Herausforderungen an die Didaktik

Genauso wie die Technik müssen Veranstalter und Referierende auch die Didaktik an dieses besondere Setting anpassen. Denn nicht nur die Personen am Veranstaltungsort, sondern auch die Remote-Teilnehmer stehen vor besonderen Herausforderungen:

  • Auch in eine gute Technik muss man sich einarbeiten und sie stabil zum Laufen bringen.
  • Die Remote-Teilnahme ist auch bei hochwertigen Audio- und Videosignalen anstrengender als die Teilnahme an einer Präsenzveranstaltung.
  • Remote-Teilnehmer halten sich meist in einer Umgebung auf, in der sie stärken Ablenkungen ausgesetzt sind als im Veranstaltungsraum.
  • Weil die Teilnehmer keiner sozialen Kontrolle unterliegen (z.B. durch den Sitznachbarn oder den Referenten), ist die Versuchung hoch, parallel anderen Tätigkeiten nachzugehen: E-Mails beantworten, im Web surfen, Aufgaben für den Arbeitgeber erledigen.

b) Maßnahmen der Referierenden

Kürzere Blöcke sowie längere und präzise kommunizierte Pausen verringern kognitive Überlastung

Die Referierenden sollten bei Hybrid-Seminaren kürzere Intervalle wählen. Halbstündige, maximal einstündige Sprints sind besser als die üblichen 90-min-Blöcke.

Die Pausen dauern besser etwas länger als der Default-Wert von 15 Minuten. Die Remote-Teilnehmer sollten über einen Timer erkennen, wie lange die Pause noch dauert. Schließlich kann sie der Referent nicht so einfach zusammenrufenwie die Präsenzteilnehmer.

Eine klare Kommunikation des Tagesablaufs ist bei Hybrid-Seminaren noch wichtiger als bei reinen Präsenzveranstaltungen.

Ein klares Nutzenversprechen erhöht die Motivation

Der Veranstalter und die Referierenden sollten die Teilnehmenden genau wissen lassen, welchen Nutzen sie von der Veranstaltung haben. Das betrifft die Veranstaltung insgesamt ebenso wie jeden einzelnen Block (Sprint).

Dieser erkannte Nutzen erhöht die Motivation und die Aufmerksamkeit nicht nur der Remote-Teilnehmer.

Aktivierung durch Übungen und Aufgaben erhöht Fokus und Lernerfolg

Ebenso sollten die Referierenden alle Teilnehmer durch Übungen und Aufgaben aktivieren. Wenn das Ziel darin besteht, etwas nach dem Seminar besser zu können, wird das nur durch Üben gelingen.

Dieses Üben hilft den Teilnehmenden zudem, den Ablenkungen zu widerstehen und sich auf die Veranstaltung zu konzentrieren.

Abfragen („Polls“) halten die Aufmerksamkeit ebenfalls oben und helfen den Teilnehmenden, den eigenen Lernfortschritt zu messen.

Für viele Referierende ist es schwierig, die Remote-Teilnehmer nicht zu vergessen. Die Präsenzteilnehmer sind ihnen im wahrsten Sinne des Wortes stärker präsent. Dabei müssen gerade die Remote-Teilnehmer besonders aktiv eingebunden und in besonderem Maß zur Teilnahme und zum Fragenstellen eingeladen werden.

Merkblätter helfen Referenten und Remote-Teilnehmern, die Hürden zu überwinden

Wie immer im Qualitätsmanagement sind Verfahrens- und Arbeitsanweisungen sowie Checklisten hilfreiche Werkzeuge, um Probleme zu minimieren. Auch hier sollten die Kompetenzen der Referenten und Techniker definiert und sichergestellt sein.

6. Kosten für die technische Ausstattung von Hybrid-Veranstaltungen

Durch die Corona-Pandemie und das weit verbreitete Streaming ist die Nachfrage nach den oben vorgestellten Technologien gestiegen. Das hat die Produktionszahlen nach oben getrieben und letztlich zu günstigeren Preisen geführt.

Dennoch kostet eine professionelle Ausstattung für Hybrid-Seminare und andere Hybrid-Veranstaltungen mehrere Zehntausend Euro.

Dabei handelt es sich nicht um eine einmalige Investition. Kontinuierlich ändern sich die Standards, neue Schnittstellen müssen unterstützt und die wachsenden Anforderungen der Teilnehmenden nach immer besserer Qualität erfüllt werden.

Zudem benötigen die Veranstalter Mitarbeiter, die die passenden Komponenten auswählen, integrieren und konfigurieren.

Der laufende Betrieb ist ohne eine dezidierte Person („Operator“) kaum möglich. Andernfalls setzt man die Referierenden einem unnötigen Stress aus.

7. Zusammenfassung

Auch nach vielen Monaten im Home-Office und nach gefühlt Hunderten von Webkonferenzen sind Hybrid-Seminare immer noch herausfordernd. Sie vereinen alle technischen und organisatorischen Schwierigkeiten von Präsenz- und Online-Seminaren und machen bestehende Probleme noch sichtbarer.

Das Johner Institut hat im Rahmen seiner Seminare und Studiengänge viel Erfahrung mit Online- und Hybrid-Seminaren gesammelt und dabei Technologien und Abläufe ausprobiert und optimiert.

a) Erfolgsfaktor 1: Technologie

Eine Präsenzveranstaltung, bei der man die Kamera und ein Webconferencing-Tool laufen lässt, macht noch lange kein Hybrid-Seminar.

Abbildung 2 zeigt beispielhaft ein technisches Setup, aber es gibt keine Standardlösungen. Die optimale Lösung hängt von vielen Faktoren ab, z.B. den räumlichen Gegebenheiten, der Anzahl der Teilnehmenden, der Anzahl der Referierenden, den Zielen der Veranstaltung und den Fähigkeiten der Referierenden.

Eine professionelle Technik ist teuer und bedarf bei der Auswahl und Anwendung einer professionellen Unterstützung.

b) Erfolgsfaktor 2: Organisation und aktives Mitwirken

Merkblätter und Checklisten helfen sowohl den Referierenden als auch den Remote-Teilnehmern, sich besser auf die besonderen Herausforderungen der Hybrid-Veranstaltung vorzubereiten.

Ohne aktive Mitwirkung von aller Beteiligten wird das Hybrid-Seminar kein Erfolg:

  • Die Referierenden müssen ihre Lehrkonzepte ändern und die Remote-Teilnehmer besonders aktiv einbinden.
  • Die Remote-Teilnehmer müssen in hohem Maß Konzentration aufbringen, aktiv mitarbeiten und den Ablenkungen im häuslichen Umfeld und durch das Internet widerstehen.

c) Fazit

Hybrid-Seminare erscheinen als eine Lösung für besondere Zeiten. Nur Dank dieses Konzepts kann beispielsweise das Johner Institut Studiengänge durchführen, obwohl ein Teil der (z.B. ausländischen) Studierenden durch aktuelle Reisewarnungen nicht anreisen will oder darf.

Doch dieser Vorteil hat seinen Preis, nicht nur in finanzieller Hinsicht: Die Technologie muss ausgewählt und beherrscht werden, bestehende Veranstaltungen müssen konzeptionell umgebaut und gewohnte Abläufe angepasst werden.

Für die Veranstalter und Referenten bedeutet das: Üben, üben, üben.

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Kategorien: Lernen, Jobs & Karriere

6 Kommentare

  1. Sieghard Wagner | Dienstag, 6. Oktober 2020 um 08:37 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für diesen Artikel, es ist für mich der erste, der versucht, die aktuellen Probleme mit Seminaren (hybrid oder komplett online) umfassender zu beschreiben. Da ich Ende Oktober selbst als Referent auf einem Hybridseminar als Vortragender auftrete, bin ich gespannt, wie der Veranstalter die oben genannten Herausforderungen meistert, insbesondere wie er die Online Teilnehmer einbezieht.
    Mein Vorschlag (- oder besser: Bitte) für den nächsten Artikel wäre, wie man die Interaktion mit den Remote Teilnehmern gestalten kann?


    • Prof. Dr. Christian Johner | Dienstag, 6. Oktober 2020 um 18:12 Uhr - Antworten

      Danke Herr Wagner für die Rückmeldung!

      Ich werde den Artikel aktualisieren. Ein paar Tipps mit den Remote-Teilnehmern hatte ich sogar schon versteckt:

      • Bitten Kamera anzuschalten, dass die tatsächlich mitmachen. Sonst hilft alles nichts.
      • Bitten, den richtigen Namen anzugeben, damit man sie ansprechen kann.
      • Die Teilnehmenden aktiv fragen, um Rückmeldung bitten und dabei mit Namen ansprechen.
      • Das Problem explizit ansprechen.
      • Viel aktiv werden lassen, weniger referieren.

      Vielleicht ist ein Gedanke dabei. Ich bin interessiert an Ihren Erfahrungen.

      Nochmals danke!

      Viele Grüße, Christian Johner


  2. O. Graus | Mittwoch, 7. Oktober 2020 um 08:43 Uhr - Antworten

    Hallo Herr Prof. Johner,
    wichtig ist auch für diejenigen, welche vom Homeoffice aus das Meeting durchführen oder teilnehmen, dass der Router kurz vom Strom genommen wird.
    Zuerst initialisiert sich der Router neu und bei vielen privaten Internetanbieter gibt es nach 24 Stunden eine Zwangsunterbrechung der Internetverbindung
    Es wäre nicht so gut, wenn diese Zwangsunterbrechung während dem Seminar passiert. Durch die Unterbrechung beginnt der Countdown neu.
    Mit freundlichen Grüßen
    Oliver Graus


  3. Walter Baldus | Mittwoch, 14. Oktober 2020 um 08:27 Uhr - Antworten

    Danke für die sehr gute Beschreibung. Wir überlegen zur Zeit die Organisation eines solchen Formats.


  4. Paul Aschenbrenner | Montag, 19. Oktober 2020 um 16:49 Uhr - Antworten

    Ich sehe in den Web-Meetings fast nur Vorteile:

    • Spare mir sinnlose Fahrerei in die Firma und zurück

    • Habe genau die gleichen Besprechungen und Telefonate wie vorher, und die gleiche Anzahl,
    spare mir aber zwischen den vielen Besprechungen das Laufen von einem Besprechungsraum in den anderen, mit oft langen Wegen dazwischen.

    • Spare mir tagelange, anstrengenden Flug- / Auto- / Zugreisen, bei denen der Anreiseaufwand unverhältnismäßig größer ist als die Besprechungszeit,
    … vom Jetlag und der Zeitumstellung ganz zu schweigen …
    … und von den Kosten …

    • In langen Besprechungen, wo ich nicht selbst vortrage, kann ich zwischendurch in die Küche gehen und mir einen Kaffee holen, und parallel und aufmerksam zugleich mit meinem drahtlosen Headset zuhören, ohne etwas zu verpassen – Wo kann man das live, ohne zu stören?

    • Ich muss keine Maske tragen, wie wenn ich in der Firma bin, und dort den ganzen Tag (im Labor mit anderen) nur meine eigene verbraucht Luft durch meine Maske erneut einatme,
    das macht mich derart müde, dass es kaum auszuhalten ist, mit Maske zu arbeiten.

    • Das Kantinenessen / die Kantinenöffnungszeit , interessieren mich auch nicht ,
    denn ich koche mir zuhause was sich möchte, und wann ich möchte.

    … und wenn ich mich mit einem oder mehreren (lokalen) Kollegen treffen möchte, mache ich das gelegentlich außerhalb der Firma, … das ist noch entspannter so …

    Es gibt nur wenige Nachteile, z.B. dass die Non-Verbale Kommunikation sehr stark eingeschränkt ist, und dass der informelle Austausch in den Pausen fehlt, der bei kritischen Besprechungen zwar wichtig sein kann, bei den meisten kleinen Besprechungen aber unerheblich ist.


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