Post-Market Surveillance und Überwachung der Produkte im Markt

Montag 10. September 2018

Unter Post-Market Surveillance (Überwachung nach der Inverkehrbringung) versteht man einen proaktiven und systematischen Prozess, um aus Informationen über Medizinprodukte, die bereits in Verkehr gebracht wurden, notwendige Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen (CAPA, corrective and preventive action) abzuleiten.

Die ISO 13485:2016 und die ISO 14971:2012 verlangen eine Post-Market Surveillance, und die FDA hat im Mai 2016 ein überarbeitetes Guidance-Document dazu veröffentlicht.

Update: Abgrenzung der Post-Market Surveillance zum Post-Market Clinical Follow-up und zur Vigilanz weiter präzisiert.

Definition von Post-Market Surveillance

Sowohl die Medizinprodukteverordnung (MDR) als auch die FDA definieren den Begriff „Post-Market Surveillance“:

Definition: Post-Market Surveillance

„all activities carried out by the manufacturers in cooperation with other economic operators to institute and keep up to date a systematic procedure to proactively collect and review experience gained from their devices placed on the market, made available or put into service for the purpose of identifying any need to immediately apply any necessary corrective or preventive actions“

Quelle: MDR

Die Definition der FDA ist vergleichbar:

Definition: Postmarket Surveillance

„The active, systematic, scientifically valid collection, analysis, and interpretation of data or other information about a marketed device.“

Die Definition FDA ist zwar angenehm kurz, doch die umständlicher zu lesende Darlegung der MDR erscheint hilfreicher. Denn sie beschreibt nicht nur die Tätigkeiten, sondern auch die Ziele der Post-Market-Aktivitäten.

Post-Market Surveillance: Ziele

Hersteller müssen die Risiken durch ihre Medizinprodukte minimieren und die Sicherheit der Patienten gewährleisten, bevor sie ihre Produkte in den Markt bringen. Behörden und benannte Stellen überprüfen dies im Rahmen der Zulassung bzw. Konformitätsbewertung.

Allerdings offenbaren sich einige Risiken erst später im Laufe der Zeit, wenn die Anwender die Produkte täglich einsetzen.

Die Post-Market Surveillance hat zum Ziel,

  • diese Risiken beim praktischen Gebrauch des Produktes systematisch zu identifizieren,
  • die Leistungsfähigkeit der Produkte „im Feld“ zu überprüfen,
  • Produktfehler und unentdeckt gebliebene Sicherheitsprobleme zu finden,
  • die Nutzen-Risiko-Bewertung kontinuierlich zu aktualisieren und
  • notwendige Maßnahmen wie Rückrufe schnell einzuleiten.

Nur durch eine kontinuierliche systematische Überwachung nach der Inverkehrbringung (Post-Market Surveillance) können die Hersteller gewährleisten, dass die Medizinprodukte den Patienten den versprochenen Nutzen bieten und dass keine unbeherrschten Risiken existieren.

Welche Daten Sie bei der Post-Market Surveillance berücksichtigen können, lesen Sie weiter unten.

Post-Market Surveillance

Die Post-Market Surveillance ist ein kontinuierlicher Prozess: Informationen sammeln und bewerten, über Maßnahmen entscheiden und notwendige Maßnahmen umsetzen. (Zum Vergrößern bitte klicken)

Abgrenzungen

Eng verknüpft mit der Überwachung nach der Inverkehrbringung (Post-Market Surveillance) sind die Begriffe „Post-Market Clincial Follow-up“ (PMCF) und Vigilanz.

Post-Market Clinical Follow-up (PMCF)

Wie gerade erläutert hat die Post-Market Surveillance das Ziel, durch Beobachtung und Analyse des alltäglichen praktischen Gebrauchs den Nutzen von Medizinprodukten kontinuierlich zu belegen und bisher unbekannte Risiken zu identifizieren. Falls die „normale Marktbeobachtung“ dafür keine ausreichenden Daten liefert, können Post-Market Clinical Follow-up Aktivitäten des Herstellers notwendig werden, die auch Studien umfassen können.

Falls aus der PMS Informationen bekannt werden, aufgrund derer klinische Bewertung sich ändern würde, so ist diese zu aktualisieren. PMCF-Studien sollen klinische Daten sammeln mit dem unmittelbaren Ziel, die klinische Bewertung zu aktualisieren und zu verbessern.

Definition: Post-market clinical follow-up (PMCF)

„A continuous process to update the clinical evaluation referred to in Article 49 and Part A of this Annex [XIII]“

Quelle: MDR

Beim Post-Market Clinical Follow-up (PMCF) geht es also um das systematische Sammeln klinischer Daten mit dem Ziel, offen gebliebene wichtige Fragen zur Sicherheit oder Leistung des Medizinproduktes zu beantworten. Die Post-Market Surveillance beinhaltet das Sammeln aller Arten von bedeutsamer Information aus der Praxis, beispielsweise auch in Form von Serviceberichten, Anrufen bei der Hotline, Kundenbeschwerden usw.

Der PMCF hat das Ziel die klinische Bewertung zu aktualisieren. Die Post-Market Surveillance hat zum Ziel, über notwendige Maßnahmen zu entscheiden, um die Sicherheit der Patienten und Anwender zu gewährleisten. Bei dieser Entscheidung fließen die Ergebnisse der klinischen Bewertung mit ein. Der PMCF  ist somit eine Untermenge der Post-Market Surveillance.

Die Post-Market Surveillance ist eine Übermenge des Post-Market Clinical Follow-up

Die Post-Market Surveillance ist eine Übermenge des Post-Market Clinical Follow-up (Zum Vergrößern klicken)

Die MDR betrachtet den Post-Market Clinical Follow-up als Teil der Post-Market Surveillance. Sie schreibt z.B.

The manufacturer shall undertake to institute and keep up to date a post-market surveillance plan, including a post-market clinical follow-up

Allerdings unterscheidet die FDA die beiden Aspekte nicht so präzise: So verlangt sie, dass der Post-Market Surveillance Plan Angaben enthält, die man bei klinischen Studien festlegt wie die Anzahl der Probanden, das Studienziel und Einverständniserklärungen.

Vigilanz

Unter einem Vigilanzsystem versteht man ein reaktives Meldesystem. D.h. Hersteller müssen im Rahmen der Vigilanz regeln, wie sie Vorkommnisse an die zuständigen Behörden melden. Gesetze und Verordnungen wie die MPSV lassen den Herstellern beim Festlegen des Meldesystems wenig Spielraum.

Weiterführende Informationen

Lesen Sie hier mehr zum Thema Vigilanz, der auch auf die Abgrenzung zur Post-Market Surveillance eingeht.

Marktüberwachung

Nicht zu verwechseln mit der „Überwachung nach der Inverkehrbringung“ ist die „Marktüberwachung“. Letztere ist die Aufgabe der Behörden.

Fazit

Die Aktivitäten im Rahmen der Post-Market Surveillance, der Überwachung nach der Inverkehrbringung, des Meldewesens, des Post-Market Clinical Follow-up und der Vigilanz sind teilweise überlappend. Daher werden die Begriffe häufig synonym verwendet – was sie aber nicht sind.

Die regulatorischen Anforderungen beziehen sich meist auf mehrere Aspekte.

Regulatorische Anforderungen

a) Medizinprodukte-Richtlinie (MDD, 93/42/EWG)

Die Medizinprodukte-Richtlinie (MDD) fordert explizit (Anhang IX, klinische Bewertung): die Hersteller müssen die klinische Bewertung mit Daten aus der Post-Market Surveillance aktualisieren. Sie müssen begründen, wenn sie bei diesem Prozess keine Post-Market Clinical Follow-up vorsehen.

b) Medizinprodukte-Verordnung (MDR)

Die Medizinprodukte-Verordnung MDR beschreibt die Anforderungen an die Post-Market Surveillance um ein Vielfaches ausführlicher und konkreter. Gleich vier Artikel und ein Anhang widmen sie diesem Thema.

Die MDR widmet der Post-Market Surveillance gleich vier Artikel sowie einen eigenen Anhang (zum Vergrößern klicken)

Wichtige Forderungen der MDR an die Post-Market Surveillance sind:

  • Post-Market-Surveillance-Prozess definieren, planen und aufrecht erhalten
  • Kontinuierlich und systematisch Daten sammeln und bewerten
  • Kontinuierlich auf Basis dieser Daten über Maßnahmen entscheiden wie
    • CAPA initiieren (die kann das Produkt genauso betreffen wie den Hersteller und seine Prozesse)
    • Behörden oder Anwender informieren
    • Rückruf initiieren
  • Klinische Bewertung aktualisieren
  • Über Ergebnisse berichten (periodic safety update report)

Der Anhang III regelt, welche Quellen zu analysieren und wie diese zu bewerten sind.

Der Auditgarant stellt Ihnen die Forderungen der MDR einfach verständlich vor und gibt konkrete Tipps zur Umsetzung
Unser Videotraining „Auditgarant“ stellt Ihnen die Forderungen der MDR in verständlicher Form vor und gibt konkrete Tipps zur Umsetzung.

c) ISO 13485:2016

Die ISO 13485:2016 verpflichtet die Hersteller: die Wirksamkeit des QM-Systems und die Sicherheit der Medizinprodukte u.a. durch eine systematische Überwachung nach der Inverkehrbringung (Post-Market Surveillance) zu gewährleisten.

d) ISO 14971:2012

Auch die Norm zum Risikomanagement hat Anforderungen an die „nachgelagerte Phase“. Der Fokus dieser Norm ist allerdings nicht das Meldewesen. Hier geht es vielmehr darum, anhand von Informationen aus der Produktion oder danach (z.B. aus der Nutzung des Produkts), mehr zu lernen darüber ob

  • Wahrscheinlichkeiten und Schweregrade möglicher Schäden richtig geschätzt sind,
  • die Risiken vollständig indentifiziert sind
  • die vermuteten Risikoakzeptanzkriterien und Nutzen-Risikoverhältnisse gültig sind.

In der nachgelagerten Phase müssen Hersteller, die im Sinn der ISO 14971 handeln, nicht nur nach Problemen suchen. Alle Informationen sind bedeutsam, die helfen, die Korrektheit der eigenen Annahmen zu verifizieren oder falsifizieren.

Welche Daten Sie bei der Überwachung nach der Inverkehrbringung berücksichtigen können, lesen Sie weiter unten.

Der Risikomanagementbericht muss bestätigen, dass die geplanten Aktivitäten angemessen sind.

e) MEDDEV 2.12-1 und MEDDEV 2.12-2

Die MEDDEV 2.12-1 beschreibt Anforderungen an das Vigilanzsystem, vor allem wann die Hersteller welche Zwischenfällen in welcher Form und wie schnell melden müssen. Lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel zur MEDDEV 2.12-1.

Die MEDDEV 2.12-2 gibt Vorgaben für Post-Market Clinical Follow-up Studien. So beschreibt dieses mit 14 Seiten vergleichsweise kurze Dokument

  • wann eine PMCF indiziert sein könnte,
  • was ein PMCF Plan enthalten sollte und
  • welche Rolle die benannten Stellen spielen.

Genauere Vorgaben zum Durchführen klinischer Prüfungen und Studien (nicht nur PMCF) gibt zudem die ISO 14155.

f) MPG, MPSV

Das MPG und die MPSV fordern zwar eine Marktüberwachung, stellen aber eher an das Meldewesen (Vigilanz-System) und an die Rückrufe präzise Forderungen.

g) USA /FDA: 21 CFR part 822 und Guidance Document „Post-Market Surveillance“

Die FDA regelt im 21 CFR part 822 genau

  • wann eine Post-Market Surveillance notwendig ist,
  • was die Hersteller bei der Planung der Überwachung nach der Inverkehrbringung (Post-Market Surveillance) beachten müssen,
  • welche Dokumente die Hersteller vorweisen müssen und
  • wie schnell die Hersteller im Problemfall reagieren müssen und die FDA handelt.

Die FDA hat am 16. Mai 2016 speziell zum 21 CFR part 822 ein Guidance Document veröffentlicht, das den Herstellern weitere Hilfestellungen geben soll.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu den Forderungen der FDA finden Sie in diesem Artikel zum 21 CFR part 822 und im genannten Guidance Document.

Fazit

Im Gegensatz zum Meldewesen (Vigilanz) waren die europäischen Vorgaben zur eigentlichen „Überwachung nach der Inverkehrbringung“ bisher nicht so handlungsleitend, im Gegensatz zu den Anforderungen der FDA.

Dies wird sich nun allerdings mit der neuen MDR ändern, welche die Post-Market Surveillance um ein Vielfaches umfassender, konkreter und ausführlicher beschreibt. Die nachfolgenden detaillierten Tipps helfen Ihnen bei der Umsetzung.

Verfahrensanweisung Post-Market Surveillance

Als Hersteller von Medizinprodukten sollten Sie Ihre Post-Market Surveillance anhand folgender Aspekte regeln – beispielsweise in einer entsprechenden Verfahrensanweisung:

  1. Auslöser von Aktivitäten
    Es gibt generell zwei mögliche Trigger

    1. Basierend auf Zeitpunkt bzw. Zeitintervallen (z.B. einmal im Vierteljahr, jeden dritten Montag im Monat)
    2. Anlassbezogen (z.B. Kunde hat angerufen, neue Norm ist erschienen, 10.000stes Gerät wurde ausgeliefert)
  2. Informationsquellen
    Beispiele für Informationsquellen sind

    1. Kundenrückmeldungen einschließlich Kundenreklamationen
    2. Serviceberichte
    3. Ergebnisse bei Tests
    4. Beobachtungen von Mitarbeitern
    5. Behördendatenbanken mit Meldungen von Herstellern vergleichbarer Produkte, Technologien oder Verfahren über Probleme oder Maßnahmen
    6. Anrufe bei der Hotline
    7. Klinische Fachliteratur
    8. Ergebnisse von Post-Market Clinical Follow-up Studien
    9. Messen und Konferenzen
  3. Tätigkeiten
    Die Tätigkeiten betreffen typischerweise das

    1. Sammeln der Daten
    2. Auswerten der Daten
    3. Bewerten der Daten
    4. Ergreifen von Maßnahmen (z.B. Rückruf, Behördenmeldung, CAPA) oder das Begründen des Nichtstuns.
  4. Verantwortlichkeiten
    Die Verfahrensanweisungen sollten auch beschreiben, welche Rollen für welche Tätigkeit zuständig sind. Involviert sind beispielsweise die Medizinprodukteberater, die Sicherheitsbeauftragten, die Risikomanager, die Entwicklung, der Support, die Hotline, der Service und das Management.
  5. Dokumentation und Werkzeuge
    Da die Hersteller im Rahmen der Post-Market Surveillance umfangreiche Daten bewerten, empfehlen wir, diese Informationen mit Hilfe von Werkzeugen zu dokumentieren. Vergessen Sie nicht, diese Werkzeuge zu validieren. Die ISO 13485:2016 fordert das.

Kategorien: Regulatory Affairs, Risikomanagement & ISO 14971
Tags: , , ,

13 Kommentare über “Post-Market Surveillance und Überwachung der Produkte im Markt”

  1. Mirko Gadza schrieb:

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner, Herr Geis von der Firma Pro Context hat mir empfohlen Sie zu kontaktieren bezüglich Post Market Surveillance.
    Ich bin auf dem Gebiet noch ein greenhorn und möchte Sie fragen ob Sie Seminare für das „Post Market Surveillance“ anbieten?

    Freundliche Grüsse
    Mirko Gadza

  2. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Antwort per E-Mail folgt sofort 🙂

  3. Stephan Maihold schrieb:

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner,
    bei der Definition auf dieser Seite wird „Post-Market-Surveillance“ mit „Marktbeobachtung“ gleichgesetzt. In den neuen EU-Verordnungen werden doch aber unter „Marktbeobachtung“ die von den Behörden durchgeführten Tätigkeiten verstanden, während die Tätigkeiten des Herstellers „Überwachung nach dem Inverkehrbringen“ heißen. Falls ich hier richtig liege, mögen Sie Ihren Beitrag vielleicht überarbeiten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Stephan Maihold

  4. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Da haben Sie Recht, lieber Herr Maihold! Wir werden den Beitrag aktualisieren.

  5. Martin Schraag schrieb:

    Der PMCF war bei seiner Einführung 2007 eine merkwürdige, international einmalige Sache. Er war für viele KMU irritierend, weil sie begründen mussten, wenn sie keine PMCF durchführen wollten. Genau genommen war der PMCF eine klinische Studie ohne Ethikkommission und ohne Patienteneinverständniserklärung – eine Verletzung der Deklaration von Helsinki.

    Hintergrund war nach meiner Erinnerung das Drängen von Herstellern von beispielsweise tierischem oder menschlichem Gewebe als Medizinprodukte. Da Langzeitschäden kaum innerhalb der üblichen wenigen Jahre klinischen Studien sicher auszuschließen waren, gab es die Furcht, eine Marktzulassung wirtschaftlich kaum überleben zu können. Also eröffnete die Kommission die Möglichkeit, klinische Studien alternativ nach Marktzulassung weiterzuführen. Der saubere Weg wäre gewesen, die Unsicherheit über langfristige Folgen als Restrisiko an Arzt und Patienten zu kommunizieren und die zuvor existierenden klinischen Studien längerfristig weiterzuführen.

    Liest man die Kriterien für PMCF im MEDDEV 2.12/2 rev2, so sticht entsprechend hervor: „unanswered questions of long-term safety and performance “ Die anderen Punkte der Liste rechtfertigen keine PMCF. Die FDA ist hier ‚sauber‘ geblieben, vor allem ist es dort die Behörde, die die Notwendigkeit und die Kontrolle festlegt, und es ist ein sehr seltener Fall.

    Schaut man sich nun die neue MDR an, so erscheint ein PMCF fast schon der Normalfall zu sein, eine Begründung, einen PMCF nicht durchzuführen, kaum möglich, insbesondere, weil es keine Kriterien gibt. Der Hersteller wird so zum Spielball der externen Gutachter. Die EU geht damit einen international völlig isolierten Weg, der zudem ethisch anrüchig ist: Klinische Studien müssen bei der Zulassung abgeschlossen sein. Wie soll ein PMCF brauchbare Daten liefern, wenn die Studie nicht engen Kriterien folgen kann und der Patient nicht eingeweiht ist? Es wäre mal interessant zu sehen, wie eine FDA reagiert, wenn ein in den USA und in der EU zugelassenes Produkt in der EU als in der klinischen Bewertung nicht abgeschlossen zu betrachten gilt.

  6. Binder schrieb:

    Guten Tag,
    muss ich als Händler eines nicht-EU Herstellers ebenfalls eine PMS durchführen? Es handelt sich hierbei um ein Klasse I Produkt
    Vielen Dank

  7. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Die Aufgabe der PMS liegt beim Hersteller, nicht beim Händler. Allerdings kann der Hersteller die Händler verpflichten, Daten für die PMS bereitzustellen. Beispielsweise ist der Händler meist auch Medizinprodukteberater, der vom Gesetz verpflichtet ist, Informationen zur Sicherheit der Produkte an den Hersteller zu liefern. Das zählt auch zur PMS.

  8. Amm schrieb:

    Sehr geehrter Herr Professor Johner,

    Ich bin Student der TUM und interessiere mich für die neuen Zulassungs Richtlinien von Medizin Produkten. Mit der eintretenden MDR, welche Risikoklassen müssen die PMS durchführen und was passiert, wenn diese nicht durchgeführt werden. Verliert das Produkt dann seine Zulassung?

    Vielen Dank für ihre Hilfe im Voraus.

  9. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Sehr geehrter Herr Amm,

    danke für Ihre Nachricht!

    Alle Produkte müssen im Markt überwacht werden. Nur die Anforderungen an die Berichte unterscheiden sich.

    Wenn die PMS nicht durchgeführt wird, kann es zwei Konsequenzen haben:

    1. Die Behörden merken und ergreifen dann eine Maßnahme. Das kann bis zur Stilllegung reichen.

    2. Die benannte Stelle bemerkt es und kann dann das ISO 13485 Zertifikat aussetzen. Das kann ebenfalls zur Folge haben, dass keine Produkte mehr vermarktet werden dürfen.

    Beste Grüße, Christian Johner

  10. Bernd Hirschauer schrieb:

    Sehr geehrter Herr Prof. Johner
    Wir sind Zulieferer von fertigen Medizinprodukten, wir liefern keine OEM Produkte noch bringen wir Produkte unter eigenem Namen in Verkehr.
    In diesem Fall benötigen wir doch weder Regelungen für Post-Market Surveillance, der Überwachung nach der Inverkehrbringung, des Meldewesens, des Post-Market Clinical Follow-up und der Vigilanz oder eine Qualified Person?

  11. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Sehr geehrtere Herr Hirschauer,

    in diesem Fall sind Sie zu nichts verpflichtet — von der üblichen Produkthaftung abgesehen.

    Für die genannten Themen ist der Hersteller verantwortlich. Er kann Sie über eine QSV natürlich zu etwas verpflichten.

    Viele Grüße, Christian Johner

  12. Romuald Dudzinski schrieb:

    Eine prima Übersicht mit sauberer Abgrenzung der ähnlichen und sich teils überschneidenen Begriffe und Aufgaben der Überwachung nach der Inverkehrbringung (PMS), des Post-market clinical follow-up (PMCF) und des Meldesystems über Vorkommnisse (Vigilanzsystem).

  13. Prof. Dr. Christian Johner schrieb:

    Danke, lieber Herr Dudzinski! Ich freue mich über Ihre Rückmeldung! Beste Grüße, Christian Johner

Kommentar schreiben