Gesundheitswesen

Staaten wie Deutschland, Österreich, die Schweiz oder die USA geben über 10% ihres Bruttosozialprodukts für ihre Gesundheitssysteme aus. Allerdings unterscheiden sich die System sehr stark in ihrer Effizienz und Effektivität.

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge

  • zur Gesundheispolitik,
  • zum Gesundheitswesen im Allgemeinen,
  • zu medizinischen Themen,
  • zur Gesundheitsökonomie und dem Gesundheitscontrolling sowie
  • zu den Akteuren im Gesundheitswesen wie Krankenhäuser, Ärzte, kassenärztliche Vereinigungen, Behörden, Politik usw.

Lesen Sie mehr über


Donnerstag 18. Mai 2017 von Prof. Dr. Christian Johner

Das Bundesdatenschutzgesetz fordert die Anonymisierung und Pseudonymisierung von personenbezogenen Daten. Was sich hinter den beiden Begriffen verbirgt und wie Sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, verrät Ihnen dieser Artikel.

Den ganzen Beitrag lesen »


Mittwoch 17. Mai 2017 von Prof. Dr. Christian Johner

Dass der Datenschutz bei medizinische Daten besonders wichtig ist, machen Gesetze wie das Bundesdatenschutzgesetz und das Strafgesetzbuch unmissverständlich klar.

Lesen Sie in diesem Artikel, weshalb medizinische Daten eines besonderen Schutzes bedürfen, was die Besonderheiten des medizinischen Datenschutzes sind und welche Datenschutzgesetze zu beachten sind.

Den ganzen Beitrag lesen »


Mittwoch 12. April 2017 von Prof. Dr. Christian Johner

Beim Internet der Dinge (engl. „Internet of Things“ kurz IoT) geht es um die digitale Vernetzung von physischen Objekten („things“) über das Internet (bzw. Internet-Technologien) mit dem Ziel, Prozesse zu automatisieren und zu optimieren.

Von den Chancen, die das Internet der Dinge (IoT) ermöglicht, möchte auch das Gesundheitswesen bzw. die Medizin profitieren. Dabei sind dort die Risiken und die regulatorischen Hürden besonders hoch.

Den ganzen Beitrag lesen »


Dienstag 14. Februar 2017 von Prof. Dr. Christian Johner

Die Healthcare Startups nehmen in der Startup-Szene eine besondere Rolle ein. Das betrifft die Finanzierung ebenso wie das regulatorische Umfeld. Wie sich die Healthcare Startups unterscheiden und welche besonderen Hürden sie dabei nehmen müssen, lesen Sie in diesem Artikel.

Den ganzen Beitrag lesen »


Mittwoch 6. April 2016 von Prof. Dr. Christian Johner

Healthcare Compliance, was ist das, wird mancher denken. Dieses Thema, dem sich bereits eigene Kongresse widmen (mehr dazu weiter unten), gewinnt an Bedeutung.

Lesen Sie hier, um was es bei Healthcare Compliance geht und ob Sie das betrifft.
Den ganzen Beitrag lesen »


Dienstag 24. November 2015 von Prof. Dr. Christian Johner

Sie glauben als Medizinprodukte-Hersteller, dass Sie das Thema Health Technology Assessment HTA nicht betrifft? Das kann täuschen. Es gibt zwei Gründe, weshalb Sie sich mit HTA beschäftigen sollten.

Den ganzen Beitrag lesen »


Donnerstag 26. Juni 2014 von Prof. Dr. Christian Johner

Über Blue Prints und White Papers habe ich schon etwas gehört. Aber bei „Grünbuch“ musste ich doch mal bei Wikipedia nachschlagen, was damit gemeint ist:

„Ein Grünbuch der Europäischen Kommission ist ein Farbbuch, das als Diskussionspapier zu einem bestimmten Thema, insbesondere Vorlagen für Verordnungen und Richtlinien, mit dem Zweck, auf diesem Gebiet eine öffentliche und wissenschaftliche Diskussion herbeizuführen und grundlegende politische Ziele in Gang zu setzen, dient.“

Jedenfalls gibt es ein solches Grünbuch nun zum Thema mHealth. Es diskutiert Fragen… Den ganzen Beitrag lesen »


Donnerstag 20. März 2014 von Prof. Dr. Christian Johner

Das Bürgerliche Gesetzbuch ist im Paragraphen §630  erweitert worden, in dem es nun heißt:

§630f (1) Der Behandelnde ist verpflichtet, zum Zweck der Dokumentation in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung eine Patientenakte in Papierform oder elektronisch zu führen. Berichtigungen und Änderungen von Eintragungen in der Patientenakte sind nur zulässig, wenn neben dem ursprünglichen Inhalt erkennbar bleibt, wann sie vorgenommen worden sind. Dies ist auch für elektronisch geführte Patientenakten sicherzustellen.

Den ganzen Beitrag lesen »


Donnerstag 23. Januar 2014 von Prof. Dr. Christian Johner

“Big data is like teen sex. Everybody is talking about it, everyone thinks everyone else is doing it, so everyone claims they are doing it.”

So ein Artikel bei MEDCITY News.

Zugegeben, ich war auch schon bei Veranstaltungen zu Big Data – hier im Kontext Gesundheitswesen –, bei denen ich nur dachte „wisst ihr eigentlich, über was ihr redet? Das ist doch nur angelesenes Wissen. Bringt doch erst mal Eure bisherige IT-Infrastruktur in den Griff.“

Ich gestehe, Den ganzen Beitrag lesen »


Freitag 12. Februar 2010 von Prof. Dr. Christian Johner

2013-12-06: HITA lebt, arbeitet und braucht Ihre Spende

Unser Verein „Healthcare IT for Africa e.V.“ lebt. Die letzten Tage haben wir die neue Webseite live geschaltet. Werfen Sie doch mal einen Blick darauf.

hita-ev

Das Projekt „Media for the Midwife Education“ ist genehmigt worden. Damit bekommen wir etwas Unterstützung, aber leider nicht so viel, wie wir benötigen, um vorort die notwendige Unterstützung leisten zu können.

Wir sind davon überzeugt, dass die Investition in die Ausbildung der Hebammen eine der wichtigsten Investition ist. Schließlich basiert das Ghanaische Gesundheitssystem auf der Leistungsfähigkeit von Pflegekräften und Hebammen – Ärzte gibt es kaum (teilweise nur einer auf 200.000 Personen).

Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende zu helfen! Sie können direkt auf unserer Webseite spenden. Jeder Betrag hilft, gleich ob klein oder groß, gleich ob einmalig oder regelmäßig.

2013-02-11: HITA lebt

Seit längerem habe ich nicht mehr über unser Ghana-Projekt berichtet, dabei ist es höchst aktiv und erfreut sich einer steigenden Zahl an Unterstützern.

Über die Beuth-Hochschule haben die Vorsitzenden unseres Vereins, Hildegard Mackert und Thomas Erkert, Studierende gewonnen, die sowohl an der Infrastruktur und am Fundraising arbeiten als auch persönlich für mehrere Monate nach Ghana reisen werden.

Das Ziel für dieses Jahr besteht darin, 20 Schulen zu vernetzen und das Projekt Wiki4Health voranzutreiben. Wir wissen von vielen Reisen, dass der größte Engpass und gleichzeitig der größte Wunsch der Pflegekräfte, die in Ghana defacto der Gesundheitswesen am Leben halten, darin besteht, mehr zu wissen und lernen zu können.

Dieser Wunsch ist so groß, dass mir ein Pfleger sage und schreibe 2 Tage (und Nächte) nachgereist ist, um das Lehrbuch zu bekommen, das ich ihm mitgebracht hatte. Wer in Ghana nur einen Tag gereist ist, weiß welche Strapaze dieser Pfleger für das Buch auf sich genommen hat.

Bitte unterstützen Sie unseren Verein!

2012-10-04: Update: Healthcare IT for Africa

Lange habe ich nicht mehr über unser Projekt in Ghana berichtet. Völlig zu Unrecht, denn unsere Initiative geht mit unverändertem Schwung weiter. Mit Jörg Lesch hat unser Verein seit zwei Jahren einen Technologieberater, der von seinem Arbeitgeber Altran regemäßig freigestellt wird, um nach Ghana reisen zu können. Mit Mirco Heise haben wir einen zweiten direkt in Ghana Aktiven gewinnen können.

Manches geht langsam voran. Wechsel in entscheidenden politischen Ämtern und die ausbaufähige Infrastruktur sind nur zwei von vielen Gründen, die das Arbeiten erschweren. Es sind wahrscheinlich auch die Gründe dafür, dass es so einer Initiative überhaupt bedarf. Und dass es derer Bedarf, daran besteht kein Zweifel. Viele Bilder haben sich mir tief ins Gedächtnis eingebrannt…

Gahna Report Healthcare IT

Unterstützen auch Sie unsere Initiative, durch Ihre Hilfe oder Ihre Spende. Möchten Sie mehr über die Initiative erfahren? Unser Vereinsvorsitzender Thomas Erkert freut sich über Ihre Nachricht (thomas.erkert@t-online.de).

2011-11-12: Unterricht – mit 350 Schülern

Was sich wie ein Horrorszenario anhört, das nicht einmal die pessimistischsten deutschen Pädagogen zeichnen können, ist harte Realität – in Ghana. Und für unsere Vereinsvorsitzenden Thomas und Hildegard, denn sie sind hier für ein paar Tage die Lehrer.

Gestartet wird der Unterricht mit einem Gebet und dem Singen der Schulhymne. Dann heißt es, mit 350 Schülern die Möglichkeiten des „Mobile Learning“ zu erarbeiten. In Kleingruppen, die fast übereifrige „Assistants“ betreuen, wird diskutiert und geschrieben. Eine scheppernde Mikrofonanlage und der aus Deutschland importierte Beamer sind Gold wert. Faszinierend ist auch die absolute Disziplin der Schüler.

In manchen Situationen nimmt der Workshop jedoch unerwartete Wendungen. Beispielsweise melden sich bei jeder Abfrage, wer ein Handy besitzt, weniger Schüler. Erst ein Lehrer klärt auf: Die Schüler glauben, dass sie ein Mobiltelefon geschenkt bekämen, wenn sie sich nicht melden. Tatsächlich ist der Prozentsatz der Handybesitzer nämlich sensationell hoch: Bei 100%! Nur die Möglichkeit damit aufs Internet zuzugreifen wird weniger genutzt: von etwa 20%.

Wie notwendig es ist, den Schülern Materialien bereitzustellen, wird immer offensichtlicher. Es fehlt am Elementarsten wie anatomische Zeichnungen und Fotos für den Anatomieunterricht. Wie will man Anatomie ohne solche Materialien lehren und lernen?

Die Mission des Vereins, genau diesen Missstand mit Hilfe der IT zu bekämpfen, ist und bleibt eine erstrebenswerte.

Helfen Sie uns durch Ihre Spende.

2011-05-20: Von der Mongolei bis Äthiopien

Campus Medicus zu Besuch am Institut

Manchmal staune ich nur noch. Was die Geschäftsführerin von Campus Medicus im Rahmen eines Kamingesprächs meinen Studierenden und mir berichtet, kann ich kaum glauben.

Sie hat es geschafft, in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Basel ein Telemedizinprojekt zu etablieren. Das alleine verdient Bewunderung. Wirklich ehrfürchtig werde ich, als sie uns zeigt, wer Tag für Tag das System nutzt:

Ärzte aus Ländern der zweiten und dritten Welt. Chirurgen, Pathologen und Radiologen aus der Mongolei, Äthiopien diskutieren gemeinsam untereinander und mit Ärzte aus Deutschland und der Schweiz Laborwerte, Röntgenbilder und histologische Befunde.

Das wäre doch auch etwas für unser Ghana-Projekt.

Ghana Report Röntgen 1

Ghana Report Röntgen 2

Erleben auch Sie solche Highlights. Das berufsbegleitende Masterstudium „IT im Gesundheitswesen“ ist ein Grant dafür. Dafür und für Ihre rasante persönliche und berufliche Entwicklung. Melden Sie sich gleich bei mir, damit wir Ihre Karriere planen können.

2011-05-09: Ende und Neubeginn

Abschied von Ghana, Vereinssitzung in Deutschland

Nach vier Wochen Regenwald, erbärmlichen Krankenhäusern, endlosen Dschungelpisten, überforderten Ministerien und überfüllten Krankenpflegeschulen ist Jörg zurück. Der Abschied in Ghana war herzlich, die Rückfahrt weitgehend problemlos (s. Foto).

Und jetzt ist Jörg wieder da. Frisch geduscht ;-), voll mit neuen Eindrücken und erfüllt vom Wunsch, unsere Initiative „Healthcare IT for Africa“ zu unterstützen. Am Mittwoch werden wir deshalb eine „Vereinssitzung“ im Institut in Konstanz abhalten und die nächsten/neue Ziele besprechen. Dazu sind Sie herzlich eingeladen.

2011-11-08: Die Hauptmeldungen im ghanaischen Fernsehen: Unser Verein!

Unser Africa-Corps ist wieder im Einsatz: Die Vorstände unseres Vereins „Healthcare IT for Africa“ muten sich wieder ein Mammutprogramm zu. Wieder heißt es unsägliche Reisen durch das Land auf sich zu nehmen. Wieder gilt es, mit den Vertretern der Behörden, v.a. des Gesundheitsministerium zu verhandeln. Mal wieder. Doch dieses Mal lit sensationellem Erfolg:

Nach jahrelangem Insistieren, nach ständig neuen Versuchen einer Kooperation mit ständig neuen Ansprechpartnern aus dem Gesundheitsministerium hat es nun einen Durchbruch gegeben:

Offiziell ist HITA jetzt offizieller Kooperationspartner des Gesundheitsministeriums. Und das haben die Vertreter des Ministerium nicht in einer unverbindlichen privaten Konversation, sondern vor großer Runde bekannt gegeben: Vor über 30 Pressevertretern von Zeitung, Rundfunk und Fernsehen verkündet der stellvertretender Gesundheitsminister die Zusammenarbeit.

Die großen Zeitungen und v.a. die drei Fernsehsender berichten in den Abendnachrichten darüber.

2011-05-04: Unterstützung durch das ghanaische Gesundheitsministerium!?!

Manche Hoffnungsschimmer kommen unvermittelt: Nachdem wir schon fast an der Bürokratie in Ghana verzweifelt sind, kommt wieder Bewegung in die Sache. Wie Jörg und König Ben melden, hat sich das Gesundheitsministerium in Ghana entschlossen, uns einen Serverplatz in einem Rack kostenfrei anzubieten. Mit allem, was man sich wünscht: Gute Anbindung (155 MBit), sicher gegen Diebstahl und Stromausfall und sogar mit Menschen, die so etwas administrieren können.

Ministerien in Accra

Jörg konnte sich Vorort ein Bild machen und bestätigt die Daten. Sogar eine kostenlose Einwahlnummer für Call2Learn soll es geben.

Mit so vielen guten Nachrichten hätte ich nicht gerechnet. Hoffentlich nicht zu schön, um wahr zu sein.

2011-04-19: Mobilfunk in Ghana

Das Bild, das sich Jörg, „unserem Mann in Ghana“, zeichnet, ist widersprüchlich: Auf der einen Seite bestätigt er, dass er fast überall Mobilfunkempfang hat.

Ältere Herren mit einem Handy

Auf der anderen Seite funktioniert der Datenaustausch weder über die Mobilfunknetze noch über die klassischen Netze ausreichend zuverlässig:

Mit 500B/s versucht Jörg zu zu mailen und zu surfen. Nicht mit 500kB/s, nicht mit 500MB/s und schon gar nicht mit 500GB/s. Mit 500B/s.

Das ist hart. Es macht aber auch klar, dass für die nächste Zeit realistisch nur unser Projekt Call2Learn Aussicht auf Erfolg hat. Die anderen Projekte treiben wir weiter voran und hoffen, dass der Ausbau der Mobilfunknetze möglichst rasch erfolgt

Wirklich überraschend ist diese Erkenntnis für uns aber nicht. Genau deshalb arbeiten wir mit der „Nursing School“ in Sewfi Wiawso daran, die Lehrinhalte für Call2Learn zu strukturieren und zu erstellen.

2011-04-17: Ghana – erste Eindrücke

Mit Jörg in Kontakt zu bleiben, ist nicht einfach: Nicht immer funktionieren die Leitungen ins Ausland. Internet gibt es nur sporadisch. Und doch erreichen mich Jörgs erste Eindrücke:

Afrika – mit einem Schlag ändert sich auch für ihn wieder alles: Kinderscharen laufen zusammen, um den weißen Mann zu begrüßen. Hier leben Menschen in — aus unserer Sichtweise — armseligen Verhältnissen, erscheinen aber glücklich. Sie feiern selbst Beerdigungen wie ein Volksfest. Man lebt in den Alltag, das Konzept langfristiger Planung erscheint unbekannter. Jörg schmerzt es zu sehen, wie  rücksichtlos man mit der Natur umgeht: Der Regenwald wird rücksichtlos gebranntrodet, die Lastwagen verpesten mit schwarzen Rußwolken die Luft, Altöl lässt man ins Erdreich versickern.

Jörg hat einige Erfahrungen in Ländern der Dritten Welt sammeln können. Doch der Umgang mit der ghanaischen Administration lässt ihn dann doch ein wenig verzweifeln. Jörg hört — genau wie Thomas und ich — viele Versprechnungen. Und auch die gleichen Forderungen trägt man an ihn heran: Welche Projektpläne er abzugeben und wo er was zu installieren hätte. Und Jörg genießt die Dinge, die uns in Europa so selbstverständlich erscheinen: Eine Dusche mit fließendem Wasser…

Ghana Report #18 — Rote Erde

Zwar nicht ganz ausgeschlafen, aber frisch geduscht geht es mit dem Zug den letzten Teil der Reise Richtung Heimat. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen:
Der Aufwand war sicher gewaltig: Eine Woche unseres mehr als raren Urlaubs, die nicht günstige Reise, Impfungen und Medikamente, stundenlange Autofahrten über Urwaldpisten, die ständige Gefahr an Malaria zu erkranken, der Anblick in den Krankenhäusern, bescheidene Unterkünfte, eine entnervende Bürokratie und ein Verkehrsunfall, der mir noch immer Nackenschmerzen verursacht, haben dazu geführt, dass wir das Maß dessen erreicht und teilweise überschritten haben, was wir bereit waren, finanziell, mental und körperlich zu geben.

Auf der Habenseite steht vor allem, dass wir nicht aufgegeben haben. Das war nicht immer selbstverständlich. Auch sind wir stolz, die Ziele (siehe #7) unserer Reise weitgehend erreicht zu haben:

  • Die Gewissheit, dass unser Call2Learn ausreichend gebrauchstauglich ist
  • Die schriftliche bestätigte Unterstützung der Ministerien für Gesundheit und Bildung
  • Ein genaues Verständnis davon, wie die technologische Anbindung unserer „Telefonanalage“ bewerkstelligt wird und welche Kosten damit verbunden sind
  • Die Unterstützung durch die Lehrer der Krankenpflegeschule und erste Aufteilung der Aufgaben

Dies alleine rechtfertigt den Aufwand aber noch nicht. Es sind vielmehr die Momente der Dankbarkeit, die man erfährt. Es ist der „Nursing Practicioner“, der insgesamt zwei Tage mit dem Bus quer durch Ghana gefahren kam, um uns zu treffen und unser Geschenk abzuholen, ein Buch über klinische Medizin. Es ist die Gewissheit, dass alles, was uns gelingt, besser sein wird, als es beim Status quo zu belassen.

So sitze ich nachdenklich in einem sauberen und ruhigen deutschen Zug. Die Mitreisenden ärgern sich über 20 Minuten Verspätung. Ich schaue auf meine Schuhe. Sie zeigen noch die deutlichen Spuren unserer Reise: Rote afrikanische Erde.

Ihr Christian Johner

— Ende des Ghana Reports —

Ghana Report #17 — Es geht zurück

Über zwei wunderbare Überraschungen dürfen wir uns am Flughafen freuen. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, denn der Tag hatte gar nicht so besonders begonnen.

Es war wieder der Tag der Ministerien und Behörden. Langes Warten, zähes Feilschen mit Bürokraten. Doch die Ergebnisse sprechen für uns:

  • Neben dem Gesundheitsministerium unterstützt auch das Bildungsministerium unsere Projekte und formuliert das sogar schriftlich.
  • Die „Ghana Communication Authority“ gibt uns Tipps, wie wir unsere Lehrinhalte per Radio und TV (unsere neuste Idee) verbreiten.
  • Und aus der ehemaligen Ghana Telecom ist in Form der Vodafone ein Unternehmen geworden, das interessiert ist, mit uns Geschäfts zu machen. Ob und wenn ja wie nachhaltig der Ausbau des Breitbandnetzes Richtung Sewfi Wiawso, „unserem“ District, wirklich beschleunigt wird, können wir noch nicht beurteilen. Aber die Tatsache, dass wir mit District Chief und King Ben erscheinen, also der politischen und traditionellen Führung, macht Eindruck. Und auch im Bezug auf unsere Einwahlnummer kommen wir den entscheidenden Schritt weiter.

Nach diesem ganztägigen Meeting-Marathon stehen wir völlig ausgebrannt am Check-In-Schalter an. Eine SMS lässt mein Handy vibrieren. Ungläubig lese ich den Absender: Ghana Police. Sie wollen mit dem Mindmailer starten. Ich muss schmunzeln. Nur Minuten haben wir sogar Anlass zum Jubeln: Upgrade in die Business Class. Wie wunderbar!

Gerade als wir durch die Passkontrolle wollen, erscheint eine Gruppe Polizisten. Als sie uns bemerken, steuern sie direkt auf uns zu. Was ist jetzt los? Gibt es nochmals Ärger wegen des Unfalls? Bitte macht uns keine Schwierigkeiten, denke ich, lasst uns bitte heim fliegen. Und dann erkennen wir den Anführer, einen „3-Sterne-Polizisten“, wieder. Wir hatten ihn auf der Polizeistation nach dem Unfall kennen gelernt. Er ist mit seinem Team den ganzen Weg von der Stadt zum Flughafen gefahren, um sich von uns zu verabschieden. Dieses Land tickt einfach anders…

Ghana Report #16 — Fahrstunden

Unser Fahrer John hat heute einen anstrengenden Tag. Der erste Teil der Rückreise beginnt: Acht Stunden dauert die Fahrt nach Accra. Ich habe nicht mehr ganz so viel Angst wie auf der Herfahrt. Das liegt auch daran, dass John inzwischen besser fährt. Unser König Ben Brafi hat ihm die meisten Verkehrsschilder und die Grundzüge des Überholens erklärt. Zwar bin ich davon überzeugt, dass John schlecht sieht, aber wenigstens fährt er nicht mehr immer auf der Straßenmitte.

Inzwischen müsste man für den Führerschein auch Fahrstunden nehmen, klärt mich Ben auf. John habe seinen Führerschein aber noch so bekommen. Der Unfall am ersten Tag – Thomas leidet noch immer unter dem Schleudertrauma – war wohl nicht nur Pech.

Ghana Report #15 — Medizintechnik

Heute steuern wir insgesamt vier Kliniken bzw. „Krankenhäuser“ an. Einen Arzt bekommen wir zwar nicht zu sehen, dafür die immer gleichen Probleme:

  • Malaria als häufigste Krankheitsursache.
  • Die hygienischen Verhältnisse.
  • Die überforderten Pflegekräfte, auf denen die komplette Gesundheitsversorgung lastet.
  • Die „technische Ausstattung“.

Lassen Sie mich zwei Beispiele nennen, die bezeichnend für diese Situation sind:

Im Distrikt-Krankenhaus finden am Tag etwa fünf Operationen statt. Der OP-Saal ist von den restlichen Räumen durch eine Schwingtür getrennt. Die Fenster lassen sich nicht ganz schließen, lediglich die Schuhe wechselt man. Wahrscheinlich ist es zynisch zu denken, dass multiresistente Keime hier kein Problem darstellen. Wir sehen eine Beatmungsmaschine und ein Gerät zum Koagulieren der Gefäße. Der OP-Tisch sei leider defekt, entschuldigt sich der Administrator.

Im gleichen Krankenhaus gibt es zwei Röntgengeräte. Beide von Philips. Beide fünf Jahre alt. Beide noch nie benutzt. Es fehlt der Techniker, der sie bedienen könnte. Außerdem ist das Gebäude mit dem Röntgengerät über 100 Meter von den anderen Gebäuden (bei uns würde man es Baracken nennen) entfernt. Und der Weg dahin ist nicht nur bei Regen (wir sind hier im Regenwald) für Patienten kaum passierbar. So wird statt der notwendigen 20 Röntgenuntersuchungen am Tag nur eine durchgeführt. In einer etwa 20km entfernten Klinik. Mit dem Geländewagen kommt man da auch bei Regen hin.

Trotz oder gerade wegen dieser Beobachtungen fühlen wir uns bestätigt: Unsere Projekte setzen keine neue Technologie voraus, sondern basieren ausschließlich auf dem, was erprobt und vorhanden ist. Sie setzen dort an, wo es am meisten nottut: Bei den Pflegekräften und Medical Assistents, welche jeder Form der Unterstützung dringendst benötigen.

Während der Gespräche mit dieser Berufsgruppe entwickeln wir gemeinsam neue Ideen. Wir erleben die Begeisterung über unsere Pläne und ersten Ergebnisse. All das stimmt uns froh. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Ghana Report #14 — Rassismus?

„Good Morning, Massa“ begrüßt mich der Fahrer. Ich habe es aufgegeben zu bitten, nicht Massa genannt zu werden. Schon einmal etwas von political correctness gehört? Zwar sind die Hierarchien für mich nicht ganz zu durchschauen, aber sie sind offensichtlich existent: Es ist klar, wer wen mit Namen anspricht. Es ist klar, wer die Koffer trägt und wer nicht. Wer am Tisch mitessen darf und wer nicht. Wer das Geld hat und wer es dem Verkaufspersonal geben muss.

Ist es Rassismus, wenn ein Mensch mit dunkler Hautfarbe einen anderen gleicher Hautfarbe so behandelt? Wie ist es zu beurteilen, wenn Politiker ihre Wähler mit Geld motivieren, das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen? Ich erlaube mir keine Wertung. Zu komplex sind hier die sozialen Beziehungsnetzwerke aus Stammeskönigen, Unterkönigen, staatlichen Institutionen und Familienclans. Auch möchte ich nicht darüber urteilen, ob oder wie sehr der Kolonialismus zur hiesigen Situation beigetragen hat. Die Dinge nur mit unserer westlichen Brille zu betrachten, wäre zu einseitig.

Ich denke an einen Song von Katie Melua: „The line between wrong an right has the width of thread of a spider’s web.”

Ghana Report #13 — Diesseits von Afrika

Es ist schnell Nacht geworden – richtig dunkel. Keine Straßenlaterne spendet Licht. Grillen zirpen, und für einen Moment steigt ein fast romantisches Afrika-Gefühl in mir auf. Ich denke an Tania Blixens „Jenseits von Afrika“: „Ich hatte eine Farm, am Fuße der Ngong-Berge…“.

Doch ein Ghetto-Blaster holt mich zurück, ruft die Bilder der letzten Tage ins Gedächtnis: Die nächtlichen Ausfallstraßen Accras, auf denen Menschen umherlaufen, mit Lebensmitteln und Produkten aus China handeln, auf offenem Feuer kochen — irgendwie überleben. Bilder, die eher an Mad Max als an die Serengeti erinnern. Es sind Bilder endloser Straßen durch den Urwald, oder dessen, was davon noch übrig ist. Es sind die Bilder der erbärmlichen Krankenstationen. Es sind die Bilder von Neugeborenen, Bilder von spielenden Kindern, von schwangeren Frauen und sterbenden Menschen. Der Kreislauf von Leben und Tod wirkt ebenso alltäglich wie banal. Und ich ein Teil dessen.

Ein Knall, dann ist es absolut dunkel. Der Strom ist ausgefallen. Zum wiederholten Mal heute. Mit dem Handy leuchte ich den Weg ins Bett, taste nach meinem MP3-Spieler. Und für einen Moment liege ich in meinem sauberen Bett in Deutschland.

Ghana Report #12 — Wende zum Erfolg?

„Professor Christian? – Professor Christian?“. Langsam dringt es in mein Bewusstsein durch, dass ich gemeint bin. Es ist kurz nach sieben Uhr. Abends. Völlig übermüdet scheine ich in einen tiefen Schlaf gefallen zu sein.

Überraschend plangemäß sind wir vor sieben Stunden vor der „Health Assistant Training School“ vorgefahren. Hinter uns eine stundenlange Fahrt über Schotterpisten. Fast knietiefe Schlaglöcher bringen die Federung unseres Geländewagens regelmäßig zum Durchschlagen. Sicher nicht die ideale Behandlung von Schleudertraumata.

Lehrer, Tutoren, Krankenpfleger und Krankenschwestern sowie Schülerinnen und Schüler warten auf uns. Insgesamt etwa 60 Personen stehen gespannt zum Workshop bereit. Mimmi, die Schulleiterin hat ganze Arbeit geleistet. Auch wenn sie nicht ganz sicher ist, was der Zweck dieser Treffen ist.

Eine halbe Stunde später. Eine kurze Einführung, dann starten die Workshops. Wir erheben die Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen. Gleichen diese mit unseren bisherigen Entwicklungen ab. Usability Lab mit Call2Learn – mein Requirements-Guru Thomas Geis hätte sicher seine Freude. Nach fünf Stunden sind wir fertig. In jeder Hinsicht. Doch die Liste der Ergebnisse macht uns stolz:

  • Wir haben die Nutzergruppen identifiziert. Es sind noch mehr als gedacht.
  • Von jeder Gruppe kennen wir deren Prozentzahl an Handybesitzern (100%), Computerbesitzern, Internet-Nutzern
  • Wir wissen, wie jede dieser Gruppen lernt und sich Informationen beschafft. Wir kennen die relevanten Bücher und wissen, wo die Probleme liegen
  • Die Lehrer und Tutoren haben uns die Navigationsstruktur für unser Projekt Call2Learn gegliedert.
  • Sie stehen bereit, die Lehrinhalte als Audiodateien aufzunehmen.
  • Wir wissen, mit welchen Themen in welcher Priorität wir starten.
  • Es ist klar, in welchen Lernumgebungen Call2Learn eingesetzt wird
  • Wir wissen, wie gut die Nutzer mit Call2Learn umgehen können und wo es noch Probleme mit der Gebrauchstauglichkeit gibt
  • Usw. usw.

Es scheint, als ob die ganze Reise, sämtliche Strapazen in genau diesen fünf Stunden ihren Sinn bekommen hätten. „Mission accomplished“ freuen wir uns auf der Fahrt ins Hotel, das wahrscheinlich auf seinen ersten Stern noch etwas warten muss.

„Professor Christian? – Professor Christian?“ Unser Fahrer wartet und möchte mich zum Abendessen abholen. Ich muss beim Zusammenfassen der Ergebnisse eingeschlafen sein.

Ghana Report #11 — Ministerien

Good things first: Wir leben. Wir sind körperlich gesund. Wir hatten etwas Ähnliches wie ein Hotel zum Übernachten. Und wir haben noch nicht aufgegeben. Denn der gestrige Tag hatte noch mehr zu bieten, als bisher berichtet:

Es war der Tag der Ministerien: Gleich am Morgen fahren wir ins Gesundheitsministerium. Dort heißt es warten. Endlich sind wir dran. Ewige Erklärungen, weshalb das Memorandum of Understanding noch nicht fertig sei.

Wir starten erneut, über die Projekte zu sprechen. Nicht einfach bei einem Gesprächspartner, dessen mittlere Aufmerksamkeitsspanne bei etwa 30s liegt. Handy und die Startseite von Yahoo! sind starke Konkurrenten. Ein erneuter Versuch, das MOU zu bekommen, scheitert. Wer will hier eigentlich was vom wem, frage ich mich.

Einige Ablenkungsmanöver und Schmeicheleien später nennen wir das MOU einfach „Letter of Confirmation“. Und schon geht es. Noch im Büro des Ministers formulieren wir den Brief. Thomas verdrängt anschließend die Sekretärin des Gesundheitsministers von ihrem Rechner und druckt den Brief zum Unterschreiben auf. Doch zu früh gefreut:

Wie ein Deutschlehrer korrigiert der Head of Administration den Brief und gibt ihn uns zurück. Setzen sechs. Bitte verbessern. Erneut drucken. Erneut zum Unterschreiben anstehen. Erneut verbessern. Erneut drucken. Erneut anstehen. Erneut verbessern. Viermal lassen wir die Prozedur über uns ergehen. Die Macht der Bürokratie bekommen wir eindrucksvoll demonstriert.

Doch dann haben wir das begehrte Dokument. Mit diesem Schreiben können wir nun bei anderen Behörden vorstellig werden. Visa kostenfrei beantragen, Förderanträge stichhaltiger gestalten. Beharrlichkeit zahlt sich aus.

Als Dank für ihre Geduld bekommt die Sekretärin von Thomas eine Wordschulung. Teil 1, die Formatierung von Absätzen. Bis zur Verwendung von Dokumentenvorlagen werden wir noch einige Besuche benötigen.

Der anschließende Besuch im Erziehungsministerium gleicht dem Besuch auf einem anderen Planeten. Ein eloquenter Gesprächspartner, der feinstes British English spricht und unsere Ideen nach Sekunden versteht, aufgreift und weiterführt. Dieser Minister wird uns sicher noch von großem Nutzen sein.

Und bei noch etwas haben wir gestern Glück im Unglück: Wir dürfen bereits nach 5h die Polizeistation wieder verlassen. Denn Thomas gelingt das Kunststück, an den Chef der ganzen Behörde zu kommen. Der hat einst in Dortmund studiert. Und nach einer Einführung in den Mindmailer, ist er so begeistert, dass er uns ziehen lässt. Nicht ohne ein nettes „Tschüss“ und mir die Gelegenheit zu geben, den gestrigen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Die Polizei – dein Freund und Provider.

Der gestrige Tag endet spät. Irgendwo in der Nähe von Cape Coast.

Es ist 4:50. Vor uns liegen 6h Fahrt durch den Urwald.

Ghana Report #10 — Am Ende

Quietschende Reifen. Ein schwerer Schlag. Mein Kopf donnert an die Rücklehne. Glassplitter fliegen umher. Mein Rucksack wird aus dem Auto geschleudert. Dann Stille. Thomas, bist Du unverletzt?

Accra, heute Mittag. Ein Bus ist uns mit voller Wucht in unser Auto gekracht. Ganz unschuldig war unser Fahrer nicht. Zu knapp hat er vor dem Bus gebremst. Dass dieser völlig verrostete Bus überhaupt Bremsen hat, wundert. Nun stehen wir am Straßenrand. Thomas und ich mit Schmerzen im Hals und der Lendenwirbelsäule. Eine aufgebrachte Menge zetert und schreit. Für kurze Zeit habe ich Angst, dass sie unserem Fahrer Gewalt antut. Ohne unseren schweren Geländewagen, wären wir sicher nicht so ungeschoren entkommen.

Noch gestern wollte ich unsere Glaskuppel verlassen, in das Land eintauchen. Dass dieser Wunsch in so metaphorischer Weise erfüllt wird, hätte ich nicht geahnt. Jetzt stehen wir hier. Ohne den Schutz des Autos. Ohne einen Plan, wo wir heute Nacht schlafen können. Ohne einen Grund, dieses Projekt weiterzuführen. Zumindest fällt mir noch unter dem Eindruck des Unfalls gerade keiner mehr ein.

Ghana Report #9 — In den Startlöchern

Auf geht’s. Ich bin gespannt, was wir heute erreichen können. Auch wenn der gestrige Abend mir einmal mehr klar gemacht hat, dass die Aufgaben nahezu unlösbar sind.

Der District Chief (DC), das könnte man mit einem Landrat oder genauer einem kleinen Fürsten vergleichen, kam gestern Abend doch noch. Er sah zwar rundlicher als das letzte Mal aus, aber auch angeschlagener. Die Malaria und irgendwelche Parasiten setzen ihm sehr zu. Seine Eigentherapie mit Kräutern scheint der Schulmedizin nicht überlegen zu sein.

Die Situation beim Abendessen war surreal: Wir sitzen in unserem feinen Hotel, das sich die größte Mühe gibt, wie ein westliches zu wirken. Alphaville dudelt im Hintergrund, allerdings nicht das Original, sondern eine Cover-Version im Botempi-Sound. Die Zimmer könnten auch irgendwo in Deutschland sein. Zumindest wenn der Teppich fertig verlegt, die Minibar mir zumindest einem Getränk gefüllt und vielleicht sogar ein Handtuch bereitgestellt würde.

Fast beschwörungsartig versichert der DC sein „Committment“. Das haben aber bisher alle getan. Geschehen ist aber nicht immer viel. Es liege an der Bürokratie in Ghana, entschuldigt der DC die Tatsache, dass das Memorandum of Understanding nach drei Monaten noch immer nicht fertig ist.

Und genau diesen Ministerien sollen wir heute erklären, welche Anforderungen eine PBX stellt und was DID ist? Ohne die Telefonanlage gibt es aber kein Telemedizinzentrum und kein Mobilfunk-basiertes Lernen.

Fast unlösbare Aufgaben. Egal, jetzt heißt es wieder eintauchen in diese ganz besondere Welt. Das ist Afrika.

Ghana Report #8 — Polizei, Dein Freund und Fahrer

Tag 0. Ob das ein Omen ist? Hoffentlich nicht, denn einiges läuft anders als gedacht. Wir sind noch nicht richtig in Ghana angekommen als die ersten Problemchen beginnen.

Polizei, Dein Freund und Fahrer

Das Schreiben des Gesundheitsministeriums liegt nicht vor. Das wäre für die Einreise nützlich gewesen. Das war zumindest der Tipp des Ghanaischen Konsulats in Berlin auf unsere Frage, wie man an ein Visum käme. Die Frankfurter Botschaft ist nämlich zurzeit geschlossen. Man zieht um. Ohne Visum keine Einreise. Und auch unser König fehlt. So warten wir vor der „Immigration“.  „Lost in transit“ denke ich.

Vor den Einreiseschaltern herrscht inzwischen gähnende Leere. Da fällt die Werbung des Mobilfunkanbieters Tigo noch stärker auf. Sogar die Kontrollhäuschen sind mit Werbung versehen (Abb. 1).

Unseren König bemerke ich erst gar nicht. Er kommt in einer Gruppe von Polizisten. Endloses Palaver. Aber es nützt nichts, wir müssen zahlen. 150 USD kostet das Visum. Die anschließende Fahrt mit dem Polizeiauto (VW Polo) gibt’s dafür gratis (Abb. 2).

Dass auch unsere Hotelreservierung nicht funktioniert hat, überrascht mich nicht mehr. Der Preis für eine Übernachtung hingegen schon. 250 USD. Das ist uns zu viel. Zum Glück finden wir für „nur“ 150 USD ein Best Western Hotel. Hat vor drei Monaten geöffnet. Sogar das Internet funktioniert – zumindest wenn man den „staff account“ nutzt.

Es ist 18:00. Schlagartig ist es Nacht geworden. Es gäbe noch ein paar Probleme, deutet unser König an. Und damit meint er nicht, dass wir seit über eine Stunde auf den District Chief warten. Tag 0 bedeutet offensichtlich, bei null zu beginnen. Irgendwie bin ich sehr müde.

Ghana Report #7 — Die Ziele

Ein halbes Jahr später. Im Februar war ich in Ghana, und jetzt mache ich mich erneut auf die Reise. Wieder bin ich etwas nervös. Auch weil ich weiß, was auf mich zukommen kann: Dass Malaria, Verkehrsunfälle und Lebensmittelvergiftungen drohende Begleiter auf diesen Reisen sind, habe ich mehr erfahren müssen, als mir das lieb war. Dabei geht es doch um was anderes:

Es geht um nicht weniger als um die Frage, ob wir unsere Projekte zum Erfolg führen können. Nie hätte ich geahnt, wie schwierig es ist, ein Hilfsprojekt zu etablieren. Dabei sind die finanziellen Herausforderungen wahrscheinlich noch die am leichtesten lösbaren. Es gilt Menschen zu finden und zu begeistern, welche die Projekte im Land nachhaltig verankern. Wir benötigen Mitstreiter in Deutschland, v.a. aber auch in Ghana. Sonst scheitern alle Bemühungen bereits an den Kommunikationshürden:

Telefonieren ist aufgrund der sprachlichen Hürden kaum möglich. Zu sehr unterscheidet sich das „Englisch“. Meine Vorstellung, über E-Mail kommunizieren zu können, war zu optimistisch, fast schon naiv. Das ist mir erst klar, nachdem mir ein Ansprechpartner versprochen hat, „nächste Woche“ in die Stadt zu fahren und seine E-Mail abzurufen. In der Hoffnung, dass dann das Internet-Café Strom und Internet hat.

Als Ziele für unsere Reise habe ich mir vorgenommen, herauszufinden

  • ob und wenn ja wie man die „PBX“, die Telefonanlage, bei einem Telefonanbieter wie Vodafone Ghana unterbringen kann,
  • wer bereit ist, das Curriculum für unser Projekt Call2Learn zu definieren und Beiträge zu erstellen. Hier hoffe ich auf Unterstützung durch die Nursing School
  • inwieweit die Lernenden ein Lernen über das Mobiltelefon annehmen. „Validierung der Gebrauchstauglichkeit mittels teilnehmende Beobachtung“ würde das mein geschätzter Referent für Usability, Thomas Geis, nennen.
  • welche Unterstützung durch die lokalen Behörden wie den Ghana Health Service tatsächlich besteht.
  • wie ich die zahlreichen Angebote zur Mithilfe orchestrieren kann, um daraus etwas Ganzes zu schaffen. Eine Person ist sogar bereit, für mehrere Monate nach Ghana zu fahren (danke JL!).

Ich erwarte nicht, Antworten auf alle Fragen in dieser Woche zu erhalten. Aber ich möchte ein Stück weiter sein. Ich möchte besser verstehen, was gebraucht, gewünscht und akzeptiert wird. Ich möchte meine Gewissheit stärken, einen kleinen Beitrag leisten zu können.

Und dazu mache ich mich jetzt auf den Weg.
Ihr Christian Johner

Ghana Report #6

Gleich bin ich daheim. Richtig daheim. Vor über 30 Stunden hat die Reise in Sewfi in der „Western Region“ Ghanas begonnen. Es dauerte den ganzen Tag, bis uns der Geländewagen der Bezirksregierung nach Accra gebracht hat. Fast irritiert sind wir, als wir nach Tagen den ersten weißhäutigen Menschen sehen.

Thomas freut es, dass sein Messer bei der Durchleuchtung nicht auffällt. Im Nachtflug geht es zurück nach Frankfurt. Nie wieder Economy ;-). 35° Temperaturdifferenz denke ich beim Aussteigen. Meine Jacke ist im Koffer.

Gerädert, überwältigt von Eindrücken und mit einer klaren Vision für das Projekt nähere ich mich meinem Zuhause. Wir sind auf einem hervorragenden Weg!

Christian Johner

Ghana Report #5

Starke Bauchkrämpfe lassen keinen Zweifel: Das Frühstück hätte ich besser stehen lassen sollen. Im Nachbarhaus braut sich hingegen ein wirklicher medizinischer Notfall zusammen. Lautes Geschrei erhebt sich. Binnen weniger Minuten haben sich Dutzende Menschen versammelt. Drei Männer schleppen eine schreiende Frau in ein altes Auto und brausen davon. Am Mittag erfahren wir, was passiert ist.

Zum Vergrößern bitte Anklicken

Zwei wichtige Termine stehen heute auf der Tagesordnung, die „Landnahme“ und der Besuch einer Krankenpflegeschule.

Unser König stellt mehrere Hektar Land zur Verfügung, auf der wir unsere Schule und den ghanaischen Ableger des Instituts gründen werden. Eine ganze Delegation begleitet uns als wir mit König Ben Brafi die Grundstücke besichtigen. Ein bewegender Moment. Doch es wird noch intensiver:

Die Krankenpflegeschule besteht aus einem Gebäude, in dem u.a. die Administration untergebracht ist, und zwei Baustellen. Das einzige was ich nicht sehe, sind die Schulräume. Nur ein verwaistes Whiteboard deutet darauf hin, dass hier mal Unterricht stattfand. Und wo sind die ganzen Schüler, frage ich die Schulleiterin? Ich bin mir nicht sicher, ob sie meine Frage verstanden hat, und laufe ihr hinterher. Richtung eines kleinen Gebäudes. Wir zwängen uns durch eine enge Tür in einen dunklen Gang. Werden wir jetzt die Schlafräume zu sehen bekommen? Der enge Gang führt auf einen Innenhof. Gleißendes Licht blendet mich. Erst langsam erkenne ich, dass hier die Krankenpflegeschüler sitzen. Nicht 5 oder 10. Auch nicht 50 oder 100. Es müssen mehrere 100 sein. Als sie ihre Schulleiterin erkennen stehen sie auf. Totenstille. „Good morning“ sagt diese. „Good morning“ antworten Hunderte Schüler wie mit einer Stimme. Die folgenden 20 Minuten zählen wahrscheinlich zu den aufregendsten und aufwühlendsten meines Lebens. Den frenetischen Jubel, der uns entgegenschlägt, als wir unsere Pläne skizzieren, werde ich niemals vergessen.

Zum Luft holen bleibt keine Zeit: Der Verwaltungsleiter und die Pflegedienstleiterin sind wütend. Sie sind verzweifelt. Sie können nicht mehr. Sie zeigen uns die Räume, in denen Patienten behandelt werden und gehen mit uns „auf Station“. D.h. in die Baracken, in denen die Patienten liegen. Die gesünderen auf dem Boden, die anderen in Betten. Es ist unerträglich heiß unter dem Blechdach. Wie kann es sein, fragt mich der Administrator, dass Patienten auf dem Boden liegen müssen. Wie kann es sein, dass aus Raummangel die Geburtsabteilung unter dem gleichen Dach ist wie die Männerabteilung. Wie kann es sein, dass es nur einen (sic!) Arzt für 170.000 Patienten gibt? Ich habe keine Ahnung.

Als Thomas zum Abschied den Verwaltungsleiter fragt, wann der Krankenwagen – es ist der erste den wir sehen – eingesetzt würde, antwortet letzterer: um die Toten von der Station zur Leichenaufbewahrung zu fahren. Dabei deutet er auf ein Gebäude. Es ist größer, als die Geburts- und Männerstation zusammen.

Gegen Nachmittag klingelt das Telefon. Ob ich Professor Johner sei. Man sei von der Stiftung, die ich mit der Bitte um Unterstützung angeschrieben habe…

Ohne Worte, Ihr Christian Johner

PS: Am Abend erklärt man uns, dass die Patientin am Morgen deshalb geschrien hatte, weil sie sich von Ihrer Schwiegermutter mit dem Buschmesser verfolgt gefühlt hätte. Das ist bemerkenswert: Die Schwiegermutter ist seit mehreren Jahren tot. Auch solche Notfälle musste unser Krankenhaus heute betreuen.

Ghana Report #4

Ein lautes Geräusch reist mich auf dem Schlaf. Die Klimaanlage ist angesprungen. Offensichtlich gibt es wieder Strom im Gästehaus des Ministerpräsidenten. Ich frage mich, wie ich bei dem Krach überhaupt habe einschlafen können. Und döse wieder weg. Doch nur für kurze Zeit. Wie Peitschenknall zieht ein tropisches Gewitter über uns weg. Sein Regen begleitet uns für den ganzen Tag:

Auf matschigen endlosen Straßen geht es nach Norden, immer weiter ins Landesinnere. Vorbei an Goldminen und zahllosen kleinen Siedlungen aus Lehm- und Blechhütten. Vorbei an Brandrodungen und völlig überladenen Langholztransportern. Es sind Bilder, die man aus dem Fernsehen oder dem Geografie-Unterricht kennt. Und jetzt stehe ich mitten drin. Beginne zu verstehen, wie man lebt, wenn fließendes Wasser und Strom nicht selbstverständlich sind und das nächste Krankenhaus weit ist.

Nur der Mobilfunkempfang scheint fast überall gewährleistet. Und selbst Kinder spielen bereits mit Handys. Die Älteren – und wirken sie noch so ärmlich – haben ein solches Gerät. Die Mobilfunkprovider haben ganze Arbeit geleistet. Ganze Straßenzüge leuchten in Vodaphone-Rot, MTN-Gelb oder Zain-Grün. Unser Kommunikationsmedium steht. Und unser Plan erscheint immer realistischer…

Ghana Report #3

Christian soll der Kleine heißen. Das beschließt die junge Frau mit dem Neugeborenen im Arm, die wir in unserer ersten Klinik treffen. Denn bis jetzt hat die sehr schwach wirkende Mutter noch keinen Namen für ihr Kind. Trotzdem erwartet man von ihr, dass sie die Clinic bis heute, jedoch spätestens bis morgen früh, also 24h nach Geburt verlassen hat. Dafür wird der hochschwangeren Frau im Nachbarbett ein besonderes „Angebot“ gemacht:

Sie soll ins nächst größere Krankenhaus eingeliefert werden. Etwas scheint nicht zu stimmen. Und die Wöchnerin hat bereits fünf Kinder bei der Geburt verloren.

Die Betten in den Clinics sind rar. Eigentlich gibt es nur welche für die Frauen kurz vor und nach der Geburt. Wenn wie diese Woche eine todkranke HIV-Patientin kommt, wird sie aber auch dazu gelegt. Sie war offensichtlich alleine und wollte hier sterben.

Obwohl ich mir bewusst bin, dass diese Eindrücke nicht mehr sind, als das Kratzen an der Oberfläche, so sind sie doch sehr intensiv und lassen mich langsam verstehen, wie das Gesundheitssystem funktioniert: Auf der einen Seite fehlt es am Elementarsten: in den Clinics gibt es keine Ärzte. Die hygienischen Verhältnisse bedürfen keiner Beschreibung. Ausstattung wie Medizingeräte außer Waage und Blutdruckmessgeräte gibt in es den Clinics kaum. Die Patienten weigern sich oft, der Überweisung von einer Clinic ins Krankenhaus zu folgen. Es fehlt ihnen oft das Geld, um die Fahrt zu bezahlen. Das Transportmedium für diese todkranken Menschen ist das Taxi. Ebenso wie für schwerstverletzte Unfallopfer.

Auf der anderen Seite finden wir überall medizinisches Personal, das seine Arbeit liebt. Auf die Frage, welches ihr größter Wunsch sei, antworten ausnahmslos alle gleich: Zu lernen und sich weiter zu qualifizieren. Das ist diesen Menschen bei weitem das Allerwichtigste und bestätigt uns sehr in unserem Bemühen, mit unserem Projekt genau hier anzusetzen. Und noch etwas scheinen wir richtig eingeschätzt zu haben: die Mobiltelefone sind DAS Medium, über das jeder verfügt und und mit dem er kommuniziert. Sämtliche Pflegekräfte die wir befragen nutzen es, um sich Informationen von Kollegen und Ärzten zu holen. Täglich. Und das obwohl sie die Telefongebühren aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Ich habe wieder Hoffnung..

Christian Johner

Ghana Report #2

Es wird ernst. Malaria, Armut und Tod begegnen mir gleich am ersten Tag. Doch der Reihe nach:

Mit dem Auschecken aus dem 4-Sterne-Hotel in Accra tauche ich ganz langsam in die mir doch fremde afrikanische Welt ein. Es stehen wichtige Besuche auf dem Programm: Beim Chef des Ghana Health Service und beim Vize-Gesundheitsminister. Ohne unseren König Ben und seine Kontakte hätten wir kaum eine Chance vorgelassen zu werden. Zu viele leere Versprechungen haben andere Hilfsorganisationen in der Vergangenheit gemacht. Doch uns hört man zu. Wir scheinen sogar offene Türen einzurennen. Thomas, der die Reaktion unserer Gesprächspartner besser einschätzen kann als ich, ist begeistert. So ein „Committment“ hat er selten erlebt. E-Health ist offensichtlich ein Thema, das auf der Projektliste der staatlichen Organisationen ziemlich oben steht. Und unser Ansatz, die Ausbildung der Pflegekräfte durch Kommunikations- und Informationstechnologien zu fördern, passt genau ins Programm. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wirklich? Nur Stunden später kommen mir ernste Zweifel:

Der nächste Termin ist für den Abend in Secondi-Takoradi geplant. Beim Ministerpräsidenten der „Western Region“. Diese Region erwirtschaftet dank Kakao und Bodenschätze etwa die Hälfte des ghanaischen Bruttosozialprodukts. Secondi-Takoradi liegt vier Autostunden westlich der Hauptstadt Accra in der Nähe der Grenze zur Elfenbeinküste. Je weiter wir fahren, umso ärmlicher werden die Verhältnisse. Die Menschen leben auf der Straße. Sie verkaufen alles, was man sich vorstellen kann. Von Fußmatten über Fußbälle bis Riesenschnecken. Letztere sollen angeblich eine Delikatesse sein. Mir ist nach der gegrillten Bisamratte zum Mittagessen nicht mehr danach.

Ich frage mich, wie es all den Menschen auf der Straße gelingen mag, nicht überfahren zu werden.  Sie laufen einfach zwischen den Autos. Gleich ob die 10 oder 100km/h fahren. Stunden später weiß ich, dass das nicht immer gelingt. Man zieht einen überfahrenen Menschen unter einem Bus heraus. Es ist nicht der einzige tödliche Unfall, an dem wir an diesem Tag vorbei fahren.

Vorbei an unzähligen Dörfern aus Lehm- und Blechhütten geht es weiter. Dazwischen Unrat, Wassertümpel und Bäume, die immer mehr zum Urwald werden. Brandrohdungen machen klar, dass die Umwelt ähnlich wenig zählt wie das Leben eines Menschen. Bedeutet unser Projekt nicht einmal einen Tropfen auf dem heißen Stein? Es scheint so hoffnungslos, auch nur den Versuch zu unternehmen, hier etwas zu ändern.

Ich fühle mich unwohl. Unser König leidet während der Fahrt an Malaria. Ich gebe ihm eine meiner abgezählten Tabletten. Jetzt geht es an die Vorräte. Unbeirrt peitscht unser Fahrer den Geländewagen des Gesundheitsministerium weiter Richtung Secondi-Takoradi. Trotz des halsbrecherischen Fahrstils gelingt es nicht, vor der Dunkelheit anzukommen. Zum Glück wohlbehalten. Das ist nicht selbstverständlich.

Der Ministerpräsident wartet noch, als wir endlich eintreffen. Ein kurzes und höfliches Gespräch ebenen uns weitere Kontakte für den nächsten Tag. Wir sind müde. Und es wird Nacht. So richtig Nacht. „Kannst Du Dir vorstellen, Du bist in einer „Clinic“ ganz ohne Strom?“ fragt mich Thomas. „Es ist dunkel, es gibt absolut nichts zu tun. Glaubst Du mir, dass die gerne lernen würden?“ Ich glaube es sogar.

Das Gästehaus des Ministerpräsidenten überrascht uns mit einem guten Abendessen und dem Niveau einer nicht sehr guten Jugendherberge. Doppelzimmer mit Thomas. Aber die Klimaanlage funktioniert. Nur Wasser gibt es heute keines. Thomas meint, wir dürften hier zwei Tage bleiben. Danach würden die Unterkünfte schlechter…

Stay tuned, Christian Johner

Ghana Report #1

Es sind noch 34°C. Abends um neun. Lufthansa-Flug LH566 hat mich gerade in Accra abgesetzt, der Hauptstadt Ghanas. Bemerkenswerterweise mit zwei Stunden Verspätung wegen Schneefalls in Frankfurt. 40°C Temperaturdifferenz.

Kaum angekommen heißen der stellvertretende Gesundheitsminister von Ghana mit seinem Stab uns, Thomas Erkert und mich, gleich am Flugplatz willkommen. Und auch „unser“ König ist schon da, der uns die nächsten Tage durch Ghana begleiten wird.

Noch 1,5h bis in einer andere Welt...

Zum Abendessen stoßen noch der Protokollchef und Verwaltungschef des Gesundheitsministeriums zu uns. Nach nicht immer einfachen Diskussionen kenne ich auch eines der wichtigsten Ziele des Ministeriums in Bezug auf die Gesundheitsversorgung: Jeder Patient soll im Krankenhaus ein Bett bekommen und nicht mehr auf dem Boden schlafen müssen. Alles klar.

Sofern ich die nächsten Tage eine Internetverbindung habe, halte ich Sie über unser Projekt „Healthcare IT for Africa“ auf dem Laufenden. Stay tuned …

Herzlichst, Christian Johner

2009-12-11: Ein Verein, ein Land und ein echter König

Zugegeben, es war der erste König, dem ich in meinem Leben die Hand geschüttelt habe. Ein echter König – aus Ghana. Doch der Reihen nach:

Vereinsgründung

Es begann mit einer Masterarbeit: Der Masterarbeit von Thomas Erkert, der am Institut studiert hat. Thomas hat in dieser Arbeit untersucht, wie man Informationstechnologien im Gesundheitswesen einsetzen kann, um die Gesundheitsversorgung in der dritten Welt zu verbessern. Vielleicht denken Sie „Wie soll das gehen: IT in Ländern, wo selbst Strom nur sehr begrenzt zur Verfügung steht?“. Sie haben nicht unrecht. Die Wahl adäquater Technologien ist schwierig, aber möglich. Beispielsweise verfügt Ghana, das Land, das Thomas besonders intensiv bereist und untersucht hat, über Mobilfunkschneisen, die im Schnitt innerhalb von 2h Stunden Fußmarsch erreichbar sind. Und genau hier wollen wir ansetzen.

Ohne Geld geht aber auch in diesem Projekt nur wenig. Selbst wenn wir ehrenamtlich tätig sind. Letzte Woche haben wir den Verein „Healthcare IT for Africa“ gegründet, dessen Ziel es sein wird, Gelder einzutreiben und die Projekte zu koordinieren. Ich bin glücklich, dass Thomas als stellvertretender Geschäftsführer zur Verfügung steht. Und ich gehöre dem Beirat an, der paritätisch aus Europäern und Ghanern wie dem ehemaligen ghanaischen Gesundheitsminister bestehen wird.

Und der König? Der hat uns bereits 6 ha Land in Aussicht gestellt. Für den Aufbau der Schule, dem Ableger des Instituts in Ghana?!

Mehr zu dieser Initiative in einem meiner nächsten Blog-Beiträge.

Beste Grüße, Christian Johner

2009-09-20: Afrika – helft mit!

Über die unsäglichen Umstände, auf die Thomas Erkert im Rahmen seiner Masterarbeit über das Afrikanische Gesundheitssystem stieß, habe ich berichtet. Wer Menschen sterben sieht, nur weil etwas Wissen und etwas Geld fehlt, der darf und soll nicht still halten. Und still halten möchten auch wir nicht mehr.

Spritzenraum Ghana

Deshalb werden wir Unterstützung leisten:

  • Wir verbessern die Ausbildung und das Wissen über Medizin und über die Möglichkeiten der Kommunikationstechniken im Gesundheitswesen. Dazu gründen wir eine Schule und bilden Lehrer aus.
  • Wir entwickeln adäquate IT, um das Gesundheitssystem zu verbessern. Inzwischen gibt es Mobilfunkschneisen, welche die Menschen innerhalb von 4h zu Fuß erreichen sollen. Über Mobilfunk gilt es, die Kranken und deren Helfern zeitnah und kompetent zu beraten und zu informieren.

Wir haben bereits erste und teilweise hochrangige Helfer gefunden. Darunter Chefärzte aus Deutschland, den Gesundheitsminister, einen Ministerpräsidenten sowie einen Stammeshäuptling in Ghana, die Ihre Unterstützung zugesagt haben. So wurde uns bereits das Land für die Schule kostenfrei angeboten. Ich habe Ihnen eine Beschreibung der Ziele und Wege dieser Initiative verfasst.

Um solch ein gewaltiges Projekt zu stemmen benötigen wir natürlich Geld. Besonders zu Beginn, wo wir noch über keine öffentlichen Fördergelder verfügen, sind wir auf finanzielle Hilfe angewiesen. Aber auch auf Menschen die mitarbeiten wollen. In den nächsten Wochen werden wir den Verein gründen, so dass Sie steuerwirksam spenden können.

Über Ihre Hilfe freuen wir uns!
Ihr Christian Johner