FHIR: Endlich mal ein praxisnaher Interoperabilitätsstandard

Freitag 8. Mai 2015

Mit FHIR (gesprochen: Fire) hat HL7 einen modernen Interoperabilitätsstandard entwickelt, dem ich großes Zukunftspotenzial zutraue.
Erfahren Sie mehr über Interoperabilität.

Logo von FHIR

Was FHIR wie standardisiert

FHIR ist ein neuer Interoperabilitätsstandard speziell für das Gesundheitswesen, der auf REST basiert. Damit verbindet er die Konzepte von HL7 V3 mit modernen Internetstandards.

Auf Ressourcen wie Patienten, Medikamente oder Behandlungen greift man über URLs zu. Beispielsweise würde man auf den Patient mit der ID 1235 zugreifen über

GET https://www.krankenhaus.de/kis/patient/1235

Ändern würde man Daten dem REST-Paradigma folgend über die HTTP-Methode PUT, löschen über DELETE und erzeugen via POST.

Als Rückgabeformate kann man zwischen XML und JSON wählen. Das lässt sich über die URL ebenfalls bestimmen, beispielsweise:

GET https://www.krankenhaus.de/kis/patient/1235?_format?json

Die Daten können auch von Menschen lesbare Anteile (in HTML) enthalten, wie folgende Abbildung von HL7 zeigt:

FHIR: Ein Beispiel von HL7

Der FHIR Standard adressiert somit mehrere Ebenen des Interoperabilitätsstacks:

  • Strukturelle Interoperabilität: Standard Internetprotokolle insbesondere HTTP(S)
  • Syntaktische Interoperabilität: JSON und XML
  • Semantische Interoperabilität: Datentypen, Ordnungssysteme, definierte XML-Tags bzw. JSON-Elemente

Beispiel:

Ein Laborwert wäre in XML kodiert mit:

<coding>
   <system value="http://loinc.org"/>
   <code value="2947-0"/>
 </coding/>

In JSON sähe das so aus:

"coding": [
   {
     "system" : "http://loinc.org",
     "code" : "2947-0"
   }
 ]

Damit sind Entwickler alle sehr vertraut, so dass sie sich dank FHIR bald in der Lage sehen, nicht nur Nachrichten, sondern auch Dokumente zu übertragen.

Weshalb FHIR erfolgreich sein wird

Ich bin von FHIR überzeugt, aus mehreren Gründen:

  1. Man kann es verstehen! Was banal klingt, ist leider keinen Selbstverständlichkeit. Nach einer mehrtägigen HL7 V3 Schulung konnte man bestenfalls die Konzepte verstehen. Aber wirklich damit arbeiten konnte niemand. Die Dokumentation war ebenso umfangreich wie unübersichtlich. Zumindest der Einstieg dürfte für jeden Entwickler nun ein Kinderspiel sein. Beispiele, S
  2. Die Dokumentation von FHIR ist öffentlich zugänglich, die Spezifikation darf kostenfrei genutzt werden.
  3. Die Modellierung entspricht üblichen Vorgehensmodellen und ist logisch. Während meiner Zeit in Stanford machten sich die dortigen Professoren darüber lustig und bezeichneten den ganzen Ansatz von HL7 V3 als Negativbeispiel.
  4. Die Spezifikation greift übliche Ansätze (wie z.B. den von REST) auf. Keine eigenen Notationssprachen, verschwurbelten Konzepte wie Class Codes statt Vererbung…
  5. Die FHIR Spezifikation ist so vollständig, das man sofort damit starten kann.

 

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Kategorien: Health IT & Medizintechnik
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Ein Kommentar über “FHIR: Endlich mal ein praxisnaher Interoperabilitätsstandard”

  1. Dr. Andreas Staubert schrieb:

    Lieber Christian,

    zufällig lande ich mal wie auf Deinem Blog, und was sehe ich, einen Artikel über „FHIR“. Ich kann Dir inhaltlich hier nur voll zustimmen. FHIR wir ein Standard sein, den man in der Tat verstehen und umsetzten kann. Damit wird FHIR auch interessant für die Medizintechnik Branche, um zum Beispiel von diagnostischen System aus auf Patienten-Daten zuzugreifen, ohne die traditionellen Hürden eine EMR/EHR Schnittstelle.

    Vor 2 Wochen auf der HIMSS in Chicago war FHIR, und übrigens auch SMART in Kombination mit FHIR, der große Publikumsmagnet.

    Herzliche Grüße, Andreas.

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